Wieder ein SUNTRACS-Aktivist erschossen - Land weitgehend lahmgelegt - Proteste gehen weiter
Die Polizei in Panama ist auch nicht anders als etwa in Europa: sie schiesst ausschliesslich in akuter Notwehr. Unpassend, wenn das Opfer dann in den Rücken geschossen wurde. Airomi Smith, Funktionär der Gewerkschaft der Bauarbeiter wurde am 12. Februar bei einer Demonstration erschossen, die Protest und Widerstand gegen die beiden aktuellen zentralen Probleme der panamesischen Normalbevölkerung ausdrücken sollte: die rasante Teuerung und die nichtvorhandene Arbeitssicherheit in der zentralen Wirtschaftsbranche, der boomenden Bauindustrie. Nach diesem Polizeimord explodierte der Protest - während die Regierung und die Medienwirtschaftler des Landes sich sorgen um das "Recht auf Verkehrsfreiheit" machten. Die kurze aktuelle Materialsammlung "Neuer Polizeimord - ein Wendepunkt?" vom 15. Februar 2008.
Schöne Bescherung : Oh, wie schön ist Panama - endlich ohne Chiquita
Panama ohne Chiquita - das ist wie die Welt ohne Deutsche, also: kein Schwein interessiert es. Außer den Panamesen natürlich: nach 80 Jahren gibt der berüchtigte Konzern seine Tätigkeit in Panama zu Beginn 2008 auf. Die Bananen-Plantagen werden künftig von einer Kooperative betrieben und vermarktet. 2003 wurde ein entsprechender Vertrag zum Ausstieg bis 2013 geschlossen, nun findet das ganze 5 Jahre früher statt und eine Kooperative, von der Gewerkschaft Sindicato de Trabajadores de la Chiriquí Land Co. (Sitrachilco) geleitet, übernimmt die Produktion. Der redaktionelle Bericht "La trasnacional Chiquita dejará de operar en febrero de 2008" vom 7. Dezember 2007 bei "argenpress" sagt zwar nicht viel über die Geschichte des 2003er Abkommens, und das Ganze ist auch nicht eben ein Leuchtturm neuer Entwicklungen, paßt aber gut zur jahreswendlichen Besinnlichkeit: Es geht auch ohne. Ohne Geschenkterror und ohne Unternehmen. (Ohne Deutsche ginge es auch).
Morde an Gewerkschaftern
- landesweiter Proteststreik in der Bauindustrie
SUNTRACS, die Nationale Gewerkschaft der Bauindustrie
Panama, informierte in den letzten Tagen ueber die Ermordung zweier
Gewerkschaftsmitglieder: Am 16 August wurde der 23 jaehrige Gewerkschaftsfunktionär
Luigi Argüelles von einem Polizisten der Policia Nacional aus
naechster Naehe erschossen. Zwei Tage zuvor wurde Osvaldo Lorenzo
von Killern aus dem Umfeld des (brasilianischen) Unternehmens ODEBRECHT
und der gelben - unternehmesnahen Gewerkschaft SITICOP, auf der
Baustelle an der Autobahn Panamá-Colon ermordet. Beide Morde
sind der traurige Hoehepunkt einer Reihe von gewaltaetigen Repressionen,
denen Mitglieder von SUNTRACS ausgesetzt sind, v.a. seid SUNTRACS
im Maerz diesen Jahres eine Kampagne gegen die Verletztung von Arbeitsrechten,
insbesondere der Verletztung der Sicherheitsnormen in der Bauindustrie
gestartet hat. SUNTRACS sah sich gezwungen, die Kampagne zu starten,
um die Zahl der toedlichen Unfaelle auf Baustellen aufgrund unzureichender
Sicherheitsvorkehrungen zu stoppen, bisher werden 17 Todesopfer
beklagt. Seither gibt es einen regelrechten Krieg der Bauunternehmen
und der ihnen treuen gelben Gewerkschaften gegen SUNTRACS. SUNTRACS
fordert vom Arbeitsministerium die Kontrolle der Einhaltung der
Sicherheitsnormen und vom Justizministerium die Aufklaerung und
Sanktionierung der Morde und Gewalttaten der letzten Monate und
ein Ende der Repressionen von Seiten der Unternehmen. Am Donnerstag
letzter Woche nahmen tausende Menschen an einer Protestkundgebung
teil. Organisiert wurde die Demonstration, 2007 bisher die groesste
Kundgebung der panamesischen Sozialbewegung, von FRENADESO, Frente
Nacional por la Defensa de los Derechos Economicos y Sociales, einer
Platfrom sozialer Organisationen und Gewerkschaften in Panama. Am
21. August fand ein landesweiter Bauarbeiterstreik statt, der zu
nahezu 100 Prozent befolgt wurde. Ein ganz kurzer (spanischer) Bericht
über den Streik "Reportaje
de la huelga del SUNTRACS"
vom 22. August 2007 bei Suntracs.
