Landesweiter Protesttag in Kolumbien: Schluss mit den Morden! Für einen wirklichen Frieden! – Der „Marsch für das Leben“

Kolumbien: Friedensdemonstration in Bogota am 5.10.2016 - Zehntausende machen weiterTausende Menschen protestierten am vergangenen Freitagabend unter dem Motto #MarchaPorLaVida (Marsch für das Leben) und #DefendamosLaPaz (Den Frieden verteidigen) gegen die anhaltende Gewalt und die tödlichen Angriffe auf soziale Aktivisten in Kolumbien. Dennoch wurde auch kurz nach den Protesten erneut ein tödlicher Angriff auf eine Sozialaktivistin und ihren Mann gemeldet. Yissela Trujillo und ihr Mann wurden von bisher unbekannten Angreifern auf der Straße von Caquetá so schwer verletzt, dass beide an ihren Verletzungen verstarben. Hernán Bravo, Bürgermeister von Puerto Rico, verurteilte die Tat scharf. Er betonte, dass mit allen Möglichkeiten der Institutionen eine schnellstmögliche Aufklärung des Angriffs erfolgen werde. Die Proteste am letzten Freitag, die von der Bewegung „Wir verteidigen den Frieden“ (Defendemos la Paz) organisiert wurden, fanden vor allem in Kolumbien, aber auch in vielen anderen Ländern der Welt statt. Unter anderem in Kanada, Deutschland, der Schweiz, Griechenland, USA, Belgien, Argentinien, Großbritannien, Frankreich und Spanien solidarisierten sich Menschen mit dem Anliegen der sozialen Bewegungen. Allein in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá nahmen etwa 15.000 Menschen teil, darunter Studenten, Lehrer, Gewerkschafter, soziale Organisationen, Indigene und Schwarze sowie Menschen der LGBTI-Bewegung. Ebenso beteiligten sich Abgeordnete aus sieben Parteien Kolumbiens: Polo Democrático, Grüne Allianz, Farc sowie Cambio Radical und die Liberale Partei. Die Parlamentsvertreterin der Grünen Allianz Juanita Goebertus rief dazu auf, in Solidarität zu den Familien der Getöteten zu marschieren...“ – aus dem Bericht „Trotz massiver weltweiter Proteste weitere Aktivisten in Kolumbien ermordet“ von Friederike Schwarz am 31. Juli 2019 bei amerika21.de externer Link über diesen landesweiten Protesttag und seine internationale Unterstützung. Siehe dazu auch einen Hintergrundbeitrag zur Lage der Menschenrechte in Kolumbien – und einen weiteren insbesondere zur Lage im Bajo Cauca, der „gefährlichsten“ Region aktuell:

  • „Kolumbien-aktuell No. 593 – Monatsbericht Juni 2019“ im Juli 2019 bei der Menschenrechte für Kolumbien Kampagne externer Link ist ein monatlicher, hier eben aktueller, Überblick über die Menschenrechtssituation in Kolumbien. Darin heißt es unter vielem anderem: „… Der Menschenrechtsbericht der NGO Cinep erstellt ein Panorama der Menschenrechtsverletzungen 2018 in Kolumbien. Er zeigt auf, wie stark die ständigen Menschenrechtsverletzungen insbesondere an den lokalen Gemeinschaften das gesellschaftliche Fundament in den betroffenen Regionen beschädigen. Der Bericht basiert auf der Untersuchung von 1418 Fällen von Menschenrechtsverletzungen mit insgesamt 2252 Opfern. Gut die Hälfte der Opfer (1151) haben Todesdrohungen erhalten, 648 Menschen wurden 2018 getötet, ermordet oder aussergerichtlich hingerichtet. Zudem wurden über 300 Zivilpersonen bei Angriffen verletzt und mindestens 66 Menschen gefoltert. Die Untersuchung ist unvollständig, da sie auf Zeugen- und Opferberichten sowie Medienartikeln beruht. Sie erlaubt jedoch einen erschreckenden Einblick in die weit verbreitete Gewalt. Drohungen wie Morde haben dabei seit 2016 kontinuierlich zugenommen. Ein Grossteil der politischen Gewalt in Kolumbien richtet sich gegen soziale Basisbewegungen. Oft finden die Drohungen und Angriffe im ländlichen Raum statt und richten sich meist gegen Angehörige der kommunalen Aktionskomitees (junta de acción comunal), resp. die Führungsgremien indigener und afrokolumbianischer Gemeinschaften. Gemeinsam ist diesen der Einsatz für die Rechte ihrer Gemeinschaft, insbesondere was den Landbesitz und die territoriale Kontrolle anbelangt. Die Täterschaft wird dabei von den Behörden und den Medien meist verschleiert. Oft werden diese einfach als „unbekannt“ oder „bewaffnete Männer“ registriert, obwohl die regionalen Gewaltstrukturen gut bekannt sind und meistens von illegalen bewaffneten Organisationen ausgehen. Diese Verschleierung ist eine Hauptursache für die hohe Straflosigkeit bei diesen Verbrechen. Behörden und Medien fördern mit ihrem Verhalten die Straflosigkeit aktiv...“
  • „Bajo Cauca: Ein Krieg, über den niemand spricht“ am 16. Juni 2019 bei der Kolumbien Kampagne Berlin externer Link ist ein (von Hans-Peter Schmutz) übersetzter Bericht von Colombia Informa aus dem Mai 2019, in dem es zur Entwicklung im Bajo Cauca unter anderem heißt: „… Die Auseinandersetzung um dieses Gebiet hat Geschichte: Hier waren Aufständische, wie die bis vor kurzem bestehenden Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC), die Ejército de Liberación Nacional (ELN) und paramilitärische Gruppen, wie die Autodefensas Unidas de Colombia (AUC), präsent. Als Letztere sich in den Jahren 2003 bis 2006 offiziell demobilisierten, formierten sich neue Gruppen, die sich dort heute mit Gewalt zu etablieren versuchen. Aufgrund dieses Krieges steigt die Anzahl der Opfer konstant. Am 15. April diesen Jahres meldete die siebte Division der Streitkräfte in Taraza acht Tote, die durch Gefechte ums Leben gekommen sind. Wenige Stunden danach wurde der Tod zweier Frauen und eines Mannes gemeldet. Die Kämpfe haben noch kein Ende gefunden, unter Umständen auch das Morden nicht. Zwischen dem 1. Januar und dem 10. April wurden in Antioquía 662 Morde gemeldet, davon 111 im Gebiet des Bajo Cauca. Und obwohl die Kämpfe weitergehen und die Zahl der Toten steigt, werden viele der Toten weder erfasst noch in den Medien erwähnt. Einwohner*innen der Zone versichern, dass in den letzten Monaten verschiedene ermordete Personen einfach verschwunden seien. Unter den getöteten Personen sind speziell die sieben sozialen Aktivist*innen zu erwähnen, welche in diesem Jahr in Antioquía ermordet wurden. Der Krieg zwischen den Gruppen hat diejenigen ausgelöscht, die in ihren Territorien Widerstand leisteten, und diejenigen vertrieben, die sie bewohnten. Mehr als 2.000 Personen sind in Anbetracht der Gewalt in die Zentren ihrer Gemeinden oder nach Medellín geflohen…“