Der Protest der indigenen Organisationen Kolumbiens erringt Erfolge: Straßenblockaden aufgehoben, Präsident flieht vor der Öffentlichkeit

Straßemblockaden indigener Organisationen im Südwesten Kolumbiens wurden am 19.3.2019 von der ESMAD überfallenEnde der vergangenen Woche hatte eine Delegation der kolumbianischen Regierung unter Leitung der Innenministerin Gutiérrez der CRIC (Koordination der indigenen Organisationen) nach wochenlangen Straßenblockaden und Demonstrationen, die von heftigen Auseinandersetzungen und massiver Repression begleitet waren, die auch Todesopfer forderten, wesentliche Zusagen gemacht. Unter anderem ein umfangreiches soziales Investitionsprogramm in der Region, das sowohl den Wohnungsbau als auch landwirtschaftliche Projekte fördern soll, sowie den Schulbau und das Gesundheitswesen. Die Koordination der Proteste bezeichnete diese Zusagen, wie auch die offizielle Aufnahme der daraus folgenden Maßnahmen in das nationale Entwicklungsprogramm, als Erfolge eines Kampfes, der von Geschlossenheit geprägt gewesen sei und hob dementsprechend die Straßenblockaden auf, ohne die „Minga“ für beendet zu erklären, solange die Umsetzung fehle. In dem Artikel „Minga le ganó el pulso a Iván Duque“ am 07. April 2019 bei Colombia Informa externer Link wird berichtet, dass mit diesen Zusagen zwei der wesentlichen Forderungen der Bewegung erfüllt seien – und auch die dritte zentrale Forderung, die direkte Debatte mit Präsident Duque sei zugesagt worden, Duque werde am 9. April in die Region kommen, um mit Vertretern der CRIC zu sprechen… Siehe dazu auch eine Erklärung der CRIC zum nicht zustande gekommenen Gespräch mit dem Präsidenten und einen Hintergrundartikel zur sozialen Situation in dieser Region:

  • „Comunicado a la opinión publica: Duque no aceptó diálogos con la minga“ am 09. April 2019 beim CRIC externer Link ist die Erklärung des Regionalrats zur Absage des Gesprächs durch den Präsidenten am selben Tag. Der Präsident habe lediglich mit Vertretern des CRIC „hinter geschlossenen Türen“ sprechen wollen, dies aber sei ein Verhalten, das bei den Organisationen der Minga unbekannt sei, die Tradition sei, dass jede Versammlung öffentlich ist. Deswegen hätten mehrere Tausend Menschen darauf gewartet, mit dem Präsidenten zu sprechen. Der habe dies unter dem Vorwand mangelnder Sicherheitsvorkehrungen abgelehnt…
  • „Die Minga der Würde und die soziale Krise in Kolumbien” am 20. März 2019 beim Kaffeekollektiv Aroma Zapatista externer Link ist die Übersetzung (des Kollektivs) einer Erklärung des CRIC, worin die Gründe für den Protest unterstreichen werden. So etwa: „Das Wort „Minga“ kennt man in Kolumbien, weiß, dass es ein indigener Begriff für „Gemeindearbeit“ ebenso wie für „Proteste für das Gemeinwohl“ ist, dass von ihm Vorschläge für das Wohlergehen der indigenen und kleinbäuerlichen Gemeinden des Landes ausgehen, die so stark von dem langen Krieg betroffen sind, der ganze Generationen in Vergessenheit und Verzweiflung gestürzt hat. Die Protestierenden der aktuellen Minga zur Verteidigung von Leben, Territorium, Demokratie, Gerechtigkeit und Frieden im Südwesten Kolumbiens haben sich an vier Punkten auf der Panamericana versammelt, der Straße, die die beiden Departamentos Cauca und Valle del Cauca verbindet: la Agustina-Mondomo, el Pital-Caldono, el Descanso-Siberia und el Cairo-Cajibio. An allen vier Punkten haben die Bewohner*innen der indigenen Selbstverwaltungsgebiete zusammen mit der Guardia Indígena, der zivile Selbstverteidigungseinheiten der indigenen Gemeinden durch gewaltfreie Blockaden die zentrale Verbindungsroute der Region dauerhaft für den Verkehr gesperrt. Die Blockierenden werden täglich abgelöst. Alle elf indigenen Bevölkerungsgruppen und alle Dörfer, die sich gemeinsam im Consejo Regional Indígena del Cauca (Indigener Regionalrat des Cauca, CRIC) organisieren, schicken ihre Bewohner*innen und Guardias, um so gemeinsam die eigenen Rechte einzufordern. Die Protestieren fordern die Erfüllung von mehr als tausend unerfüllten Vereinbarungen zwischen der indigenen Bewegung und der aktuellen sowie vorhergehenden Regierungen. Ebenso fordern sie die Sicherstellung und Einhaltung der bürgerlichen, politischen, kulturellen, wirtschaftlichen, kollektiven und ökologischen Rechte durch den Staat, die Einhaltung des Friedensabkommens mit der FARC und die Wiederaufnahme von Verhandlungen mit den verbliebenen bewaffneten Gruppen sowie ein Ende der wirtschaftlichen Ausbeutung der Natur…“