Millionen Beschäftigte in der spanischen Tourismus-Industrie: Prekär und – zunehmend – selbstorganisiert

Putzfraun in Barcelona gegen den UGT Tarifvertrag mit Outsourcing

Rund 18 Millionen Beschäftigte werden in Spaniens Arbeitsstatistik gezählt. Beinahe ein Drittel von ihnen, knapp 5,5 Millionen arbeiten in der Tourismusbranche. Davon wiederum arbeiten 1,7 Millionen im Hotelwesen – mit einem Durchschnittsverdienst von etwas über 13.000 Euro im Jahr. Die etwa 100.000 Putzfrauen davon verdienen je gereinigtem Zimmer sage und schreibe 2,15 Euro. Als ganz wesentlicher Bestandteil des Kapitalismus in Spanien ist dieser Bereich gekennzeichnet von zahllosen Überstunden bei oftmals befristeten Verträgen und besonders schlechter Bezahlung. Kein Zufall, dass es zwei Besonderheiten gibt: Den weit überdurchschnittlichen Krankenstand – und eine jährlich anwachsende Tendenz zur Selbstorganisation, da bis vor kurzem – gerade eben die Selbstorganisation hat hier zur Veränderung beigetragen – die großen Gewerkschaftsverbände hier nicht besonders viel unternahmen. Siehe zur Situation und Entwicklung von Beschäftigung und gewerkschaftlicher Tätigkeit im Tourismus-Sektor drei Beiträge, die einen Überblick geben:

  • „Las Kellys se movilizan contra la UGT por la firma del convenio catalán de hostelería“ am 07. September 2017 bei kaosenlared externer Link ist ein Beitrag zu einer neuen Aktion des sich immer stärker ausbreitenden Netzwerkes von Putzfrauen in inzwischen einer ganzen Reihe von Hotels  „die Kellys“ – gegen den Tarifvertrag, den die Gewerkschaft im UGT – Verband für die Hotelbranche in Katalanien abgeschlossen hat. Dabei geht es im Grundsatz um die Zustimmung der Gewerkschaft zur Fortsetzung des Outsourcings im Reinigungswesen, das die selbstorganisierten Putzfrauen im Gegensatz zur (von den Unternehmen per Erklärung als Sozialpartner akzeptierten) UGT-Gewerkschaft – die bei den Gewerkschaftswahlen daraufhin auch eine Mehrheit von sechs der elf VertreterInnen gewann. Mit der Unterstützung zahlreicher alternativer Basisgewerkschaften haben „die Kellys“ am Ort der Unterzeichnung des Tarifvertrages eine Protestdemonstration organisiert. Die UGT sah sich gezwungen, sich gegen die Kritik zu verteidigen (die Zeiten, als solche Aktionen ignoriert werden konnten, scheinen vorbei zu sein) und betont, man habe mögliche neue Auslagerungen unter die Bedingung der Gleichbehandlung gestellt – was allerdings nicht für die bestehenden Verträge gilt.