Italienische Stahlarbeiter im Streik gegen Arcelor Mittal

Stalarbeiter Protest gegen 4.000 Entlassungen in Genua am 9.10.17

Der Plan wurde am Freitag, 06. Oktober verkündet und die Selbstherrlichkeit demonstriert: Die Übernahme des italienischen Stahlerzeugers Ilva durch Arcelor Mittal (im Mai 2017 aufgekauft) bedeute 3.000 Entlassungen in Taranto und 600 in Genua, insgesamt 4.000 der bisher 14.000 Beschäftigten sollen auf die Straße geworfen werden. Was die Diktatoren beschlossen und verkündet hatten, rief sogar bei der katholischen Kirche erhebliche und lautstark geäußerte Kritik hervor – bei den Belegschaften aktiven Widerstand: Protest-Streik am Montag, 09. Oktober 2017. Das Ganze ist natürlich nicht nur ein selbstherrliches Diktat, sondern auch ein direkter Erpressungsversuch: Der Plan müsse von den Gewerkschaften mitgetragen, unterschrieben werden, sonst sei der ganze Übernahmedeal in Frage gestellt. Einige Gewerkschaften und politische Linke fordern die italienische Regierung auf, gerade anders herum zu reagieren: Die ganze Übernahme rückgängig zu machen und das Unternehmen zu verstaatlichen. Siehe dazu fünf aktuelle Beiträge:

  • „Arcelor Mittal will 4.000 Jobs streichen: Streik in Italien“ am 09. Oktober 2017 in Die Presse externer Link (Österreich) ist die Meldung über den Streiktag, worin zur gewerkschaftlichen Reaktion und zur tödlichen Vorgeschichte von Ilva (siehe auch Hinweis am Ende dieses Beitrages über frühere Berichte im LabourNet Germany) berichtet wird: „Die Demonstranten forderten den Einsatz der Regierung in Rom, um die massiven Jobkürzungen abzuwenden. “4.000 Jobkürzungen sind absolut unzumutbar. Die Regierung muss die Beschäftigung garantieren”, sagte Francesca Re David, Chefin der italienischen Metallgewerkschaft FIOM. ArcelorMittal hatte am Freitag den massiven Jobabbau angekündigt. 1,8 Milliarden Euro hat ArcelorMittal laut italienischen Medien für die Übernahme des Ilva-Werks im Mai gezahlt. Ilva hatte zu Hochzeiten geschätzte neun Millionen Tonnen Stahl pro Jahr produziert – das entsprach etwa einem Drittel der italienischen Gesamtproduktion. Das Stahlwerk mit Sitz in Tarent steht seit 2013 unter besonderer staatlicher Aufsicht. Hintergrund waren Vorwürfe gegen die Eigentümerfamilie Riva, die in Kauf genommen haben soll, dass giftige Emissionen aus der Anlage in die Stadt zogen“.
  • „Ilva. La mobilitazione dei lavoratori ferma la falsa partenza della trattativa“ am 09. Oktober 20ß17 bei der Metallgewerkschaft FIOM externer Link ist ein erster Bericht über den Streik- und Aktionstag gegen die Arcelor Pläne. Darin berichtet die CGIL Einzelgewerkschaft, dass auch die Metallgewerkschaften der beiden anderen größeren Föderationen an der Aktion beteiligt gewesen seien. Diese gemeinsame Mobilisierung habe, so die These der Gewerkschaft, bereits dazu geführt, dass zumindest die italienische Regierung „sich bewegt“ habe in Richtung darauf, dem Unternehmen genauere Erklärungen und Bedingungen abzuverlangen: Was erst recht bedeute, die weitere Mobilisierung aufrecht zu erhalten…
  • „Ilva. La lotta dei lavoratori ottiene un primo successo“ am 10. Oktober bei sindacatounaltracosa externer Link (Gewerkschaftsopposition in der CGIL) ist ein beitrag der ebenfalls einen ersten Erfolg der Mobilisierung in der (halbherzigen) Reaktion der italienischen Regierung sieht, aber gerade deshalb nicht nur eine verstärkte Mobilisierung fordert – die Teilnahme von größeren Delegationen zahlreicher Metallbelegschaften aus der Region an der Genueser Demonstration sei ein Schritt in die richtige Richtung – sondern auch dafür eintritt, dass die italienischen Metallgewerkschaften die Forderung nach Verstaatlichung des Unternehmens erheben sollen.
  • „ILVA: SCIOPERO AD OLTRANZA ! BLOCCO DELLE PORTINERIE ASSEMBLEE PERMANENTI“ am 09. Oktober 2017 bei der CUB externer Link ist die Dokumentation des Aufrufs der Metallgewerkschaft der Basisföderation zu einem „wirklichen Streik“ und zur Zusammenarbeit mit jenen Teilen der Bevölkerung in der Region Taranto, die sich gegen die Giftschleuder Ilva zur Wehr gesetzt haben und dies immer noch tun: Die dabei entstandene Kooperation zwischen Belegschaft und Nachbarschaft sei ein Faustpfand, das eingesetzt werden müsse, gerade auch, wenn es um weitere Kampfformen gehe, wie etwa die Betriebstore zu blockieren.
  • Im LabourNet Archiv unter Italien/Arbeitskämpfe: Stahlwerk in Italien: Dreckschleuder produziert weiter – Gerichte schließen ein berüchtigtes Stahlwerk in Tarent. Die Regierung hebt per Dekret den Beschluss wieder auf – mit einem Verweis auf den Arbeitsmarkt.