Rassistischer Alltag in Österreich – und wen das interessiert. Und wen nicht

Rassismus tötet„… Beim ersten Video wird im siebten Bezirk eine Muslima mit Kopftuch von einer Frau angegriffen und angespuckt. Beim zweiten wird ein Taxifahrer, der seiner Arbeit am Abend nachgeht, irgendwo im wunderschönen Oberösterreich rassistisch attackiert und als Salafist bezeichnet. Beim dritten Video verwehrt ein Busfahrer einem Schuljungen wegen seiner Hautfarbe den Einstieg in den Bus. Vor allem beim Video mit der Muslima gab es die mitunter widerlichsten Reaktionen. Sie reichen von „Das islamische Patriarchat ist schuld, dass Menschen so reagieren“ über „Das ist Online-Pranger und Selbstjustiz!“ bis zu „Daran ist nur Schwarz-Blau Schuld!“. Auch wenn sie vorhersehbar waren, rauben einem diese Reaktionen die Hoffnung. Jörg Haider wurde 1986 Vorsitzender der FPÖ. Im Jahr 1999, vor 19 Jahren, bekam er bei den Nationalratswahlen über 27 Prozent der Stimmen. Der Tod von Marcus Omofuma jährt sich am 1. Mai das 20. Mal. (…) Doch in den meisten Reaktionen auf die Videos geht es eben nicht um den rabiaten Rassismus, der in Österreich zumindest akzeptiert, vielleicht sogar schon Mehrheitsmeinung ist. Die Antisemitismus-Studie der Bundesregierung lieferte ein Ergebnis, über das kaum diskutiert wurde: Über 30 Prozent der ÖsterreicherInnen wollen keine Schwarzen, TürkInnen, AraberInnen, AfghanInnen oder Roma als NachbarInnen. Anstatt die Videos als das zu verstehen, was sie sind, nämlich Dokumentationen des Alltags für nicht-autochthone MitbürgerInnen seit mindestens 30 Jahren, empört man sich über andere Dinge. Auf die große Rassismus-Reportage wartet man indes vergeblich. Statt sich darum zu kümmern, sorgt man sich um die Psyche der Angreiferin, den Arbeitstag des Busfahrers oder den Alkoholpegel der Frau. Eine Ausrede findet sich immer…“ – aus dem Beitrag „Die Normalität von rassistischen Übergriffen in Österreich“ von Mahdi Rahimi am 03. April 2019 bei Mosaik externer Link über ein „Unthema“, das keines bleiben darf. Siehe dazu auch den alljährlichen österreichischen Rassismus-Report für 2018:

  • „Rassismus Report 2018. Einzelfall-Bericht über rassistische Übergriffe und Strukturen in Österreich“ von Zara externer Link (Verein Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit externer Link) in Österreich, der für diese alljährlich erscheinende Dokumentation den diesjährigen Schwerpunkt sehr zurückhaltend so begründet: „… Für diese Ausgabe des Rassismus Reports haben wir einen inhaltlichen Schwerpunkt auf vorurteilsbehaftetes Handeln der  Polizei gelegt. Das haben wir vor allem in dem Wissen darüber getan, dass, gerade in diesem so zentralen Bereich der Sicherheitsverwaltung, einerseits bei Unrechtserfahrung besonders große Verunsicherung und Fremdheitsgefühle entstehen und andererseits ein so großer Apparat aber auch über viele Möglichkeiten verfügt, die Situation nachhaltig zu verbessern und in eine andere Richtung zu lenken. Hier wollen wir unterstützen und Vorschläge machen. Man könnte auch sagen: Wir werden hier lästig bleiben. Weil es so wichtig ist und weil alle derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Untersuchungen ganz klar einen großen Veränderungsbedarf nachweisen, der sich mit unseren Erfahrungen deckt. Dabei versuchen wir die Thematik aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und uns nicht selbst blind zu zeigen für die vielen wahrlich gewaltigen Herausforderungen, die die tägliche Arbeit der Polizei mit sich bringen…“