Organisation trotz Terror

Kolumbien bleibt weltweit das gefährlichste Land für Gewerkschafter, aber der Organisationsgrad ist dank internationaler Gewerkschaftsföderationen erstmals seit langem wieder gestiegen. Artikel von Knut Henkel in der Jungle World vom 16.05.2013 externer Link

Aus dem Text: „(…) In Kolumbien, wo die Gewerkschaften im öffentlichen Sektor noch relativ stark sind, aber im privaten Sektor in den vergangenen Jahrzehnten immer schwächer wurden, ist dies keine Selbstverständlichkeit. Noch Mitte der achtziger Jahre lag der landesweite Organisationsgrad bei rund 20 Prozent – da begann der Terror gegen die Arbeiterorganisationen. Seitdem prägen Stereotype den Umgang mit den Gewerkschaften. »Die Gründung einer Betriebsgewerkschaft wird oft als erster Schritt zum Untergang eines Unternehmens bezeichnet«, sagt Villamil. Dass es auch anders geht, zeigen zahlreiche Beispiele, wie das von Argos, dem größten Zementhersteller Kolumbiens. Dort wurde 2006 nach langen Jahren der Konflikte ein Abkommen zwischen Gewerkschaften und Unternehmen geschlossen. »Seitdem hat es keinen Arbeitskonflikt mehr gegeben und das Unternehmen wächst«, bestätigt Personalchef César Augusto Mejia. Aber auch die Erfahrungen bei der Mine Cerrejón, wo 4 000 der 5 200 Festangestellten gewerkschaftlich organisiert sind, zeigen, dass Unternehmen auch mit einer kämpferischen Gewerkschaft satte Profite machen können. »Cerrejón transferierte jedes Jahr immense Summen ins Ausland. Bei der lokalen Bevölkerung und auch bei uns Arbeitern bleibt zu wenig von den Reichtümern, die hier abgebaut werden«, erklärt Aldo Rául Amaya. »Das Unternehmen macht riesige Gewinne und daran wollen wir teilhaben«. Dafür hat der letzte Tarifabschluss nach 32 Tagen Streik durchaus etwas gesorgt.“