Erneuter Bombenterror Saudi-Arabiens in Sana: Wie die Darstellungen der Täter von den Medien im Lande ihrer Waffenlieferanten übernommen werden…

Aktionspostkarte: Ausgeliefert - Munitionsexporte der Rheinmetall AG stoppenEs zeichnet sich kein Ende im Krieg im Jemen ab. Ein Luftangriff der saudi-arabischen Koalition auf den Präsidentenpalast im Zentrum der Hauptstadt Sana’a am Montag machte laut Washington Postden Eindruck, als ob es sich um einen gezielten Angriff auf den Huthi-Führer Mahdi al-Mashat handelte – tatsächlich getroffen, getötet und verwundet wurden aber nach Kenntnisstand der Zeitung ausschließlich Zivilisten. Mindestens sechs Tote und 30 Verletzte berichten ungenannte Offizielle als erste Bilanz des Angriffs. Nach Informationen von Nachrichtenagenturen soll kurz vor dem Raketenbeschuss ein Treffen von sogenannten Huti-Rebellen stattgefunden haben. Die Quellen, auf die sich die Washington Post beruft, sind sich allerdings nicht sicher, ob sich noch Führer der Huthis im Gebäude befunden haben und ob sie getroffen wurden. Am Montagmorgen hatte es gehißen, dass Saudi-Arabien Raketen der Huthis abgefangen habe. Quellen aus der jemenitischen Hauptstadt melden auf sozialen Netzwerken erheblich mehr Opfer nach einem zweiten Angriff, der dem ersten folgte und Flüchtende traf. Etwa 100 Zivilisten seien getötet oder verletzt worden, schätzt der jemenitische Journalist Nasser Arrabyee.mDer Angriff war dem Eindruck der Bilder nach, die Arrabee veröffentlicht, nicht auf die Huthi-Führung gezielt, sondern auf Zivilisten. Das gegenüber den USA und Saudi-Arabien sehr kritisch eingestellte Blog Moon of Alabama, stellt fest, dass die saudi-arabische Strategie, selbst wenn sie denn der gezielten Tötung von Huthi-Führern gelte, keine erfolgreiche Strategie sei“ – aus dem Beitrag „Jemen: Saudi-arabische Koalition bombardiert belebtes Viertel in Sana’a“ von Thomas Pany  am 07. Mai 2018 bei telepolis externer Link, worin sich immerhin nicht auf die sonst verbreitete Nachrichtenagentur-Texte beschränkt wird. Siehe dazu auch eine weitere aktuelle Meldung im Standard-Format, sowie einen neuen Beitrag zum alten Thema deutscher Waffen-Ausstattung für die bombenden Sauds und einen Hintergrundbeitrag, der „einen der Akteure“ im Jemen genauer vorstellt:

  • „Saudi-Arabiens Militärallianz bombardiert Präsidentenpalast“ am 07. Mai 2018 bei Spiegel Online externer Link ist die redaktionelle Bearbeitung einer Meldung von mehreren Agenturen, die hier als Beispiel dafür stehen soll, wie die Bekundungen der Bombenwerfer darin als Fakt dargestellt werden, und dies in der Regel bei allen Medien des bürgerlichen Journalismus: „Die Antwort folgte prompt: Die Militärkoalition griff den Präsidentenpalast in Jemens Hauptstadt Sanaa aus der Luft an. Dabei sollen mindestens sechs Menschen getötet worden sein. Zudem verletzten die Bombardements mehr als 30 Menschen, wie medizinische Helfer und Augenzeugen berichteten. Demnach soll kurz vor den Angriffen ein Treffen von Huthi-Rebellen in dem Gebäude stattgefunden haben. Die von Saudi-Arabien geführte Allianz unterstützt die international anerkannte Regierung des Jemens und fliegt seit mehr als drei Jahren Angriffe auf die Huthi-Rebellen im Jemen. Die Aufständischen kontrollieren weite Teile im Norden des Landes sowie Sanaa selbst“.
  • „Tote in Jemen – Geld für Rheinmetall“ von Alexander Isele am 08. Mai 2018 in neues deutschland externer Link, worin zu den Aktionen aus Anlass der Hauptversammlung von Rheinmetall berichtet wird: „In Berlin haben am Montag Menschenrechtsgruppen den Rüstungskonzern Rheinmetall wegen seiner Rolle im Krieg in Jemen angeklagt. Einen Tag vor der Hauptversammlung des Düsseldorfer Rüstungsherstellers in Berlin bezichtigten sie Rheinmetall, über Tochterfirmen in den Jemen-Konflikt verstrickt zu sein. In Italien steht die Rheinmetall AG durch eine Strafanzeige gegen ihre Tochterfirma RWM Italia auch juristisch unter Druck. Auf einer Pressekonferenz im Vorfeld der Aktionärsversammlung berichtete die jemenitische Menschenrechtlerin Bonyan Gamal von einem Bombenangriff auf das Dorf Deir Al-Hajārī im Oktober 2016, bei dem eine sechsköpfige Familie getötet wurde. Mitarbeiter der Nichtregierungsorganisation (NGO) Mwatana Organization for Human Rights fanden am Tatort Überreste von Bomben. Mindestens eines der Teile stammte aus der Produktion von RWM Italia. Mit solch akribischer Arbeit identifiziert die Nichtregierungsorganisation die Waffenlieferanten, »die lieber anonym bleiben wollen«. Die gefundenen Waffenreste erlauben, so Gamal, mit Gewissheit zu sagen, »dass diese Firmen Profit aus dem verheerenden Krieg gegen den Jemen ziehen«“.
  • „The Southern Transitional Council and the War in Yemen“ von Susanne Dahlgren am 26. April 2018 beim MERIP externer Link ist ein Beitrag über einen politischen Akteur, der in der hierzulande meist wieder gegebenen saudischen Propagandawelt von „Saudis helfen Regierung gegen Huthis, die vom Iran gesteuert werden“ eher nicht vorkommt. Der „Südliche Übergangsrat“ ist offiziell ein Partner der von Saudi Arabien unterstützten angeblich legitimen Regierung Hadi – es gab aber zu Jahresbeginn bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Ratsmilizen und Regierungseinheiten. Was einerseits grundsätzlich damit zu tun habe, so die Autorin, dass der Übergangsrat für jene politischen Kräfte im Süden des Landes stehe, die die Vereinigung mit dem Norden unter dessen Kommando zunehmend kritisch sehen, worunter es auch Strömungen gibt, die dies vollkommen rückgängig machen wollen. Dies, kombiniert mit der Unfähigkeit der „Regierung“ irgendwie das alltägliche Leben zu organisieren, was wachsenden Protest der Bevölkerung hervor ruft – umso mehr, als es Regionen gibt, in denen dies durchaus gelang – führte zu dieser tendenziellen Auflösung des Bündnisses, das aus der Not geboren sei, Widerstand gegen fundamentalistische Milizen zu leisten.