Generalstreik im Sudan: Obwohl am ersten Tag vier Menschen von den Milizen ermordet wurden, beginnt auch der zweite Tag mit einem Land voll Phantom-Städten…

Szene aus Khartum vom 10.6.2019 - dem Morgen des zweiten Tages des Generalstreiks gegen den Militärrat im Sudan„… Die Straßen in der sudanesischen Hauptstadt Khartum blieben weitgehend leer, die meisten Geschäfte geschlossen. Und das, obwohl in dem islamischen Staat ein ganz normaler Arbeitstag gewesen wäre, der erste nach dem Ramadanfest. Viele Sudanesen sind offenbar dem Aufruf der Opposition zum Generalstreik gefolgt. Arbeiter und Angestellte sollen zu Hause bleiben, hatte das Gewerkschaftsbündnis SPA, das die Proteste gegen den regierenden Militärrat organisiert, getwittert. Mohammed Diaaeddin, Mitglied der Oppositionsbewegung, zeigte sich zufrieden: “Die ersten Informationen, die wir erhalten haben, deuten darauf hin, dass der Streik und der zivile Ungehorsam trotz Drohungen vom Militärrat großen Erfolg haben”, sagt er. “Der gesamte Verkehr in der Hauptstadt ist lahmgelegt. Fast alle Institutionen – öffentlich und privat – beteiligen sich am Streik.” (…) Die Armeeführung, die seit dem Sturz des sudanesischen Langzeitmachthabers Omar al-Bashir an der Macht festhält, scheint weiterhin gewaltsam gegen die Proteste vorzugehen. Laut SPA sind Dutzende streikende Angestellte von Banken, Kraftwerken und des Flughafens verhaftet worden. Damit sollen, so das Bündnis, andere unter Druck gesetzt werden, um den Streik zu brechen…“ – aus der Meldung „Opposition erhöht Druck auf Militärrat“ am 09. Juni 2019 bei tagesschau.de externer Link zum ersten Tag des Generalstreiks gegen die Militär-Diktatoren. Siehe zum Generalstreik im Sudan und dem – bisher erfolglosen – Terror der Milizen fünf weitere aktuelle Beiträge, einen Link zum entsprechenden Hashtag und einen Hintergrundbeitrag, sowie den Hinweis auf unseren bisher letzten Beitrag zur versuchten Repression durch den Militärrat:

„Second day of Sudan Civil Disobedience“ am 10. Juni 2019 im twitter-Kanal der Sudanese Translators for Change externer Link ist eine kleine Sammlung von Fotos vom Morgen des Pfingstmontag, also zum Beginn des zweiten Tages des Generalstreiks: Tote Stadt Khartum…

„Soudan: un premier jour de «désobéissance civile» meurtrier“ am 10. Juni 2019 bei RFI externer Link ist eine Reportage über den ersten Tag des Generalstreiks und der Kampagne des zivilen Ungehorsams in deren Rahmen er stattfindet – ein tödlicher erster Tag, wie bereits der Titel deutlich macht. Darin wird zum einen berichtet, dass vor allem die Hauptstadt Khartum an diesem Tag eine Phantom-Stadt war, wo in nahezu allen Stadtteilen vielfach Barrikaden gebaut worden seien, aber auch zum Zweiten, dass nicht nur die RSF-Mordbanden, sondern nun auch wieder die Polizei das Feuer eröffneten (unter anderem auch auf die TeilnehmerInnen eines Begräbnisses) und erneut mindestens 4 Menschen ermordet haben. In der Reportage wird auch darauf verwiesen, dass innerhalb der zivilen Opposition erstmals darüber diskutiert werde, ob es nötig sei, sich im Angesicht des Terrors der Milizen, die von der EU, von Saudi Arabien und Ägypten finanziert werden, ebenfalls zum bewaffneten Widerstand überzugehen.

„Millions join general strike in Sudan aimed at dislodging army“ von Jason Burke und Zeinab Mohammed Salih am 09. Juni 2019 im Guardian online externer Link ist ebenfalls ein Bericht aus Khartum vom Tage, worin die Morde der RSF-Bande in Khartum und der Nachbarstadt Omdurman ebenso berichtet werden, wie die – wirkungslose – Verhaftung zahlreicher Beschäftigter am Flughafen, der trotz diesen Terrors voll bestreikt worden sei. Wie einige ihrer Gesprächspartner gehen die Autoren davon aus, dass der sogenannte Militär-Rat darauf setze, einige Streiktage überstehen zu können und solange mit Terror dafür zu kämpfen, dass die demokratische Bewegung eingeschüchtert werde.

