Freeport trägt die alleinige Verantwortung für den Tod indonesischer Bergarbeiter: Ohne Krankenversicherung auf die Straße geworfen

Demonstration der Freeport Streikenden in Papua im Juli 2017Vor Monaten bereits entließ Freeport über 4.000 Beschäftigte auf Papua. (Siehe dazu auch den Verweis auf frühere Berichte am Ende des Beitrags). Vor allem aus zwei Gründen: Einmal, weil es die Belegschaft gewagt hatte, sich den Diktaten der Betriebsführer zu widersetzen, weswegen ein Exempel statuiert werden musste. Zweitens aber auch, weil die indonesische Regierung das alte Geschäftsmodell, das Freeport gemeinsam mit der Suharto-Diktatur entwickelt hatte, ein wenig – und wirklich nur ein wenig – in Frage stellte. Deswegen wurde die Belegschaft von der Freeport-Gang als Geisel genommen. Die indonesische Regierung blieb gegenüber dem Gesetzesbruch von Freeport tatenlos – und die Lebensbedingungen der Opfer der Eigentümer-Diktatur verschlechtern sich kontinuierlich und rapide. Der jüngste Protest galt dem Tod von inzwischen 7 Bergarbeitern, die gestorben sind, weil Freeport ihnen die Krankenversicherung durch Entlassung genommen hat. Siehe in der kleinen Materialsammlung zum Unwesen von Freeport und dem Widerstand dagegen vier aktuelle Beiträge, sowie zwei Meldungen über separatistische Aktivitäten und ein Hintergrundartikel über die Auswirkungen des Bergbaus in Indonesien – und den Verweis auf unsere bisherigen Beiträge:

„Seven die at Grasberg mine after Freeport cuts health coverage“ am 23. November 2017 bei IndustriAll externer Link ist die namentliche Dokumentation aller sieben Toten seit ihrer Kündigung durch das Unternehmen wegen des Streiks, der im Mai diesen Jahres begonnen hatte. Die Opfer hatten zwischen 6 und 20 Jahren bei Freeport gearbeitet und sechs von ihnen hinterlassen Familie. Sie wurden in Notfällen wegen nicht vorhandener – oder blockierter – Krankenversicherungskarte nicht behandelt.

„Gold Dust: the human cost of the Grasberg mine crisis“ am 16. November 2017 bei IndustriAll externer Link ist ein Videofilm, in dem eine ganze Reihe der wegen Streiks gekündigten über 4.200 Arbeiter zu Wort kommen und ihre zunehmend schwierigere soziale Lage schildern. Wer diesen Film als eine einzige Anklage gegen Freeport versteht, liegt sicher nicht falsch…Zumal in dem Video nicht nur die brutalen Auswirkungen auf die Gekündigten selbst geschildert werden, sondern auch immer wieder Thema wird, wie diese Massenkündigung auf die ganzen Gemeinden wirkt, in denen die Bergarbeiter leben – und es sind ja in der Regel dann immer Dutzende oder Hunderte von Entlassenen, die an einem gemeinsamen Ort leben – und diese Auswirkungen zersetzen regelrecht diese betroffenen Gemeinden nach und nach…

„Indonesian Human Rights Commission calls for reinstatement of Grasberg workers“ am 02. November 2017 ebenfalls bei IndustriAll externer Link ist eine kommentierte Dokumentation der Empfehlung der nationalen indonesischen Menschenrechtskommission an den Präsidenten, in der das Unternehmen aufgefordert wird, alle Entlassenen, sei es aus der Stammbelegschaft oder von Subunternehmen, wieder einzustellen. Auch die Kommission sieht diese willkürliche Massenentlassung durch ein Unternehmen, das in ganze Indonesien Zehntausende von Menschen beschäftigt als einen Akt in der Auseinandersetzung mit der indonesischen Regierung, die eine 51% Beteiligung an der Grasberg-Mine von Freeport und dazu gehörenden Verarbeitungsbetrieben fordert – in Änderung des Abkommens, das das Unternehmen mit der Diktatur Suhartos geschlossen hatte.

„Mine workers continue their fight“ am 19. November 2017 bei den Australia Asia Workers Links externer Link ist eine kurze Materialsammlung des Solidaritäts-Netzwerkes über die Entwicklung des Kampfes bei Freeport seit dem Streikbeginn im Mai 2017.

„Freeport evacuating Indonesian mine worker families after shootings“ am 17. November 2017 bei Reuters externer Link ist die Meldung der Evakuierung der Familien der noch arbeitenden Belegschaftsteile aus einem der Wohnorte nach bewaffneten Angriffen separatistischer papuanischer Milizen – von denen Freeport kund tut, sie hätten auch zivilen Personen und nicht nur der Polizei gegolten – was allerdings nicht zur Evakuierung der Belegschaft führte, nur ihrer Familien…

„West Papuans call for closure of Freeport gold mine“ am 24. November 2017 bei Radio New Zealand externer Link ist der Bericht von einer Demonstration mit rund 2.000 TeilnehmerInnen in der Provinzhauptstadt von West Papua – die die Schließung der Mine forderten, für sie Symbol der Unterdrückung durch Indonesien und seine Verbündeten. Was immer man davon halten mag, wenn hier vertreten wird, die lokale Bevölkerung habe nichts von der Mine, so kann man das nicht vom Tisch wischen: Auch die eingangs erwähnten Todesopfer der Entlassenen sind allesamt Arbeiter aus ganz anderen Regionen Indonesiens gewesen, die in einst extra dafür gebauten Städten wohnten.

„Mining – who benefits? „ von KATHRYN ROBINSON und MARIBETH ERB am 19. Oktober 2017 bei Inside Indonesia externer Link ist eine Artikelsammlung, in der ausführlich Bilanz gezogen wird über die gesellschaftlichen Ergebnisse des Bergbaus in Indonesien und in den verschiedenen Regionen. Dabei ist das Gesetz Nummer 4 von 2009 ein zentraler Entwicklungspunkt: Die von der Suharto-Diktatur ab 1966 rund 30 Jahre lang abgeschlossenen Verträge bedeuteten faktisch die volle unternehmerische Freiheit für die globalen Bergbau-Konzerne, die massenhaft in Indonesien ihre Tätigkeit aufnahmen. 2009 wurde die Erteilung einer Lizenz durch die staatliche Bergbau-Behörde Voraussetzung der weiteren Tätigkeit und diese war an staatliche Beteiligung gebunden, zudem wurde ab 2014 der Export unverarbeiteter Rohstoffe untersagt. Aber heute, 8 Jahre nach Verabschiedung des Gesetzes sind längst noch nicht alle Verträge dem Gesetz entsprechend angepasst – die Auseinandersetzung zwischen Freeport und der indonesischen Regierung sind davon das deutlichste Beispiel – und die neue Regierung Indonesien hat das Exportverbot, das seit 2014 für nicht weiter verarbeitete Förderung gilt, mehrfach aufgeweicht…

Zum Kampf der indonesischen Bergarbeiter zuletzt‘‘: „Streikende Freeport-Bergarbeiter in Papua: Straßen-Blockade von der Polizei überfallen“ am 21. August 2017 im LabourNet Germany