1 Jahr 12-Stundentag in Österreich: Was vom rechtem Arbeitszeitgesetz übrig bleibt – mehr Ausbeutung

Demonstration 21.11.2014 in Wien: Es reicht! Löhne und Gehälter rauf! Mieten und Preise runter!Das Arbeitszeitgesetz führt laut einer Sora-Umfrage im ersten Halbjahr 2019 zu längeren Arbeitszeiten: 31 Prozent der ArbeitnehmerInnen in Wien sagen, dass sie vom 12-Stunden-Tag betroffen sind. JedeR Zweite (52 Prozent) gibt an, unter wachsendem Druck am Arbeitsplatz zu leiden. Anderl: „Wir brauchen dringend eine Arbeitszeitverkürzung, die leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche und die 4-Tage-Woche sind dazu ein erster wichtiger Schritt.“ Bestätigt wird das Ergebnis der Sora-Umfrage (telefonische Befragung unter 1.000 Wiener ArbeitnehmerInnen, 1. Halbjahr 2019) durch eine kürzlich von Deloitte Österreich, der Universität Wien und der Universität Graz veröffentlichte Umfrage unter 214 Führungskräften und Personalchefs: Die Möglichkeit eines 12-Stunden-Arbeitstages in der Gleitzeit wird bereits von 30 Prozent der Unternehmen genutzt. AK Präsidentin Renate Anderl: „Das heißt in 30 Prozent der Unternehmen kann 12-Stunden am Tag ohne Überstundenzuschläge gearbeitet werden –dabei hat die Regierung bei der Einführung versichert, dass Überstundenzuschläge bleiben.“ Gleitzeit ist aber nicht dazu da, dass abgearbeitet wird, was man in der Normalarbeitszeit einfach nicht schafft. Das sind in Wirklichkeit implizit angeordnete Überstunden…“ – aus der Pressemitteilung „Ein Drittel der ArbeitnehmerInnen in Wien hat 12-Stunden-Tage“ der Arbeiterkammer Wien am 30. August 2019 externer Link zur Bilanz nach einem Jahr rechtem Arbeitszeitgesetz – das natürlich seit dem unrühmlichen Abgang von „Schwarzblau“ nicht in Frage gestellt wurde… Siehe dazu auch eine Erklärung des ÖGB zu diesem Jahrestag:

  • „1 Jahr 12-Stunden-Tag-Gesetz“ am 29. August 2019 beim ÖGB externer Link ist die Erklärung des Gewerkschaftsbundes zu diesem Jahrestag, die dann doch eine „eigenwillige“ Interpretation der Entwicklung darstellt: „…Vor ziemlich genau einem Jahr, am 1. September 2018, ist das neue Arbeitszeitgesetz in Kraft getreten, mit dem die türkis-blaue Regierung den 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche eingeführt hat. Der ÖGB und die Gewerkschaften haben von Anfang an vor den neuen Regeln gewarnt, weil sie eine Gefahr für Einkommen, Gesundheit und Freizeit darstellen, kurz: Sie bringen massive Verschlechterungen für die ArbeitnehmerInnen. Aber die Warnungen und auch die Tatsache, dass mehr als 100.000 Menschen gegen den 12-Stunden-Tag auf die Straße gegangen waren, hatte Kanzler Kurz und Vizekanzler Strache überhaupt nicht interessiert. In den Lohnrunden haben die Gewerkschaften aber dafür gesorgt, dass die Auswirkungen des 12-Stunden-Tags auf die ArbeitnehmerInnen abgefedert werden – indem sie in die Kollektivverträge bessere Regeln hineinverhandelt haben, als im Gesetz vorgesehen. Der ÖGB fordert die Rücknahme und Neuverhandlung des Gesetzes…“