Offensive gegen Bauarbeitergewerkschaft
Die Bauarbeitergewerkschaft SUNTRACS ist die grösste
Gewerkschaft Panamas, mit rund 40.000 Mitgliedern. Die Internationale
Arbeitsorganisation hatte etwa den Tarifvertrag Convención
SUNTRACS-CAPAC mit dem Unternehmerverband als Vorbild für ganz
Mittelamerika bezeichnet. Darin sind Arbeitsbedingungen festgelegt,
die jetzt, beim beginnenden internationalen Kanalboom "natürlich"
stören. Deswegen tauchen plötzlich neue Gewerkschaften
auf und eine dazu passende Medienkampagne. Und immer wieder die
Person Hector Aleman - der einstige Wahlkampfleiter des Präsidenten
Torrijos ist Gewerkschaftsbeauftragter der Regierungspartei PRD
- und reist nach Cuba und Venezuela, aber eben auch zu Feiern mafioser
Bauunternehmer...Diese panamesische Variante der Investitionsförderung
behandelt der (spanische) Artikel "Héctor
Alemán del PRD y la Mafia Empresarial"
aus der Gewerkschaftszeitung Voz del SUNTRACS (Ausgabe Juli 2007),
publiziert bei "Kaosenlared".
Jahrestag des neuen Musters
Am 20. Dezember 1989 wurde Panama-Stadt bombardiert
- genauer: die Armenviertel der Stadt. Der ehemalige gute Freund
der USA, General Noriega, war von Buschpapa als "Böser"
Dealer verbotener Drogen geoutet worden (zu Recht) und sollte (und
wurde) per Militärinvention durch einen neuen Freund abgelöst.
Wieviele Tausend Menschen dieser demokratischen Wahl zum Opfer fielen,
ist bis heute umstritten - als ob die Zahl das Wichtige wäre.
Wer darin Paralellen erkennt zu einem anderen langährigen Freund
des "Westens", der kurz darauf in Ungnade fiel und zu
weit grösseren Militäraktionen, liegt nicht ganz falsch.
Und während viele auf der Welt, die gegen solcherart uniformiertes
Morden sind, sich verzweifelt auf die Suche nach den "Guten"
begaben, oder gar den "Rechtmäßigen", versuchen
andere, autonomen Widerstand zu organisieren - gegen alle "big
players". So auch in Panama...Die (spanische) Erklärung
"Frenadeso
en recuerdo de los caidos del 20 de diciembre y contra TLC
con Estados Unidos" der Frenadeso vom 20. Dezember 2006.
Neoliberaler Gesetzentwurf im vergangenen Jahr verhindert
- aber das Leben der meisten bleibt schwer
Letztes Jahr musste die panamesische Regierung eine
schwere Niederlage hinnehmen: Der Gesetzentwurf zur Reform der Sozialversicherung
- im weltweit üblichen Stil - musste aufgrund breiten Volkswiderstandes
zurückgezogen werden. Was eine weitere Verschlechterung der
Lebenslage des Grossteils der Bevölkerung verhinderte. Dass
diese Lage trotzdem sehr kompliziert ist - vor allem, da das angebetete
Wirtschaftswachstum nahezu ausschhliesslich prekäre Jobs hervorbringt
- wird in dem (englischen) Bericht "Labor
market analysis for Panama"
des Grupo de Análisis Socio-laboral vom 17. März 2006
deutlich, der beim "Global Policy Network" veröffentlicht
wurde.
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