Trucker: Der teuerste Streik in der Geschichte Kolumbiens wurde nach 45 Tagen erfolgreich beendet

Bericht von Karsten Weber vom 24.7.2016 – wir danken!Trucker: Ohne uns läuft nichts!

Es fahren etwa 330.000 LKW in Kolumbien. Es war der 13. Streik der kolumbianischen Trucker in 15 Jahren. Anfang Juni traten die Fahrer in den Streik gegen die Liberalisierung des Transportsektors und gegen die Koruption in den zuständigen Behörden.

Durch den Wegfall der regulierten Lizenzvergabe im Transport, fürchteten die Fahrer eine Überschwemmung des Marktes mit Fahrzeugen multinationaler Konzerne. Die Großspeditonen würden selbstfahrende Unternehmer und kleine Unternehmen verdrängen. Die Lizenzen würden an Großunternehmen mit guten Kontakten zu den herrschenden Eliten gehen. Bereits 50.000 Lizenzen seien auf illegalem Wege ausgegeben worden.

Die Wartung der Verkehrswege sollte privatisiert werden, in den Augen der Fahrer würde die Straßenmaut in die Taschen privater Unternehmer fließen, die sich dann nicht um den Erhalt der Straßen kümmerten. Die Streikenden führten auch an, daß die Regierung die Dieselpreise als Folge erhöhter Rohölpreise angehoben habe, die Preise aber nicht gesenkt wurden, als die Rohölpreise wieder gefallen waren.

Die Trucker erklärten, das Freihandelsbabkommen mit den USA sei der Grund für die Monopolisierung der Wirtschaft. Auch die Kleinbauern sahen sich von den Folgen des Freihandelsabkommens bedroht. Sie traten ebenfalls in den Streik und solidarisierten sich mit den Truckern.

Als die Regierung auch nach 4 Wochen Streik kein Entgegenkommen zeigte, beschlossen die Fahrer eine härtere Gangart des Arbeitskampfes und blockerten die wichtigsten Autobahnen des Landes. Die Regierung setzte das Miltär ein, um die Blockaden zu Räumen. In seinen Stellungnahmen zum Streik, der die Wirtschaft des ganzen Landes in Mitleidensschaft zog, trat der Präsident des lateinamerikanischen Landes gemeinsam mit Miltärs vor die Fernsehkameras, um den Ernst der Lage zu Unterstreichen. Als ein Fahrer durch eine Tränengasgrante der Polizei das Leben vorlor, führte die Wut der Trucker zu Bürgerkriegsähnlichen Zuständen. In mehreren Orten wurden Rathäuser angegriffen, eins wurde geplündert und niedergebrannt. Ein Gouvaneur wurde bei einem Autobahnunfall verletzt, der von den Protestierenden verursacht worden ist. Die US Regierung sprach eine Reisewarnung für Kolumbien aus. Als aber die Lebensmittelpreise explodierten und die Inflationsrate auf mehr als das doppelte von dem anstieg, was die Zentralbank als Obergrenze festgelegt hat und die Kaffeexporte auf die Hälfte einzubrechen drohten und als die Gewerkschaft ankündigte, alle Zufahrststraßen zur Hauptstadt zu blockieren, knickte die Regierung ein.

Man einigte sich darauf, die über 1,300 wegen der Teilnahme an gewalttätigen Protesten eingezogenen Fahrlizenzen, an die Fahrer zurückzugeben. Es gab eine Einigung bei der Festlegung der Frachtpreise und der Entfernung alter Fahrzeuge aus dem Verkehr. Die Frage der Maut und der Dieselpreise blieben offen. Der Gewerkschaftsvorsitzende Orlando Ramirez sprach von einer Einigung, die “die Bedürfnisse des Sektors befriedigt” und von einem “fairen Deal”.