Freiheit für Alfonso/Alfon!

Dossier

Spanien: Freiheit für Alfonso!Aus Anlaß des Generalstreiks von 2012, der in einer Reihe südeuropäischer Länder stattfand, war in Vallecas (bei Madrid) unter anderem auch der 22-jährige Alfonso als Streikposten festgenommen worden. Nach 56 Tagen Haft wurde er entlassen – jetzt, am 18. September 2014, soll ihm der Prozess gemacht werden. Zu seiner Verteidigung gegen diesen Angriff auf ein Grundrecht hat sich eine Plattform gebildet. Zu ihrer Unterstützung sind auch zahlreiche Alternativgewerkschaften entschlossen. Aus diesem Anlass beteiligt sich das internationale Netzwerk der Solidarität und Kämpfe am 16. September 2014 in mehreren Ländern an Protesten vor offiziellen spanischen Stellen. Dazu der Aufruf Les organisations membres du réseau syndical international de solidarité et de luttes soutiennent les initiatives de la plate-forme pour la liberté d’Alfonso . Dazu neu nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs am 16. Juni 2015:

  • Wegen Streikposten stehen seit über einem Jahr im spanischen Gefängnis: Interview mit der Mutter von AlfonNew
    Die breite Solidaritätskampagne weit über Spanien hinaus hatte es nicht geschafft, die absurde Verurteilung von Alfonso Ortega zu vier Jahren Gefängnis wegen „Gewaltanwendung als Streikposten“ zu verhindern. In dem Interview „Entrevista a Elena Ortega, la madre de Alfon“ am 24. März 2017 externer Link bei kaosenlared dokumentiert, spricht nun seine Mutter über ihren Sohn nach über einem Jahr im Gefängnis („seine Entschlossenheit ist nur gewachsen“) und ihre Familie ((„Wir wissen, wohin wir gehören“) und eben die Auswirkungen, die so ein Urteil hat, gesprochen von einem Gericht, das bei guten Bezügen sein Leben genießt

  • Der Prozess gegen Alfon – eine echte Justizfarce
    Alfon LibertadDer Schauprozess gegen Alfonso Ortega, genannt Alfon, sollte eigentlich am 18. September zu Ende gehen, wurde aber vertagt, weil die drei wesentlichen (Polizei)Zeugen „in Urlaub“ waren – jetzt war es so weit und es war schon der Wahl des kleinstmöglichen Gerichtssaales anzumerken, dass Proteste größerer Art verhindert werden sollten – gerade einmal 19 Personen fanden dort Platz. Aber es wurde noch kein Urteil gefällt, weil die diesmal anwesenden Zeugen denn doch arg wenig zu bieten hatten – auf den Molotow-Cocktailflaschen, die Beweise für seine terroristischen Absichten sein sollten, fanden sich noch nicht einmal seine Fingerabdrücke, so dass auch die dreimonatige Untersuchungshaft extrem fragwürdig geworden ist. Die breite Protestbewegung gegen diesen Prozeß hatte stets damit argumentiert, Alfon solle keineswegs wegen irgendwelcher Gewaltakte vor die Justiz, sondern aus politischen Gründen, als Bestandteil einer Staatskampagne zur Einschüchterung und gegen Streiks. Der ausführliche Bericht El juicio contra Alfon evidencia la persecución policial von Shanghay Lilly am 25. November 2014 bei Publico externer Link widmet sich auch ausführlich der allgemeinen Geschichte des Verschwindens von Beweismitteln bei der Polizei Spaniens – und ihres stets überraschenden Wiederauftauchens
  • Alfonso: Ein Schauprozeß gegen Streikende
    Der Aufruf zur Solidarität mit Alfonso Ortega, den auch LabourNet Germany in der letzten Woche veröffentlicht hatte, für einen Aktionstag am 16. September, vor Prozessbeginn, wurde bereits in mehreren Ländern außerhalb Spaniens (in Spanien ohnehin seit längerem) befolgt. Auch etwa in Berlin: „Am 18. September beginnt in Madrid das Verfahren in einem Fall, der für Schlagzeilen sorgte. Alfonso Fernández Ortega – meist Alfon genannt – war der einzige, der am 14. November 2012 in Spanien verhaftet wurde, als erstmals Spanien, Portugal und Griechenland gemeinsam bestreikt wurden und es auch zu einzelnen Streiks und Protesten in anderen EU-Ländern kam. Seine Freunde und Familie sind überzeugt, dass an Alfon ein Exempel über eine “Inszenierung der Polizei” statuiert werden soll“ – aus dem Bericht Spanien verurteilt Streikposten zu langen Haftstrafen externer Link von Ralf Streck am 06. September 2014 bei telepolis, worin sowohl über die Berliner Veranstaltung berichtet wird, als auch der „Fall Alfonso“ eingeordnet wird in die Repressionswelle gegen Streikende im Allgemeinen und jene des internationalen Streiktags von 2012 im Besonderen