Nach dem faschistischen Massaker verbietet die neuseeländische Regierung Waffen: Jetzt noch die Politik ändern…

Sozialkonferenz: Antimuslimischer Rassismus in der Mitte der Gesellschaft„… Die australische und die neuseeländische Regierung behaupten weiterhin, Tarrant sei „nicht auf dem Radar“ ihrer Geheimdienste erschienen, obwohl deren Größe und Mittel seit Beginn des „Kriegs gegen den Terror“ im Jahr 2001 erheblich ausgeweitet wurden. Die muslimischen Gemeinden in beiden Ländern werden seit 18 Jahren überwacht und waren das Ziel zahlreicher Polizeiaktionen. Gleichzeitig wurde eine Person, die sich im Umfeld von fanatisch rechtsextremen Organisationen bewegte, angeblich ignoriert – selbst nachdem er Ende 2017 einen Waffenschein beantragt hatte und nach seiner Rückkehr nach Neuseeland Anfang des Jahres einem Schützenverein beigetreten war. Darüber hinaus machte Tarrant auch keine Anstalten, seine mörderischen Absichten zu verheimlichen. Zwei Tage vor dem Anschlag postete er auf seinem Twitter-Account Bilder seines halbautomatischen Gewehrs, das mit rassistischen Parolen beschrieben war. Zirka acht Minuten vor dem Massaker schickte er sein faschistisches Manifest an Dutzende Regierungs- und Medien-Accounts. Darin nannte er ausdrücklich die Namen der beiden Moscheen, die er angreifen wollte. Hätte er unter Beobachtung gestanden, hätte diese schreckliche Tat vollständig verhindert werden können. (…) In Neuseeland kam die Koalition aus Labour Party und NZ First mit dem Programm an die Macht, die Einwanderung zu begrenzen, da sie diese zu Unrecht für Wohnungsnot und andere soziale Probleme verantwortlich machte. Der NZ-Vorsitzende, stellvertretende Premierminister und Außenminister Winston Peters ist ein bekennender Rassist und hat in der Vergangenheit Fremdenfeindlichkeit gegen muslimische, afrikanische und chinesische Migranten geschürt. Rechtsextreme Elemente in Neuseeland bezeichnen Peters als ihren besten Sprecher im Parlament…“ – aus dem Beitrag „Regierungen und Medien lenken von Mitschuld an faschistischem Anschlag in Neuseeland ab“ von James Cogan am 20. März 2019 bei wsws externer Link, der sowohl auf den konkreten, aktuellen, als auch den traditionellen Rassismus in Neuseeland verweist, der meist eher nicht thematisiert wird. Zur Reaktion auf den faschistischen Mord drei weitere aktuelle Beiträge und zwei historische Hintergrundbeiträge über Rassismus in der neuseeländischen Siedlerkolonie, sowie der Hinweis auf unsere erste Materialsammlung zum faschistischen Massenmord:

„Stand Up To Islamophobia“ am 15. März 2019 bei Socialist Aotearoa externer Link ist eine Erklärung der linken Organisation, in der die Untaten in Zusammenhang gestellt werden mit den rassistischen Kampagnen von Gruppierungen wie „Neuseeland zuerst“ (NZ first) und ähnlicher Banden, aber eben auch klar und ausdrücklich mit dem antimigrantischen Kurs der Labour-Regierung, die wie die Rechte, die Migration verantwortlich mache für die Auswirkungen der kapitalistischen Krise.

„New Zealand Suspect’s Actions Are Logical Conclusion of Calling Immigrants “Invaders”“ von Murtaza Hussain am 18. März 2019 bei The Intercept externer Link unterstreicht in seinem Artikel, dass der Täter selbst in seinem Manifest bekundet habe, er wolle natürlich die „Weißen“ auch gegen Juden und Asiaten verteidigen, aber den Kampf damit zu beginnen, Moslems zu ermorden sei überlegt, weil das heute auf die meiste Zustimmung „im Westen“ stoße – und befasst sich im weiteren Artikel mit verschiedenen medialen Beispielen solcher Übereinstimmungen.

„Words are not enough“ von Daphna Whitmore am 20. März 2019 bei Redline externer Link ist ein Kommentar, der den Worten die Taten gegenüberstellt – und anhand einer Dokumentation zahlreicher Beiträge aus dem Archiv der australischen Webseite die Politik der neuseeländischen Regierungen kritisiert, die sich parteiübergreifend an allen Kriegen und Besatzungen in muslimischen Ländern beteiligt haben.

„The ‘Polynesian Panthers’ and ‘The Black Power’ Gang: Surviving racism and colonialism in Aotearoa, New Zealand“ am 18. März 2019 bei libcom.org externer Link ist ein Buchauszug über die Lebensbedingungen – und, vor allem, den Widerstand – jener, die unter dem traditionellen Rassismus und Kolonialismus Neuseelands zu leiden hatten. Die Polynesian Panthers organisierten sowohl den Widerstand der Maoris, die Opfer des Siedler-Kolonialismus waren (und sind), als auch jenen der Pasifika, als jener ArbeitsmirgantInnen, die von den südpazifischen Inseln kamen. Und „Panthers“ nannten sie sich selbstverständlich in Anlehnung an die bekannte US-Organisation…

„Race killing in Wellington’s Haining St“ bei der offiziellen Dokumentationsseite NZ History externer Link berichtet vom Mord an Joe Kum Yung. Sein Mörder tat dies – am 24. September 1905 – um, wie heute, die weiße Rasse zu verteidigen: Damals gegen die „gelbe Gefahr“, die heute bei der neuseeländischen Rechten mehr und mehr durch Moslems ersetzt wird, wobei der mörderische Inhalt derselbe bleibt.