Ford-Belegschaft in Craiova streikt: Gegen die Reform des Sozialsystems durch die rumänische Regierung und gegen den Ausgleich-Tarifvertrag der Betriebsgewerkschaft

BandArbeiterInnen streiken bei Ford Craoiva am 22.12.20177Am Donnerstag vor Weihnachten streikten erst einige, dann rund ein Drittel der etwa 4.000 Beschäftigten des Ford-Werkes in Craiova – gegen einen Tarifvertrag, den die Betriebsgewerkschaft mit dem Unternehmen abgeschlossen hatte. Vor dem Hintergrund, dass es in den letzten Tagen in zahlreichen Unternehmen betriebliche Vereinbarungen gegeben hat, mit denen die Reform der Sozialversicherung, wie sie von der sozialdemokratischen Regierung zum 1. Januar 2018 beschlossen wurde, „abgemildert“ werden sollen. Diese Reform bedeutet nichts anders als: Künftig sollen die Beschäftigten ihre Sozialversicherung alleine bezahlen, die Unternehmen werden von ihrem Teil des Beitrags „entlastet“. Was verschiedenen Berichten zufolge eine Lohnkürzung von etwa 22% bedeutet. Betriebsgewerkschaften wie jene beim Autohersteller Dacia (Renault – PSA), aber auch bei Kaufland, haben mit den jeweiligen Unternehmen betriebliche Tarifverträge abgeschlossen, in denen diese Einkommensverluste zum großen Teil ausgeglichen werden, bei Ford sollte das deutlich weniger sein und zudem noch an Bedingungen geknüpft werden. Ob der nun beendete Proteststreik etwas bewirkt hat oder nicht – außer einer Palastrevolution in der Gewerkschaft, deren Vorsitzende gehen musste – wird sich erst noch zeigen müssen. Siehe zum Streik bei Ford drei aktuelle Beiträge – sowie zwei Beiträge zum sozialpolitischen Hintergrund des Protestes, ein Streikvideo und den Verweis auf bisherige Beiträge zur so genannten Sozialreform:

  • „Workers at Ford car plant in Romania go on strike“ am 22. Dezember 2017 bei Romania Insider externer Link war die Meldung vom Streik und seiner allmählichen Ausbreitung auf rund die Hälfte der Belegschaft des Werkes, das zur Produktion des neuen SUV Modells gerade umorganisiert worden war. (Das Werk wurde von Ford 2010 aufgekauft, nachdem Daewoo es aufgegeben hatte und gerade 2017 wurde die Belegschaft deutlich erweitert). Nachdem die Gewerkschaftsmitglieder den Rücktritt der bisherigen Vorsitzenden Maria Manea erzwungen hatten, stellte sich Ford stur und forderte, den zweijährigen Tarifvertrag anzunehmen, sonst werde es gar keine Lohnerhöhung geben – der Ausgleich der Sozialabgaben war in dem Vertrag vorgesehen. Bisher gibt es kein offizielles Ergebnis der Auseinandersetzung.
  • „Sute de angajaţi de la Ford au protestat în curtea fabricii“ von Ramona Olaru am 22. Dezember 2017 bei der Gazeta de Sud externer Link ist ein Beitrag, der den Vertragsinhalt und Fords Bedingungen etwas genauer berichtet: Ford wollte 20,35% Ausgleichsbezahlung zu den Sozialabgaben machen (also etwa 1,7% unter dem Verlust – und unter dem, was andere Unternehmen bezahlen) plus einer Lohnerhöhung auf einen Grundlohn von rund 300 Euro für die – offensichtlich vor allem Streikenden – Bandarbeiter. Der stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende wird dabei mit der Aussage zitiert, die Mitgliedschaft sei mit dem ausgehandelten Vertrag nicht einverstanden gewesen…