Eine selbstorganisierte Arbeitergruppe macht bei VW Portugal Furore: Erneut Streikbeschluss

30.8.2017: Der erste Streik bei VW Portugal gegen Samstags-ZwangsarbeitWas kurz vor Weihnachten 2017 als Nachricht durch die portugiesischen Medien ging, wirkte zunächst ausgesprochen nebulös: Eine Gruppe von Beschäftigten habe sich gebildet, die die Vorgehensweise des jüngst gewählten Betriebskomitees von Autoeuropa Portugal kritisiere. In der Auseinandersetzung gegen das Diktat der Unternehmensleitung zur Wochenendarbeit, die schon das frühere Betriebskomitee ihre Posten gekostet hatte, fahre auch das neue Betriebskomitee einen Kurs, der den Absichten des Unternehmens entgegen komme, so wurde die Kritik der nicht näher bekannten  „Gruppe Gemeinsam“ (Grupo Juntos) zusammen gefasst. Zwei Tatsachen haben diesen zunächst bestehenden unbestimmten Eindruck verändert: Zum einen hat die Gruppe ihre Forderungen veröffentlicht, die laut ihrem Vorschlag mit einem zweitägigen Streik im Februar 2018 vertreten werden sollten – und dann haben in 5 der 6 stattgefundenen Schichtversammlungen die jeweiligen Mehrheiten diesen Vorschlag angenommen und für die beiden Protest-Streiktage (am ersten Februar-Wochenende, das das erste sein soll, an dem gearbeitet werden muss) sowie Betriebsversammlungen am 17. Januar 2018 gestimmt, die dann endgültig über einen erneuten Streik beschließen müssten. Siehe dazu drei aktuelle Beiträge, einschließlich des Forderungskatalogs der Gruppe, sowie den Verweis auf den letzten unserer zahlreichen Beiträge zum Widerstand der VW-Belegschaft gegen diktierte Wochenendarbeit:

  • „Autoeuropa: Comunicado do grupo Juntos“ am 22. Dezember 2017 bei der MAS externer Link ist die Dokumentation der Stellungnahme des Grupo Juntos – die veröffentlicht wurde, um die von der Gruppe organisierte Unterschriftensammlung für Sonder-Betriebsversammlungen zu begründen. Diese Versammlungen seien nötig, um den Kurs des Betriebskomitees zu diskutieren, aber, weil man nicht verantwortungslos sei, müssten solche Sonderversammlungen dem Wunsch der Belegschaft entsprechen. In der Stellungnahme wird eingangs ausführlich unterstrichen, dass die Verantwortung für die komplizierte Situation im größten Industriewerk Portugals mit rund 4.000 Beschäftigten einzig und allein bei der Unternehmensleitung liege. Es seien unter anderem zahlreiche Alternative zum Diktat der zwangsweisen Arbeit an Wochenenden vorgelegt worden, die das Unternehmen allesamt abgelehnt habe, weil eine solche mögliche Organisation der Arbeit höhere Investitionen als die aktuellen Modelle auf Kosten der Belegschaft  erfordere. Zu den Forderungen gehören dann eben die nötigen zusätzlichen Investitionen für eine Arbeitszeit von Montag bis Freitag, sowie in jedem Fall der Veränderung von Arbeitszeit die Garantie freier Tage – für diese Forderungen solle ein einmaliger, nur für ein Jahr gültiger und nicht verlängerbarer  Betriebstarif abgeschlossen werden, der vorübergehend auch eine Schicht am Wochenende bedeuten könne.
  • „Autoeuropa. Revolta na fábrica“ von Sonia Peres Pinto am 23. Dezember 2017 bei Sapo externer Link ist ein Beitrag, der von dieser „Revolte in der Fabrik“ berichtet. Und von der Erklärung der Gewerkschaft Site-Sul, die den Streik im August 2017 organisiert hatte, dass sie auch künftig an der Seite der Belegschaft stehen werde. Berichtet wird hier auch, dass die Haltung der Unternehmensleitung unverändert diktatorisch bleibe. Es gebe keinen Spielraum für Verhandlungen über das neue Arbeitszeitmodell – und mit der Gewerkschaft verhandle man schon gar nicht, sondern nur mit dem Betriebskomitee.