Mehrere indische Gewerkschaftsverbände organisieren eine gemeinsame Kampagne zur Freilassung der “Pricol 2″

Indien: Soliveranstaltung der KPI-ML mit den Pricol 8 am 13.3.2016 in ChennaiNachdem durch ein Gerichtsurteil vom Februar 2017 (siehe den Verweis auf unseren damaligen Bericht am Ende dieses Beitrags) der Musterfall “Pricol 8″ zum Musterfall “Pricol 2″ geworden ist, weil 6 der 8 zu lebenslänglicher Haft verurteilten Kollegen vom Obersten Gericht des Bundesstaates frei gesprochen worden waren, haben sich jetzt verschiedene Gewerkschaften darauf geeinigt, eine Kampagne zur Freilassung der noch verurteilten beiden Kollegen gemeinsam zu führen – denn ihr Fall soll jetzt vor dem Obersten Gerichtshof Indiens verhandelt werden. Ähnlich wie im “Fall” Maruti-Suzuki wird auch den Kollegen des Autozulieferers Pricol vorgeworden, im Rahmen einer betrieblichen Auseinandersetzung im Jahre 2009 einen Angehörigen des Managements getötet zu haben. Die indische Klassenjustiz führt beide Prozesse als Musterfälle gegen die Selbstorganisation von Belegschaften in eigenen Gewerkschaften, die nicht vom Unternehmen geleitet werden. Im Fall der Pricol-Betriebsgewerkschaft kommt “erschwerend” hinzu, dass sie dem Gewerkschaftsverband AICCTU angeschlossen ist, der der KPI (Maoisten) nahe steht – und bei allem, was irgendwie mit dem Namen Mao Zedongs verbunden ist, wittert die indische Reaktion sofort ihre hauseigene Variante des Terrorismus. Dass sich verschiedene Gewerkschaften nun, nach längeren Diskussionen, darauf geeinigt haben, diese Kampagne gemeinsam zu führen, ist in der indischen Gewerkschaftsbewegung, die weitgehend vom parteipolitischer Zugehörigkeit geprägt ist, ein Fortschritt in Richtung eines einheitlichen Handelns. Der Wunsch danach hatte sich bereits in den beiden letzten großen Generalstreiks ausgedrückt und es wird nun versucht, dies auch im Alltag umzusetzen. Siehe zur Solidaritätskampagne mit den Pricol 2 zwei aktuelle Beiträge:

  • „Wrongly Convicted, Six of the ‘Pricol 8’ Walk Free“ von Thomas Manuel am 27. Dezember 2017 in The Wire externer Link ist ein Beitrag, in dem nochmals die Gesichichte der Auseinandersetzung nach gezeichnet wird. Pricol, ein globaler Auotzulieferer, der in einer ganzen Reihe von Ländern rund um die Welt aktiv ist, hat in Indien sieben Werke, darunter zwei in Coimbatore, Tamil Nadu. Dort spitzte sich die Auseinandersetzung um das Recht der Belegschaft, eine eigene Gewerkschaft zu gründen – was vom Unternehmen aggressiv bekämpft wurde – so weit zu, dass die in Indien übliche „letzte Taktik“ eingesetzt wurde, sprich: Die Kriminalisierung des Protests und der Bestrebungen nach gewerkschaftlicher Organisierung, die unter größtem Aufwand und unter Einsatz noch seltsamster Mittel durchgeführt wird. Zur Sachlage wird in dem Artikel darauf verwiesen, dass es jeder Logik entbehre, 6 von 8 Angeklagten frei zu sprechen mit der Begründung die Zeugen der Anklage seien von „der Gegenseite plaziert“ worden, aber dennoch die Verurteilung in zwei Fällen aufrecht zu erhalten. Dies so abschließend, könne nur verstanden werden, wenn es wirklich um die Verhinderung der Selbstorganisierung von Belegschaften gehe.
  • „AICCTU Convention seeks justice for Pricol 2“ am 28. Dezember 2017 im Tamil Nadu Labour Blog externer Link ist ein Bericht über den Kongress des Gewerkschaftsbundes AICCTU im Bundesstaat Tamil Nadu am 17. Dezember. Darin wird berichtet, dass der Gewerkschaftsbund die Kampagne gemeinsam mit den Gewerkschaftsverbänden AITUC, CITU, HMS, LPF und AIUTUC führen werde. Vertreter der anderen Verbände, die auf dem Kongress sprachen unterstrichen die Wichtigkeit der gemeinsamen Aktion und wiesen darauf hin, dass dies auch für andere Grundprobleme der Lebensbedingungen in Indien gelten müsse.
  • In unserem letzten Beitrag zu den „Pricol 8“ – „Der indische Musterprozess ist geplatzt: 6 der „Pricol 8“ mussten frei gelassen werden“ vom 10. Februar 2017 berichteten wir bereits: „6 der 8 verurteilten Kollegen wurden vom Obersten Gericht des Bundesstaates frei gesprochen – und sofort aus der Haft entlassen. Ein echter drei Viertel-Erfolg – denn der Kampf für die Freilassung der beiden anderen Kollegen wird weiter gehen, unterstrich die Gewerkschaft.