Der Regierungsantritt der Lega Mord verstärkt die rassistische Terror-Welle in Italien – der Bandenchef begeht Mussolinis Geburtstag

Demonstration gegen Verfassungsreform in Rom am 15.8.2016Seit dem Regierungsantritt der rassistischen Lega und der rechten »Fünf-Sterne-Bewegung« (M5S) wird Italien von einer »schwarzen Flut« rassistischer Gewalt überzogen. So die Einschätzung der linken Zeitung Il Manifesto, die damit auch auf die Anhänger Mussolinis in ihren schwarzen Hemden anspielt. Jüngstes Opfer war am Sonntag in Aprilia bei Rom ein 43jähriger Marokkaner, der für einen Dieb gehalten wurde. Als er nach einer Verfolgungsjagd aus dem Auto sprang, wurde er von zwei Italienern mit Fußtritten und Schlägen zu Tode geprügelt. (…) Mit einem »Sicherheitserlass« will Salvini die Verfolgung von Migranten als legale Maßnahme tarnen. In Italien seien »30.000 Roma in solchen Camps bedroht«, schrieb Manifesto. Außerdem lebten 10.000 Menschen in besetzten Häusern, viele von ihnen sind auch Migranten. (…) Salvini reagiert auf Proteste mit einem Bekenntnis zu Benito Mussolini und übernahm am 29. Juli auf Twitter dessen Slogan »Viel Feind, viel Ehr«. Kein zufälliges Datum, es handelt sich dabei um den Geburtstag des faschistischen »Duce«….“ – aus dem Beitrag „Welle rassistischer Gewalt“ von Gerhard Feldbauer am 03. August 2018 in der jungen welt externer Link, worin auch noch die aktuelle Hetzkampagne gegen Rom und Sinti Thema ist – wie sie etwa von der Sternenfrau in Rom betrieben wird… Siehe dazu auch einen Beitrag über die Lebenswirklichkeit von MigrantInnen im Italien des Jahres 2018, einen Diskussionsbeitrag zum antirassistischen Kampf heute – und den Verweis auf unsere Materialsammlung zum aktuellen Rassismus in Italien vom Februar 2018:

  • „Die Piste“ von David Klaubert am 30. Juli 2018 im FAZ.net externer Link ist eine Reportage über Itaiens größten Slum, die so beginnt: „Die Stadt ohne Namen ist gut versteckt. Kein Wegweiser führt hin. Am Ausgang von Borgo Mezzanone, einem Dorf, das Mussolini einst in die Felder Apuliens pflanzen ließ, verabschieden einen stattdessen Hakenkreuzschmierereien. Nach vier Kilometern geht es rechts auf eine schmale Teerstraße, die sich schon bald auflöst, so als wolle auch sie einen nicht weiterbringen. Bei Regen ist sie Matsch, bei Sonnenschein Staub. Und dann liegt sie plötzlich vor einem, schnurgerade in Richtung Horizont: die Piste. Im Zweiten Weltkrieg starteten hier Flugzeuge. Heute ist sie die Hauptstraße einer Stadt, die es offiziell nicht gibt. Sie hat 4000, 5000 Einwohner, vielleicht mehr. Keiner hat sie gezählt. Es sind Menschen, die der italienische Staat sich selbst überlassen hat. Sie kommen aus Senegal, Gambia, Mali, Guinea, Guinea-Bissau, Elfenbeinküste, Ghana und Nigeria. Auch ein paar Somalier und Eritreer leben hier, Sudanesen und Marokkaner. Es gibt afghanische und pakistanische Händler und eine Prostituierte aus Rumänien.  Manche von ihnen leben in den alten Militärbaracken, in Bunkern, manche in Containern, manche in selbstgebauten Ziegelhäuschen. Die meisten aber in Verschlägen aus Sperrholz und Plastikfolien. Es gibt zwei Moscheen, in einer wird Französisch gesprochen, in der anderen Englisch. Es gibt die Church of Pentecost und die Garden of Jesus Christ Church. Es gibt die nigerianische Mafia, Bordelle, Friseure, ein Reisebüro, einen Copyshop, Mechaniker und Autohändler, Lebensmittel- und Tante-Emma-Läden. Restaurants, einen senegalesischen Bäcker und den Grill von Roman, einem ghanaischen Rasta, der jeden Tag ein Schaf schlachtet und an besonderen Tagen auch mal zwei. Vor seiner Hütte und entlang der Piste hat jemand Betonklötze verteilt und ausrangierte Kühlschränke, so dass die Autos nicht mehr ganz so schnell rasen können. Es hat schon genug Unfälle gegeben…
  • „Perchè il Pd e la Cgil non sono un argine al razzismo dilagante nel paese“ am 01. August 2018 bei Contropiano externer Link ist eine Stellungnahme von Noi restiamo („Wir bleiben“) zur aktuellen rassistischen Welle in Italien und der keineswegs wirklich oppositionellen Rolle, die dazu die Sozialdemokratie (PD) und der ihr (mehrheitlich) nahe stehende Gewerkschaftsbund CGIL einnehmen. Was sich schon bei den Aktionen im Februar gezeigt habe (siehe den Verweis auf unsere damalige Materialsammlung) sei nicht nur, dass nicht mobilisiert werde, sondern eben grundlegendes Einverständnis, wie es sich etwa anhand der allgemein geteilten Politik der Unterstützung und Finanzierung libyscher Milizen zeige.