Der erfolgreiche Streik der Hafenarbeiter von Lissabon – ein Meilenstein im Kampf gegen Prekarisierung

Die - siegreichen - streikenden Docker von Lissabon am 1. Mai 2016 in der StadtDie Gewerkschaft der Docker von Lissabon gehört nicht zu jenen, die hinterher jedes Abkommen schönreden, oder, meist genauer: schönrechnen. Sie hat nun eine konkrete Bilanz und Rechenschaftslegung des nach dem erfolgreichen Streik geschlossenen Abkommens vorgelegt. Erreicht wurde: Die Abschaffung der Leiharbeit (inklusive einer zeitlichen Festlegung der Übernahme bisheriger Leiharbeiter) im Hafen, die Rücknahme der angekündigten Entlassungen, die geforderte neue Entlohnungsskala, wie auch die ebenfalls von der Belegschaft für sich geforderte Zuständigkeit für bestimmte (auch künftige) Arbeitsbereiche. Aber: Keine Lohnerhöhung, nur die Verteidigung des bestehenden Mindestlohns. Siehe dazu die Gewerkschaft zum Abkommen und zwei Kommentare:

  • „Acordo para a Operacionalidade do Porto de Lisboa“ am 30. Mai 2016 beim Sindicato dos Estivadores, Trabalhadores do Tráfego e Conferentes Marítimos do Centro e Sul de Portugal externer Link ist eben die Rechenschaftslegung und Bewertung  über das geschlossene Abkommen (inklusive Links zu entsprechenden Dokumenten, inklusive des Vertrages). Ausgehandelt wurde es in einer Verhandlungskonstellation mit den Unternehmerverbänden, der Meeresministerin der portugiesischen Regierung und dem IDC (International Dockworkers Council). Neben der Liste der diversen erreichten Forderungen – die Abschaffung der Leiharbeit wird nochmals als das zentrale Ziel der Streikbewegung definiert – und dem Verzicht auf Lohnerhöhung wird noch unterstrichen, dass die Übernahme der Leiharbeiter auch bedeute, dass endlich Schluss gemacht werde mit dem Regime dauernder Überstunden, die die Belegschaft seit langem ablehnt, aber gezwungen war zu leisten
  • „Estivadores: Luta unida e combativa compensa“ am 29. Mai 2016 bei der MAS externer Link ist einer der zahlreichen Kommentare von linken Gruppierungen und AktivistInnen aus Portugal zum Streikergebnis der Docker, das auch hier, wie in allen Kommentaren, als Erfolg eines konsequenten Kampfes bewertet wird. Dabei wird daran erinnert, dass die Gegenseite aus internationalem Kapital besteht – und dass die Hafenarbeiter von Leixões, Aveiro und Sines unter den hier abgewendeten üblen Bedingungen arbeiten und leben müssen. Was sich auch darin ausdrückt, dass in dem Kommentar die mangelnde Solidarität anderer Gewerkschaften mit dem Dockerstreik kritisiert wird. Begrüßt wird der Beschluss der Dockergewerkschaft, den Kampf gegen die Prekarität weiter zu führen – und für die Hafenarbeiter bedeute dies auch, den Kampf gegen das 2013 von der damaligen Austeritätsregierung verabschiedeten Hafengesetzes zu führen