Über 3.000 Beschäftigte bei VW Portugal im Streik gegen Samstags-Zwangsarbeit

Vergessene Kampagne der IG Metall: Samstags gehört Papi mirUm 23.30 Uhr am Dienstag begann der eintägige Protest-Streik der Belegschaft der Autoeuropa (VW) – laut einem ersten Bericht des TV Senders RTP „mit massiver Beteiligung“. In den letzten Tagen vor dem Streik, der seit einigen Wochen für den 30. August beschlossen war, wurde nochmals eine massive Propaganda-Kampagne gegen den Streik organisiert – den ersten Streik aus betrieblichen Gründen in einem der größten Industriebetriebe Portugals, bisherige Streiks waren je im Rahmen politischer Generalstreiks gewesen – die jedoch erfolglos blieben. Daran nahmen nicht nur die üblichen Verdächtigen teil: Medien, die die Gefahr einer „Abwanderung“ des bitterarmen verfolgten Konzerns an die Wand malten ebenso, wie – nicht besonders wirksam – Sprecher von Unternehmerverbänden, die sagten, was sie immer sagen. Aber auch Gewerkschafter: Nicht nur Vertreter der – nach der gewaltigen Abstimmungsniederlage über den betriebstariflichen Vertrag zur Neugestaltung des (3)-Schichtsystems zur Produktion des neuen SUV-Modells zurück getretenen – Betriebskommission, sondern auch bekannte Gewerkschafter aus der Region, die sich nicht entblödeten, die Sprache der Neoliberalen zu übernehmen. Etwa, in dem sie alle, die das Diktat des Unternehmens nicht annahmen, als Populisten bezeichneten. Diese Auseinandersetzung hat also der gewerkschaftliche Populismus gewonnen, die Hüter des Standorts stehen dumm da. Siehe dazu vier aktuelle Beiträge, eine Solidaritätserklärung (nicht der IG Metall (bei VW)) und den Verweis auf unseren ersten Beitrag:

  • „Greve na Autoeuropa cumpre as primeiras horas“ am 30. August 2017 bei RTP externer Link ist die Meldung des portugiesischen Senders (um 6. 38 Uhr) zur ersten Bilanz des Streikbeginns bei Autorueorpa, in der die volle Beteiligung am Streik berichtet wird – und die Bekundung der Unternehmensleitung, man werde sich erst nach dem Streik äußern.  Ein Sprecher der Gewerkschaft SITE Sul wird mit der Aussage zitiert, dass man auch bei den anderen Schichten dieselbe Beteiligung erwarte, wie in der Frühschicht.
  • „António Chora “espantado” com greve na Autoeuropa mas admite “adesão significativa”“ von Miguel Manso am 29. August 2017 bei Publico externer Link war der letzte der „Streikabwendungsbeiträge“ in den Medien. Antonio Chora war der langjährige Vorsitzende der Betriebskommission von Autoeuropa – und ist heute Mandatsträger des Linksblocks. Er äußert sich „erschrocken“ über den Streik, in dem er das Werk einer Gruppe von Populisten in der Gewerkschaft SITE Sul erkennt, gesteht aber – trotzdem (?) – zu, dass er eine massive Beteiligung erwartet. Nicht zuletzt, weil die Gewerkschaft am Montag nochmals Vollversammlungen organisiert hatte, auf denen die Belegschaft nahezu ausnahmslos abermals ihre volle Ablehnung der Zwangsarbeit an Samstagen deutlich machte.
  • „Greve na Autoeuropa: é necessário “manter o diálogo”“ am 30. August 2017 im esquerda.net externer Link ist ein Beitrag über die erste Reaktion des Linksblocks auf den Streikbeginn heute Morgen, in dem die Notwendigkeit der Fortsetzung des Dialogs unterstrichen wird, und die Weigerung der Unternehmensleitung, neu zu verhandeln (sehr verhalten) kritisiert. Zur Propaganda einer potenziellen Werksschließung wegen der Verweigerung der Zwangsarbeit am Samstag wird – immerhin – knapp darauf verwiesen, dass das Werk (und auch seine jetzt geplante Vergrößerung) mit bedeutenden Mitteln von der Regierung Portugals unterstützt worden sei.
  • „Solidarität mit dem Streik bei VW“ am 29. August 2017 bei den Rote Fahne News externer Link ist eine Meldung über den bevor stehenden Streikbeginn und die Solidaritätserklärung der Internationalen Automobilarbeiterkoordination bereits vom 14. August 2017, in der es unter anderem heißt: „Wir unterstützen entschlossen eure Entscheidung, am 30.8. zu streiken und zu verhindern, dass das Unternehmen die Arbeitszeit erhöht. Wir von der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz weisen die Maßnahmen des multinationalen Unternehmens zurück, das vorhat, die Ausbeutung aller Belegschaften des Konzerns zu erhöhen mit der Entschuldigung der Kosten, die ihr unverschämter Betrug der Abgasemissionen der Motoren verursacht hat“.