Die südkoreanische Regierung wankt – auch die Großunternehmen?

Korea 12.11.2106: One million candlelight vigil calling for democracyDass erstmals eine amtierende Präsidentin von der Staatsanwaltschaft vernommen wird ist eine Nachricht, die zeigt, dass diese Regierungskrise, deren Ursache die Massenproteste (nicht nur) gegen Korruption sind, tief geht – dass nun auch die Vorstände der größten, weltweit bekannten Unternehmen des Landes vorgeladen werden ein Hinweis darauf, dass es nicht nur eine Regierungskrise ist. Der redaktionelle Artikel „Samsung executive grilled over influence-peddling scandal“ am 11. November 2016 im Korea Herald externer Link berichtet von der Vernehmung von Chang Choong-ki, dem Leiter der Strategieabteilung von Samsung am selben Tag durch die Seouler Staatsanwaltschaft. Dabei wurde er unter anderem nach einer Zahlung von umgerechnet etwa 3 Millionen Euro an Choi Soon-sil befragt: Jene Frau, der Präsidentin Park Geun-hye über Jahre Zugang zu internen Regierungsabläufen verschaffte, der Kern des Skandals. Diese – kleinere – Zahlung an Choi soll an ein Unternehmen, das sie in der BRD besitzt, gegangen sein…Von Samsung wird noch eine weitere Zahlung von etwa 20 Millionen Euro untersucht, wie auch Zahlungen von 53 weiteren Firmen von 19 Kapital (Familien)Gruppen. Siehe dazu einen weiteren aktuellen Beitrag zur Verwicklung südkoreanischer Unternehmen und einen früheren über die Affäre Choi:

  • „Businesses vexed by probe turning to chaebol“ ebenfalls am 11. November 2016 im Korea Herald externer Link ist ein ausführlicher Bericht darüber, welche Topmanager welcher südkoreanischen Multis von der Staatsanwaltschaft vorgeladen worden sind, in dem auch ein Vergleich zu einer ähnlichen Affäre 2003 gezogen wird: Damals ging es um nicht registrierte Zahlungen an rechte Präsidentschaftskandidaten 2002, aber es blieb bei der Verurteilung einiger unterer Chargen, diesmal offensichtlich nicht
  • „Präsidentin Park unter Dauereinfluss“ von Fabian Kretschmer am 28. Oktober 2016 in der taz externer Link, worin es unter anderem heißt: „Koreanische Medien spekulieren offen, dass es sich dabei um einen Bestechungsfonds handeln könnte, der als „Altersvorsorge“ für Präsidentin Park gedacht war. Diese dementierte die Vorwürfe. Doch ihre Umfragewerte sind seit ihrem Amtsantritt im Februar 2013 auf eine Rekordtief gesunken. In mehreren Fällen verliert sich die Spur des Geldes in Deutschland, wo Choi und ihre Tocher insgesamt vier Immobilien gekauft haben sollen. Ebenso haben sie hier ein angebliches Trainingslager geplant, um Koreas Dressurreiter für die Olympischen Spiele fit zu machen.Während stetig Gelder an die Stiftungen flossen, soll das Training jedoch nie zustande gekommen sein. In einem Hotel in Hessen spürten koreanische Reporter die Beschuldigte auf. Mit Verweis auf ihren „schlechten Gesundheitszustand“ kündigte Choi an, in naher Zukunft nicht nach Südkorea zurückzufliegen