Nicht nur Freilassung, sondern Freiheit für Doğan Akhanlı ist die Forderung

Köln: Zehntausende gegen ErdoganAus dem Gefängnis entlassen, aber in Madrid fest gesetzt – das ist noch lange nicht die Erfüllung der einfachsten demokratischen Forderung in Zusammenhang mit der willkürlichen Festnahme Doğan Akhanlıs durch spanische Behörden auf Verlangen der türkischen Regierung. In dem kurzen Bericht „Freilassung angeordnet“ von Tobias Schulze am 20. August 2017 in der taz externer Link wird dazu vermeldet: „Ein spanisches Gericht hat nach einer Anhörung am Sonntagvormittag die Haftentlassung mit der Auflage angeordnet, dass Akhanlı in Madrid bleibt. Das bestätigte sein Anwalt der taz. Akhanlı, ein in der Türkei geborener Schriftsteller mit deutscher Staatsbürgerschaft, war am Samstag während seines Urlaubs in Spanien festgenommen worden. Grundlage dafür war offenbar ein Fahndungsersuchen aus der Türkei, wo Akhanlı einst wegen der mutmaßlichen Beteiligung an einem Raubmord vor Gericht stand“ – wozu hinzugefügt werden müsste, dass der Möchtegern Sultan aller Turkvölker ein Gerichtsurteil (mit Freispruch, da nachweislich zur Tatzeit in einem anderen Land) aufheben ließ: Das eigentliche „Verbrechen“ besteht darin, zum Massenmord an ArmenierInnen nicht zu schweigen. Siehe dazu zwei Beiträge über Solidaritäts-Aktivitäten, nicht aus Berlin:

  • „Stellungnahme von glokal e.V. zur Verhaftung unseres Kollegen Doğan Akhanlı“ am 19. August 2017 bei isd externer Link, worin unter anderem hervor gehoben wird: „Wir fordern das Auswärtige Amt, die Bundesregierung und damit alle Parlamentarier*innen des Bundestages auf, die sofortige Freilassung unseres Kollegen zu erwirken und sich für die Freilassung aller zu Unrecht inhaftierter Journalist*innen und Zivilist*innen in der Türkei einzusetzen, denn die Vision eines freien und demokratischen Zusammenlebens braucht eine globale und kollektive Praxis“.
  • „Türkei lässt deutschen Autor in Spanien festnehmen“ von Gerrit Wustmann am 19. August 2017 bei telepolis externer Link, worin es unter anderem heißt: „Zuletzt 2010 hatte ihn die türkische Polizei bei der Einreise am Istanbuler Atatürk-Flughafen festgenommen. Der nach Ansicht von Beobachtern politisch motivierte Prozess endete mit einem Freispruch, der allerdings 2013 wieder aufgehoben wurde. Genau weiß aber bislang auch sein Anwalt Ilias Uyar nicht, was Akhnli vorgeworfen wird, da er noch keinen Kontakt zu seinem Mandanten bekommen hat.  Auch die SPD-Politikerin Lale Akgün zeigt sich entsetzt. “Ich kenne Dogan seit vielen Jahren, er ist ein friedfertiger Mensch. Dass er nun schon wieder festgenommen wird, ist absurd.” Heftige Kritik übt sie auch an den spanischen Behörden. Es dürfe nicht sein, dass ein EU-Land ungeprüft türkische Haftbefehle anwende. Reporter ohne Grenzen hatte dieses Vorgehen im Fall Yalcin als Missbrauch der Polizeizusammenarbeit bezeichnet. Akgün vermutet, dass Erdogan austesten will, wie weit über die Türkei hinaus er seine Kritiker verfolgen kann“.