Der Unternehmerterror gegen marokkanische Landarbeiterinnen in Andalusien ruft wachsenden Protest hervor – der alltägliche Terror sexueller Gewalt auch

Demonstration gegen Terror auf andalusischen erdbeerfeldern - in Solidarität mit marokkanischen Landarbeiterinnen am 16.6.2018 in HuelvaAbgeschoben sollten sie werden, die rund 400 marokkanischen Landarbeiterinnen – weil sie gegen Arbeits- und Lebensbedingungen auf den andalusischen Erdbeerfeldern protestiert hatten. Bei Nacht und Nebel weg mit ihnen, so der Plan des Unternehmens – der nur nicht funktioniert hat, weil es genügend Menschen gab, die genau ein solches Vorgehen zumindest als möglich gesehen hatten, und einschreiten konnten, als es passieren sollte. (Siehe den Verweis auf unseren ersten Bericht am Ende dieses Beitrags). Nun ist dieses Vorgehen, der Terror gegen die Landarbeiterinnen sowohl in ihrem Alltag, als auch bei dieser Aktion zum Gegenstand gesellschaftlicher Debatten und Mobilisierungen geworden. Die andalusische Alternativgewerkschaft SAT hatte, zusammen mit den Regionalverbänden von CGT und CNT,  zur Protestdemonstration nach Huelva aufgerufen – und es wurde zur größten Demonstration seit langer Zeit, an der sich mehrere Tausend Menschen beteiligten. „Erdbeeren mit Gerechtigkeit“ war eine der zentralen Losungen. Siehe dazu fünf  aktuelle Beiträge und den Hinweis auf unseren ersten Bericht zu den Ereignissen und zum Alltag auf den Erdbeerfeldern Andalusiens:

  • „Fresas si, pero con derechos. MARCHA EN HUELVA“ am 07. Juni 2018 bei der SAT externer Link war der Demonstrationsaufruf der andalusischen Alternativgewerkschaft zur Demonstration am 17. Juni 2018 in Huelva. Die Frauen der SAT wenden sich darin direkt an alle verschiedenen Frauengruppen und Organisationen der Region, sich an der Demonstration zu beteiligen. Dabei wird gefordert, dass der Widerspruch zwischen den Versprechungen, die den Erntehelferinnen in ihrem Heimatland gemacht werden und der Wirklichkeit, die sie in Spanien erwartet, beseitigt wird. Dies im Wesentlichen durch die Ausweitung der Arbeitsinspektion und das Recht auf gewerkschaftliche Organisierung.
  • „Aldi Süd nimmt nach BuzzFeed-Recherchen spanische Erdbeeren aus dem Sortiment“ von Pascale Müller und Stefania Prandl am 14. Juni 2018 bei Buzzfeed externer Link ist ein „Zwischenbericht“ der beiden Filme-Macherinnen zur Reaktion bundesdeutscher Supermarkt-Ketten auf ihre Anfrage, in dem es unter anderem heißt: „Auf Anfrage von BuzzFeed News schreibt Aldi Süd: „Die Unternehmensgruppe Aldi Süd hat in der Vergangenheit eine sehr geringe Menge an Obst von den genannten Erzeugern bezogen. Zu den Erzeugern bestehen keine direkten Geschäftsbeziehungen. Bis zur Klärung der Sachlage beziehen wir keine Ware von den von Ihnen benannten Erzeugern.“ BuzzFeed News hat die sechs größten Supermarktketten in Deutschland angefragt, ob sie Produkte von den Erdbeerfarmen „Freserrano“, „Doñana 1998“ oder der Vertriebsgenossenschaft „Sociedad Cooperativa Andaluz Santa Maria de la Rabida“ beziehen, die von „Freserrano“ beliefert wird. Erntehelferinnen hatten Vorgesetzten bei „Freserrano“ und „Doñana 1998“ vorgeworfen, sie sexuell belästigt und in mindestens einem Fall auch vergewaltigt zu haben. Außerdem sollen die Frauen körperlich misshandelt worden sein, Teile ihres Gehalts seien nicht ausbezahlt worden und sie hatten keinen ausreichenden Zugang zu Sanitäranlagen und medizinischer Versorgung. Für die Recherche hatte BuzzFeed News mit mehr als 100 Frauen in Spanien, Marokko und Italien gesprochen. In der vergangenen Woche hatte „Doñana 1998“ dutzende Frauen entlassen und in Bussen gekidnappt, offenbar damit diese nicht gegen das Unternehmen aussagen“.