Die Proteste der indischen Bauern breiten sich trotz Polizeirepression aus

Indien: 1. Mai 2016 in Bangalore - trotz Polizeiterror kämpfen die Textilarbeiterinnen weiterSelten zuvor in den vergangenen Jahren haben die Probleme der indischen Landwirtschaft so für Schlagzeilen gesorgt wie derzeit. Anfang Juni hatten wütende Bauern im westlichen Unionsstaat Maharashtra aufbegehrt. Die Massenproteste wurden nach einer Woche erst unterbrochen, als die Regionalregierung in Mumbai zusicherte, im großen Stil Kreditschulden zu erlassen. Uttar Pradesh hat einen solchen Schritt bereits vollzogen: Im bevölkerungsreichsten Unionsstaat, in dem seit kurzem wie auf nationaler Ebene die hindunationalistische Bharatiya Janata Party (BJP) von Premierminister Narendra Modi an der Macht ist, hat die lokale Administration in Lucknow den Erlass von 350 Milliarden Rupien an Schulden, umgerechnet rund fünf Milliarden Euro, verfügt. Die beiden Unionsstaaten sind die einzigen, in denen das Thema aktuell in den Fokus gerückt ist. In Punjab wurde im Vorfeld der anstehenden Haushaltsberatungen eine Sonderkommission eingesetzt. Sie soll unter anderem mit den Bauerngewerkschaften verhandeln, in welchem Umfang es dort zu Schuldenentlastungen kommen kann. Auch im benachbarten Haryana, in Rajasthan und in Madhya Pradesh wird um einen Schuldenerlass gerungen. Die Proteste der Bauern waren heftig, die Reaktionen der Sicherheitskräfte sind mancherorts eskaliert. In Madhya Pradesh gab es bereits fünf Tote“ – so beginnt der Beitrag „Indiens Bauern in Not“ von Thomas Berger am 19. Juni 2017 in der jungen welt externer Link, worin auch die Auswirkungen der sogenannten Geldreform der Bundesregierung Indiens Thema sind, die unter anderem dazu geführt habe, dass mangels Bargeld kein Saatgut eingekauft werden konnte. Siehe dazu auch drei aktuelle Beiträge zu den Aktionen und ihrer Ausbreitung im ganzen Land, zu dem Widerstand gegen Polizeirepression und zur Unterstützung der Bauernbewegung durch Gewerkschaften und Linke:

  • „Explained: Behind the farmer protests in 16 states are bumper harvests and low prices“ von Mrdula Chari am 18. Juni 2017 bei Scroll.in externer Link ist ein ausführlicher Überblick über die Proteste in inzwischen 16 Bundesstaaten, worin neben einer kurzen Schilderung der jeweiligen Ereignisse bisher auch eine knappe Skizze der Lage der Bauern im jeweiligen Bundesstaat gegeben wird, die sich trotz der geteilten generellen Problematik durchaus unterscheidet. Dabei ist hervor zu heben, dass der Bundesstaat Uttar Pradesh, der bevölkerungsreichste und seit kurzem vom Frontmann der indischen Reaktion regiert, Yogi Adityanath, im Zentrum dieser Proteste auch deshalb steht, weil dessen Versprechen, einen bedeutenden Teil der Ernte aufzukaufen, ein leeres blieb.