Generalstreik in Indien am 20. und 21. Februar 2013

DossierBilder vom Generalstreik in Indien am 20. und 21. Februar 2013

Alle 11 landesweiten indischen Gewerkschaftsverbände haben für den 20. und 21. Februar 2013 einen Generalstreik ausgerufen, der sich vor allem gegen die rasante Teuerung und die nahezu ebenso rasante Ausbreitung der Leiharbeit richtet: Erstmalig alle gemeinsam – und zum ersten Mal sind auch alle regionalen und betrieblichen Gewerkschaften, alle Organisationen der Leiharbeiter und existierende Organisationen des riesigen informellen Sektors zur Teilnahme aufgerufen und haben sich in grosser Zahl an den Vorbereitungen beteiligt. In der faktischen Nichtteilnahme jener Gewerkschaften, die keiner Föderation angeschlossen sind, derjenigen, die vor allem Leiharbeiter organisieren und der Organisationen des informellen Sektors waren Schwachpunkte des Generalstreiks 2012 gesehen worden, die nun überwunden werden sollen. Siehe dazu:

  • Generalstreik: Unaufhaltbar
    Erste offizielle Stellungnahmen von Gewerkschaftsföderationen zum ersten Streiktag unterstreichen nie dagewesene Beteiligung, zahlreiche Berichte über Protestaktionen, Demonstrationen, Straßen- und Eisenbahnblockaden zeichnen sich vor allem durch zwei Merkmale aus: Zum einen die enorme Breite der TeilnehmerInnen, zum anderen immer wieder Auseinandersetzungen mit der Polizei, die diese Aktionen nicht verhindern kann. Siehe unsere Übersicht
  • Erster Tag des Generalstreiks: Unterschiedliche Stärke, heftige Konfrontation und ein Todesopfer
    Bild zum Generalstreik in Indien von aituc (KP)Liest man die ersten Berichte über den ersten Tag des zweitägigen Generalstreiks (die sicher ebenso oft vorläufig wie von Interessen getrieben sind) und verfolgt Meldungen in welchem Bundesstaat wie intensiv die Beteiligung am Streik ist, so wird einerseits schnell deutlich, dass der Streik neben Banken und Erziehungswesen am stärksten meist in der Privatindustrie ist, während es bei den Transportgewerkschaften durchwachsen ist. Andrerseits lässt sich dies auch, ohne vorschnelle Beurteilungen vorzunehmen, mit der Grundproblematik der indischen Gewerkschaftsbewegung in Verbindung bringen – dass nahezu alle Föderation bis auf die NTUI sehr “parteinah” sind, und wo eben diese jeweilige Partei einen Bundesstaat regiert…Deutlich wird aber auch schon jetzt, dass die Beteiligung des informellen Sektors (Zigarettenverkäufer, Mopedtaxis usw) wesentlich stärker ist, als je zuvor. Und: Die Streikenden sind heftigen Konfrontationen ausgesetzt: In Noida (südlich Delhi) wurde ein Streikposten von einem Bus, der die Ausfahrt aus dem bestreikten Depot erzwingen wollte zu Tode gefahren, in Ambala (Punjab) gab es heftige auseinandersetzungen mit der Polizei. Einen ersten Überblick gibt der Beitrag “Live: Mamata says West Bengal not affected by trade unions’ strike” externer Link vom 20. Februar 2013 bei ibn-live, eine versuchte Tageschronologie eines gutbürgerlichen (cnn-vernetzten) Mediums. Siehe dazu auch: “Labour strike call finds support in Gurgaon automotive cluster, joint call to protest” externer Link Labour strike call finds support in Gurgaon automotive cluster, joint call to protest” von Chanchal Pal Chauhan am 19. Februar 2013 in der Economic Times – ein Stimmungsbericht asu einer der industriellen Kernzonen am Vorabend des Streiks
  • Internationaler Aufruf der NTUI zum 2-tägigen Generalstreik am 20. und 21. Februar 2013 in IndienGeneralstreik in Indien am 20. und 21. Februar 2013
    Der – ins Deutsche übersetzte – Aufruf “Internationaler Aufruf der NTUI zum 2-tägigen Generalstreik am 20. und 21. Februar 2013 in Indien” des unabhängigen Gewerkschaftsbundes NTUI vom Februar 2013. Siehe dazu auch:

    • Make the nationwide general strike on 20, 21 February a success through your own initiatives!externer Link – ein Flugblatt aus Nagpur (der drittgrößten Stadt des Bundestaates Maharashtra nach Mumbai und Pune) von der Zeitung Parivartan ki Disha am 19. Februar 2013 ins englische übersetzt bei radical notes. Auch diese Gruppierung hebt – neben dem zentralen Aspekt des Aufrufs zu eigenen Aktivitäten – die Notwendigkeit der Beteiligung von Leiharbeitern und informell Beschäftigten hervor
  • Solidaritätserklärungen sind ausdrücklich erwünscht!
    New Trade Union Initiative (NTUI)
    B-137, First Floor, Dayanand Colony, Lajpat Nagar IV, New Delhi 110024
    Email: international@ntui.org.in

    • Folgende Solidaritätserklärung sandte die Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken: “Dear Comrades in India, Dear Comrades of NTUI, In the name of the Coordination of the Initiative for a Left Trade-Union Network I want to express our solidarity with the 2-day Generalstrike in your country. We have heard of the appalling attacks on the working-class, their rights and their living- and working-conditions.  Attacks like that are much the same world wide as capitalism is in a deep crisis, which drives all capitalists to step up their competion against each other and make the working people pay. We know, that your struggle will not be  easy, but it is a good step forward – also for the worldwide resistance of the working-class. United we will win!
    • Und diese Solidaritätserklärung schickte das LabourNet Germany: “General Strike Solidarity from LabourNet Germany
      Dear colleagues, friends and comrades, on behalf of LabourNet Germany (Website of left wing union opposition  and social movements in Germany) we express our deep and strong solidarity with everybody who participates in the All India General Strike of February 2013. We congratulate the union federations for their understanding of the struggle as a common one, together with non affiliated unions, with temporary workers unions and organisations and those of the informal sector. We do this, because in the world capitalism today a lot of developments and problems become common also between countries like Germany and India. Temporary and contract work – this means a declaration of war against workers, who nowadays aren’t regarded as human beings by the bourgeosie – but as costs. So, they will have it: The rebellion of the costs! Transnational struggle and solidarity – the way to build the future!