Schwedische Erfahrungen mit 6-Stunden-Arbeitstag: Positiv

Das ABC der ArbeitszeitverkürzungIm staatlichen und halbstaatlichen Sektor hat vor allem die Stadt Göteborg den Sechsstundentag getestet. Auch in Schweden steht die Qualität in der Pflegebranche in der Kritik, die Arbeit gilt als sehr hart. Die rund 60 Pflegekräfte eines Göteborger Altenheims durften auch deshalb von 2015 bis 2017 sechs statt acht Stunden bei vollem Lohn arbeiten. 14 neue Kräfte wurden eingestellt. Die Mehrkosten lagen bei zehn Millionen Kronen (eine Million Euro). »Die Arbeitsverhältnisse verbesserten sich laut Studie deutlich, das Personal hatte mehr Energie, Krankenstände wurden niedriger, die Alten wurden viel besser betreut«, sagt der Göteborger Vizebürgermeister Daniel Bernmar von der Linkspartei dem »nd«. Bürgerliche Stadtpolitiker werfen ihm vor, das sei alles zu teuer. »Die Hälfte der zusätzlichen Kosten verschwinden, wenn man Kostensenkungen an anderer öffentlicher Stelle mitrechnet. Arbeitslosen- und Sozialhilfe etwa, weil zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Auch der Krankenstand sinkt, und weniger Überstunden müssen bezahlt werde«, entgegnet Bernmar seinen Kritikern“ – aus dem Beitrag  „Schweden probt den 6-Stunden-Tag“ von Bengt Arvidsson am 07. Februr 2018 in neues deutschland externer Link mit einigen konkreten Erfahrungsberichten aus verschiedenen Branchen – die reichlich im Gegensatz stehen zur Antipropaganda bundesdeutscher neoliberaler Beauftragter in Presse, Funk, Fernsehen und Internet… Siehe dazu auch ein Beispiel für die total sachliche Berichterstattung über diese Erfahrungen im Vorfeld der Metalltarifrunde 2018 in der BRD – und den Verweis auf unseren letzten Beitrag zur Arbeitszeit in Schweden:

  • „Auch Schweden scheiterte am Sechs-Stunden-Tag“ von den Herren Thomas Schmelzer und Max Haerder am 22. November 2017 in der Wirtschaftswoche externer Link (eine Titelgebung, die dann im Artikel selbst nicht wirklich dargestellt werden kann) worin anhand eines – eines! – zurückgezogenen Experiments messerscharfe Schlussfolgerungen gezogen werden: „Nur eine Zahl stört Lorentzons Euphorie. Sie steht ganz hinten in der Präsentation, ein wenig versteckt: 12,5 Millionen Kronen, etwa 1,25 Millionen Euro. So teuer war das Experiment. Zu teuer, selbst für das reiche Schweden. Deswegen ist, Erfolgsbilanz hin oder her, das Experiment von Göteborg schon wieder Geschichte. Nach zwei Jahren Testlauf wurde es nicht verlängert. Die Pfleger arbeiten jetzt wieder acht Stunden pro Tag. Weniger malochen, flexibler arbeiten – was die Göteborger beerdigen, steht Deutschland womöglich gerade bevor. In dieser Woche sind die ersten Gespräche zur Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie gestartet, es drohen die härtesten Streits seit Jahren. Geht es nach der mächtigen Gewerkschaft, sollen Metallarbeitnehmer ein individuelles Recht auf eine maximal zwei Jahre dauernde 28-Stunden-Woche erhalten“ – ja, es steht schlimm für die leider (nicht) völlig machtlosen Unternehmer…