Neue Gewerkschaften. Neue Aktivitäten. Neue Forderungen: Die südkoreanische Gewerkschaftsbewegung erstarkt wieder

Maidemonstration des KCTU in Seoul am 1.5.2017 für Frieden und Demokratie mit rund 70.000 TeilnehmerInnenDie Gewerkschaftsbewegung in Südkorea hat eine ganz wesentliche Rolle gespielt bei der millionenfachen Massenbewegung gegen die Regierung Park, die vor einem Jahr begann und nach wochenlangen Protesten erfolgreich war. Dieses Potenzial der südkoreanischen Gewerkschaften war auch der Grund dafür gewesen, dass die dann gestürzte Regierung einen regelrechten Schlachtplan zur Schwächung der Gewerkschaftsbewegung ausarbeiten ließ, wie jüngst veröffentlichte Dokumente beweisen. Aber trotz der deutlichen Unterschiede zur jetzigen Regierung Moon gibt es immer noch Säulen der Repression gegen Gewerkschaften, die nicht eingerissen sind. Immer noch ist der KCTU-Vorsitzende im Gefängnis – und immer noch ist die Gewerkschaft der LehrerInnen nicht anerkannt. Dafür entstehen neue Gewerkschaften in den „prekären Zonen“ der Wirtschaft, die in Südkorea schon immer bedeutend waren. Und es entwickeln sich in diesem Zusammenhang auch neue Forderungen. Siehe zur Situation der südkoreanischen Gewerkschaftsbewegung ein Jahr nach Beginn der Proteste, die zum Sturz der Park-Regierung führten, fünf aktuelle Beiträge:

  • „Civic and social organizations call for the legal recognition of teachers’ union“ am 22. November 2017 bei Labor Today Korea externer Link dokumentiert den gemeinsamen Aufruf von Gewerkschaften, sozialen Bewegungen und demokratischen Organisationen an die südkoreanische regierung, die von der Vorgänger-Regierung Park verbotene Gewerkschaft der Lehrerinnen und Lehrer endlich zu legalisieren. Die Vielschichtigkeit der Organisationen, die diesen Aufruf unterstützen zeigt bereits, dass die südkoreanische Gewerkschaftsbewegung nach ihrem wesentlichen Beitrag zum Sturz der Park-Regierung in der Gesellschaft breitere Anerkennung genießt, als es vorher der Fall war.
  • „Documents show Park administration sought to crackdown on organized labor“ am 14. Oktober 2017 beim Hankyoreh externer Link war ein Beitrag über die Veröffentlichung von Dokumenten der Regierung Park, die deutlich machen, dass diese Regierung eine ganz bewusste und organisierte Kampagne gegen die Gewerkschaften geführt hat. Der Kabinettschef der Präsidentin hatte zu diesem Zweck eine ganze Reihe von „Sondersitzungen“ mit verschiedenen sogenannten Fachleuten organisiert, darunter sowohl entsprechende Juristen, als auch Vertreter der Unternehmerverbände, stets mit dem Thema, wie die Kampagne weiter zu führen sei.
  • „Irregular Workers at S Korea’s Mega-Marts Join Forces to Launch Industrial Union“ am 16. November 2017 bei Zoom In Korea externer Link ist ein Beitrag über die Bestrebungen der Zeit- und LeiharbeiterInnen der drei größten Einzelhandelsketten in Südkorea, Emart, Lotte Mart und Homeplus (die zusammen für 80% des Einzelhandels-Umsatzes im Land stehenh), eine eigene Gewerkschaft zu organisieren. Eine eigene Gewerkschaft – eine Linie, wie sie vom KCTU grundlegend verfolgt wird – für alle 500.000 Beschäftigten dieser drei Ketten, von denen 415.000 in Leiharbeit oder Zeitarbeit beschäftigt sind. Wie in zahlreichen anderen Fällen von Gewerkschafts-Neugründungen der letzten Zeit auch, hat das Vorbereitungskomitee ein ganz knappes Grundsatzprogramm erarbeitet, auf dessen Grundlagen die Gewerkschaft organisiert werden soll. Dieser 5 Punkte Plan sieht, neben der überall vertretenen Forderung nach einem Mindestlohn von 10.000 Won, auch die Gewerkschaftsfreiheit vor und die rechtliche und soziale Gleichstellung mit Stammbelegschaften.
  • „Construction workers‘ union holds demonstration on Mapo Bridge“ am 28. November 2017 im Cina-Blog externer Link dokumentiert, ist ein kurzer Bericht über die Massen-Besetzungsaktion der Bauarbeitergewerkschaft vom Tage – mit der die Bauarbeiter ihre Streikbereitschaft dokumentierten, nachdem das Parlament die von ihnen geforderten Reformen zur Erhöhung der Arbeitssicherheit nicht verabschiedet hatte. Auch dieser Protest steht exemplarisch: Für eine Situation, in der die Gewerkschaften nicht mehr vor allem Abwehr-Forderungen stellen, sondern Verbesserungen erkämpfen wollen.