In den USA, Mittelamerika und (ein bisschen) in Mexiko mobilisiert die Rechte gegen die Karawanen aus Mittelamerika

„Migrationskarawane“ von Honduras durch Guatemala nach Mexico und in die USARund 300 Personen haben am Sonntag in der mexikanischen Grenzstadt Tijuana gegen die Ankunft von inzwischen rund 3000 Migranten aus Zentralamerika protestiert. Sie schwenkten mexikanische Flaggen und trugen Transparente mit der Aufschrift «Nein zur Invasion» oder «Zuerst Mexiko» mit sich. Sie erklärten gegenüber Medien, dass die Migranten eine Sicherheitsgefahr darstellten, und riefen sie auf, Tijuana zu verlassen. Auch über das laxe Verhalten der mexikanischen Migrationsbehörden, welche die Menschen durch das Land reisen liessen, beschwerten sie sich. Die Menge marschierte vor die Notunterkunft in der Sportanlage «Benito Juárez», wo die Mehrheit der Mittelamerikaner untergebracht sind. Die Polizei versperrte ihnen den Weg, dabei kam es zu Handgreiflichkeiten. Dem von einer Facebook-Gruppe ausgehenden Protestaufruf folgten weit weniger Teilnehmer, als erwartet worden war…“ – aus dem Bericht „Proteste gegen Migranten in Mexiko“ von Nicole Anliker am 20. November 2018 in der NZZ externer Link, worin auch abermals deutlich gemacht wird, dass diese Karawanen – im Gegensatz zu den Behauptungen der mittelamerikanischen Regierungen – eben nicht das Werk politischer Oppositionsparteien sind, sondern selbstorganisiert… Siehe dazu drei weitere aktuelle und zwei Hintergrundbeiträge, sowie den Hinweis auf den bisher letzten unserer zahlreichen Beiträge zum Thema:

  • „Mit Betonblöcken und Stacheldraht“ am 20. November 2018 bei der taz externer Link ist eine Agenturmeldung über die Repressionsvorbereitungen der US-Behörden: „Aus Furcht vor der illegalen Einwanderung Tausender Migranten aus Mittelamerika haben die US-Behörden ihre Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze zu Mexiko erhöht. Der US-Grenzschutz schloss den Grenzübergang San Ysidro am Montag für einige Stunden und installierte Betonbarrieren und Stacheldrahtrollen. Der Grenzübergang ist der meistfrequentierte der westlichen Hemisphäre. Er liegt zwischen San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien und der mexikanischen Stadt Tijuana. „Grenzschutzbeamte haben Hinweise erhalten, dass sich Migranten in Tijuana zusammentun, um illegal den Grenzübergang zu durchbrechen anstatt sich ordnungsgemäß bei den Beamten vorzustellen“, hieß es in einer Mitteilung der Behörde. „Die Beamten installierten Begrenzungen, die verhindern, dass sich größere Gruppen nähern und den Grenzübergang durchbrechen.“…
  • „Endstation Tijuana“ von Wolf-Dieter Vogel am 19. November 2018 in der taz externer Link berichtet über die an der Grenze angekommenen Karawanenmitglieder: „Nun hängen Pimea, 48, und Fernandez, 25, hier im Sportzentrum Benito Juárez im Herzen von Tijuana fest. Die Anlage dient als Auffanglager für die Karawane von Migrantinnen und Migranten, mit der die beiden in der Grenzmetropole angekommen sind. Pimea und Fernandez blicken auf das unüberwindlich erscheinende Metallgitter und fragen sich, wie es nun weitergehen soll. „Gott wird uns helfen“, ist Fernandez, hellblaues T-Shirt, olivgrüne Hose, überzeugt. Doch die beiden wissen auch, dass der Mann, der auf der anderen Seite regiert, alles unternimmt, damit Menschen wie sie nicht in sein Land kommen. 5.600 Soldaten hat US-Präsident Donald Trump an die Grenze geschickt, um die vor allem aus Honduras stammenden Reisenden aufzuhalten. Und als bräuchte es noch eines weiteren Beweises für die Entschlossenheit seiner Sicherheitskräfte, kreist über dem Metallzaun an der Sportanlage den ganzen Nachmittag über ein blau-weißer US-Hubschrauber. „Wir bitten Gott nur darum, das er uns eine Tür öffnet“, sagt Fernandez. Seit dem 13. Oktober sind er und sein Freund unterwegs. Mit ein paar Hundert weiteren Menschen haben sie sich von der honduranischen Stadt San Pedro Sula aus auf den Weg gemacht, um in den Vereinigten Staaten zu arbeiten. Die Idee war nicht neu: Schon Monate vorher hatten sie überlegt, ihrer Heimat den Rücken zu kehren…“
  • „Mittelamerika auf der Flucht“ von Kathrin Zeiske im November 2018 bei der Rosa Luxemburg Stiftung externer Link ist ein Beitrag, der die Hintergründe der Fluchtbewegung zusammenfasst und die Frage diskutiert, ob es sich bei diesen Karawanen um eine soziale Bewegung gegen Migrationskontrolle handele: „In den letzten Jahren haben sich immer wieder Menschen aus Mittelamerika in Karawanen zusammengetan, um sich auf dem Weg durch Mexiko gegenseitig Schutz zu geben. Die meisten sind von Herbergen an der guatemaltekisch-mexikanischen Grenze losgezogen, den südlichsten Punkten eines Netzwerkes solidarischer, zivilgesellschaftlicher und in ihrer großen Mehrheit kirchennahen Herbergen und Suppenküchen. Diese bieten den Menschen nicht nur einen Ort, an dem sie sich ausruhen und neue Kräfte sammeln können und sicher sind vor Überfällen, Entführungen und Abschiebungen. Sie nehmen ihnen auch ihre Vereinzelung und lassen sich als Teil einer Fluchtbewegung vor unerträglichen Lebensbedingungen begreifen. Ein ermächtigendes Element ist auch die Wissensaneignung um Asyl- und Menschenrechte sowie eine Ansprache auf Augenhöhe und die Wahrnehmung der Geflüchteten als Subjekte ihres Handelns; als Menschen, die ihr Leben selbst in die Hand genommen haben, um ihren Kindern eine bessere Zukunft bieten zu können. In den Herbergen gibt es keine Diskriminierung aufgrund von Religionszugehörigkeit (große Teile der marginalisierten mittelamerikanischen Bevölkerung gehören evangelikalen Sekten an, während viele Herbergsväter katholische Ordensbrüder oder Gemeindepfarrer sind und sich an der Theologie der Befreiung orientieren) oder ehemaliger Bandenzugehörigkeit. Wer die Regeln eines respektvollen Zusammenlebens einhält, ist willkommen. Doch auch die Karawanen selbst werden zu Orten politischer Mobilisierung und Bildung. Entscheidungen über den weiteren Weg werden in Vollversammlungen diskutiert und basisdemokratisch entschieden. Die Infrastruktur wird von logistischen Arbeitsgruppen mit Repräsentanten organisiert. Natürlich kommt es aufgrund der allgemeinen Anspannung und Ungewissheit auch immer wieder zu offenen Konflikten…“