Die Belegschaft von VW Portugal bleibt dabei: Nein zur Samstagsarbeit ist das Ergebnis der zweiten Urwahl Ende November 2017

Vergessene Kampagne der IG Metall: Samstags gehört Papi mirDie Unternehmensleitung von VW Portugal (Autoeuropa) bleibt bei ihrer (sicher nicht gegen den Willen der Konzernleitung) seit langem verfolgten Linie des Diktats: Samstags sollt ihr arbeiten, ihr Knechte der betrieblichen Rationalität. Und handelte mit dem im Oktober neugewählten Betriebskomitee einen erneuten Entwurf für einen Tarifvertrag aus, der sich in den Inhalten ein wenig von dem alten, durch Streik und Urabstimmung – trotz Unterzeichnung durch das damalige Betriebskomitee – von der Belegschaft überdeutlich abgelehnten Vertrag unterschied, im wesentlichen aber natürlich dabei blieb: Samstagsarbeit. (Und, wenn „nötig“ – nach betriebswirtschaftlicher Rationalität, nicht nach menschlichem Lebenswillen – sogar auch noch Sonntags). Zur Produktion des neuen SUV T-Roc (sprich: Geländewagen für eine ganz besondere Spezies Städter…). Das neue Betriebskomitee (siehe Wahl des Betriebskomitees bei VW Portugal: Es gewinnen die Listen, die den freien Samstag verteidigen) hatte aber immerhin eines gelernt aus der Blamage des alten „Standort verteidigen!”-Komitees: Sie stellten den Entwurf gleich zur Abstimmung, bevor er unterzeichnet war. Weit über 85% der rund 5.100 Beschäftigten beteiligten sich an der Wahl und über 63% lehnten ihn ab, weil sie Samstagsarbeit – immer noch – ablehnen. Das monatelange Getrommel sogenannter Journalisten war wirkungslos geblieben, die darin getätigten VW-Investitionen auch. Siehe dazu vier aktuelle Beiträge und den Verweis auf unsere bisherigen Beiträge seit Juli 2017:

  • „Trabalhadores da Autoeuropa rejeitaram segundo pré-acordo“ am 30. November 2017 bei Dinheiro externer Link ist die Meldung über das Ergebnis der zweiten betrieblichen Urabstimmung über eine Betriebsvereinbarung zur Samstagsarbeit. Der (nur teilweise – aber ausreichend – öffentlich lesbaren) Meldung zufolge stimmten 3.145 KollegInnen (63,22%) gegen die vorliegende Vereinbarung und 1.749 (35,16%) dafür. Die Zahl der Nein-Stimmen war leicht geringer, als bei der ersten Abstimmung, aber trotz monatelanger Propagandakampagne in absoluten Zahlen, wegen größerer Beteiligung nahezu gleich. Vor allem geschah diese zweite Urwahl in einer anderen politischen Konjunktur, da es dieses Mal nicht die Gegenüberstellung von Betriebskomitee und größter Gewerkschaft (die beim ersten Mal offen für das „Nein“ geworben hatte) gab, sondern einfach die von allen Seiten abgesprochene Abstimmung.
  • „Trabalhadores da Autoeuropa chumbam pré-acordo“ am 29. November 2017 im Esquerda.net externer Link ist ebenfalls eine Meldung über das Wahlergebnis der betrieblichen Urabstimmung – mit einem allerdings gegensätzlichen Tenor zum ersten Beitrag. Wo dort (un)natürlich bedauert wird, dass die Belegschaft weiterhin uneinsichtig ist, wird das Ergebnis hier begrüßt, als ein Ausdruck von Selbstbehauptungswillen. Und es wird hinzugefügt, dass der abgelehnte Entwurf der neuen Betriebsvereinbarung (der von einem Link in diesem Beitrag aus auch zugänglich ist – in portugiesischer Sprache, falls jemand daran zweifeln sollte) in drei maximal besuchten Betriebsversammlungen in der Woche vor der Abstimmung ausführlich und heftig kritisiert worden war, mit dem Tenor, er sei noch schlechter als der erste, weil in einem zwei Stufen Plan für das kommende Jahr ab Juli 2018 sogar noch Sonntagsarbeit diktiert werden sollte. Das Unternehmen habe sein „Bedauern“ über die Abstimmung unterstrichen und betont, man werde sich bei passender Gelegenheit dazu äußern – was auch als abermalige Drohung verstanden werden kann, zumal die Aufforderung zu neuen Verhandlungen nicht beantwortet wurde…
  • „Autoeuropa: É preciso dizer NÃO ao novo pré-acordo! „ am 28. November 2017 bei der MAS externer Link ist ein Flugblatt, das hier als Beispiel steht für die Mobilisierung mehrer linker Organisationen, die unter der Belegschaft Mitglieder haben, zur Abstimmung – der Aufruf, mit „Nein“ zu stimmen, wird darin begründet mit der grundlegenden Haltung „Wir arbeiten, um zu leben, nicht umgekehrt“, und die Kritik an der Betriebskommission bezeichnet diese als „schwankend“. Was diesmal leider auch für die Gewerkschaft Site Sul gelte, deren beide Vertreter im Komitee ebenfalls für den Entwurf der Betriebsvereinbarung gestimmt hätten.
  • „Autoeuropa. Pré-acordo deverá ser aprovado por uma margem mínima“ am 29. November 2017 bei SolSapo externer Link ist ein Artikel, der kühn die Früchte eigenen Engagements ernten möchte: Geschrieben am Tag der Urabstimmung, sieht er einen knappen Erfolg der Zustimmung voraus und befasst sich genüsslich mit den Problemen der Gewerkschaft Site Sul nach der Zustimmung ihrer Kommissionsmitglieder zum Entwurf. Die Gewerkschaft fordere weitere Verhandlungen, um zu sichern, dass jede Kollegin und jeder Kollege nur aufgrund von Freiwilligkeit zur Samstagsarbeit heran gezogen werden könne – einstweilen eine überflüssige Positionierung…