„Oppositionsführer in Haft“ am 08. Juni 2019 ist eine epd-Meldung externer Link (hier bei der taz) über die Repression im Vorfeld des Generalstreiks, worin unter anderem berichtet wird: „… Einen Tag nach dem äthiopischen Vermittlungsversuch in der Krise im Sudan haben Militär und Geheimdienst drei Oppositionsführer festgenommen. Der Generalsekretär der SPLM-N, Ismail Dschalab, der Sprecher der Partei, Mubarak Ardol, sowie ein führender Gewerkschafter, Mohamed Ismat, seien in den frühen Morgenstunden des Samstags aus ihren Häusern verschleppt und an einen unbekannten Ort gebracht worden, berichtete die Sudan Tribune (Online). Alle drei hatten am Freitag an dem Treffen mit Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed teilgenommen, der eine Verhandlungslösung anstrebt. In Khartum hatten sie sich mit dem Chef der Militärjunta, Abdel Fattah al-Burhan, getroffen. Dabei rief Abiy Ahmed zur Einheit des nordostafrikanischen Landes auf. Nach dem Treffen hatten die Oppositionellen sich grundsätzlich bereit erklärt, indirekte Verhandlungen mit dem sogenannten Militärrat zu führen. Abdel Fattah al-Burhan hatte ebenfalls Gesprächen zugestimmt…“

„Police officer who was slaughtered by the #RSF/Janjaweed“ am 09. Juni 2019 im Twitter-Kanal von Eric Reeves externer Link ist eine Meldung über die Ermordung eines Polizisten durch die RSF-Bande – die zum Rücktritt des Obersten Polizeigenerals aus dem Militärrat führte (nachdem schon zwei weitere Mitglieder seit dem Massenmord am 3. Juni zurückgetreten seien). Ganz phantasiert ist die Vorstellung der Opposition, nach der es wachsende Widersprüche in diesem Gremium gäbe dann ja wohl nicht…

„#TotalCivilDisobedience“ externer Link ist der Hashtag, unter dem die Ereignisse seit Ausrufung des Generalstreiks am Sonntag gesammelt werden.

„Ein Warlord als neuer starker Mann im Sudan?“ von Fabian Urech am 09. Juni 2019 in der NZZ online externer Link berichtet unter anderem über den Chef der RSF-Banden: „… Hemeti, den Beobachter trotz seiner geringen Schulbildung als intelligent und als sehr ambitioniert beschreiben, stieg in der Hierarchie der gefürchteten Paramilitärs rasch auf und gehörte bald zu deren wichtigsten Köpfen. Als Bashir 2013 die RSF ins Leben rief, setzte er Hemeti an deren Spitze. Damit wurde dieser in Darfur, wo die RSF die Mission der Janjaweed quasi nahtlos fortsetzten, zum direkten Handlanger und Komplizen des übel beleumdeten Diktators. Was das hiess, brachte unter anderem die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch ans Licht. In einem Bericht aus dem Jahr 2015 kommt sie zum Schluss, dass RSF-Kämpfer unter der Leitung von Hemeti in Darfur und in zwei weiteren Regionen des Sudans Kriegsverbrechen begingen. «Die Truppen griffen wiederholt Dörfer an, plünderten Häuser und brannten sie nieder, vergewaltigten, schlugen und töteten Bewohner.» (…) Ob der letzte Schritt in Hemetis erstaunlicher Karriere vom armen Schulabbrecher an die politische Spitze des Sudans gelingt, ist jedoch unsicher. Als Milizenführer vom Land bleibt er für die politische Elite Khartums ein unberechenbarer Fremdkörper, dessen Aufstieg viele bekämpfen werden. Zudem dürfte der nun geweckte Widerstandsgeist in der Bevölkerung nicht einfach verschwinden.  Andererseits bringt Hemeti vieles mit, was seine Machtergreifung begünstigen könnte. Mit den mehreren tausend ihm loyalen RSF-Kämpfern verfügt er über eine militärische Schlagkraft, die jener der regulären Armee zumindest nahe kommt. Seine Verbindungen ins Ausland sind gut, insbesondere nach Riad, wo man nicht vergessen hat, dass Hemeti für die saudische Seite zahlreiche RSF-Kämpfer nach Jemen geschickt hat. Und nicht zuletzt soll er, so berichten mehrere Quellen, in den letzten Jahren erhebliche finanzielle Mittel angehäuft haben, unter anderem durch die Kontrolle von Goldminen in Darfur…“

Zum Widerstand gegen die Diktatur der Milizen zuletzt: „Das von den Militär-Diktatoren im Sudan erneuerte Gesprächsangebot nach den Morden ist Ergebnis der fortgesetzten Proteste im ganzen Land – und wird von der Opposition abgelehnt“ am 07. Juni 2019 im LabourNet Germany