Arbeitszeitverlängerung der Wiener Regierung: Wie sie von den Beschäftigten der Tourismus-Industrie erlebt wird, macht eine (befremdliche) gewerkschaftliche Pressemitteilung deutlich

Anti_12Stunden_WienDie Unternehmen der Tourismusbranche in Österreich werden getragen von rund einer Viertel Million dort beschäftigter Menschen – für ein Land, das knapp 9 Millionen EinwohnerInnen zählt, also schon allein von dieser Zahl her eine besonders wichtige Branche. Zu den Auswirkungen der diktierten Arbeitszeitverlängerung der Wiener Rechtsregierung auf diese Beschäftigten ist die Pressemitteilung „Arbeitszeit: 60-Stunden-Woche verschärft Situation im Tourismus weiter“ der Gewerkschaft vida, am 06. Juli 2018 bei ots dokumentiert externer Link eine konkrete Beschreibung: „Das war ein lupenreiner Anschlag auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem Land, durchgeführt vom Konzern-Kanzler”, kommentiert Berend Tusch, Vorsitzender des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft vida, die gestrige Ho-Ruck-Einführung der 60-Stunden-Arbeitswoche inklusive 12-Stunden-Arbeitstag. „Das ist ein Kniefall vor der heimischen Tourismuswirtschaft. Wann wird die Politik endlich Maßnahmen vom Tourismus einfordern, die ordentliches Arbeiten in dieser Branche für die heimischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wieder möglich macht? Mit den jetzt beschlossenen Regelungen werden sich die Menschen noch weiter von den Arbeitsplätzen im Tourismus entfernen. Ich kann die nächste Diskussion zum Thema Mangelberufsliste schon jetzt hören“, so Tusch…“. Wobei sehr auffällig ist, dass offenbar versucht wird, sich der Diktion anzupassen: Wenn Bedingungen eingefordert werden, die für die „Einheimischen“ erträglich sein sollen, wäre ja die zuerst zu beantwortende Frage, was geschieht zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der offensichtlich auch in Österreich mehrheitlich „Nicht-Einheimischen“ Beschäftigten… Siehe dazu auch einen Hintergrundbeitrag und den Verweis auf den bisher letzten unserer zahlreichen Beiträge zum Thema:

  • „Die Herrschaft über die Zeit ist eine Demokratiefrage“ von Markus Pausch am 09. Juli 2018 im Blog Arbeit und Wirtschaft externer Link zur politischen Dimension der Arbeitszeit: „In den aktuellen Diskussionen über die Ausdehnung der Arbeitszeiten auf zwölf Stunden pro Tag bzw. 60 Stunden pro Woche zeigen sich dementsprechend zwei demokratiepolitisch relevante Probleme: Erstens ist die Herrschaft über die individuelle Zeit dadurch eingeschränkt, dass die Ausdehnung einer täglichen oder wöchentlichen Arbeitszeit von der Konjunktur, der Nachfrage oder dem Willen des Unternehmers/der Unternehmerin abhängt. MitarbeiterIn und ChefIn entscheiden nicht gleichberechtigt, an welchen Tagen oder in welchen Wochen länger gearbeitet werden soll. Der Vorschlag oder die Anordnung können de facto nur von der einen Seite erfolgen, denn die Vorstellung, dass ein/e MitarbeiterIn sagt, er/sie möchte heute zwölf Stunden arbeiten, obwohl kein Bedarf an ihrer/seiner Arbeit besteht, ist absurd. Der zweite Punkt wiegt noch schwerer: Die Möglichkeit der faktischen (nicht rechtlichen) Sanktionierung ist dem/der ArbeitgeberIn vorbehalten. Auch wenn gesetzlich die Ablehnung der Arbeitszeitverlängerung möglich sein sollte, bleiben den Vorgesetzten alle anderen bekannten Varianten der Machtausübung – Rückstufung, Aufgabenumverteilung, Aufstiegsstopp oder Kündigung u. a….