Die tödlichen Wirkungen der Londoner Wohnungsmafia: Die Chronik längst angekündigter Tode

Feuer im Londoner Hochhaus 14.6.2017 - die MiterInnen hatten gewarntEine Initiative hatte Monate zuvor vergeblich vor der Gefahr einer Feuerfalle im 24-stöckigen Gebäude gewarnt. Kritik gibt es an der Außenfassadenverkleidung. Die Hochhäuser in London, die der Leser der Wochenendbeilage der Financial Times mit dem Titel “How to spend it” (etwa: “Wie ich mein Geld am besten ausgebe”) zu sehen bekommt, sind Prestigeobjekte, die ein hypermodernes urbanes Leben von seiner besten Seite versprechen für Besteinkommen. Das Feuerinferno, das heute weltweit für die nächsten bitteren Berichte aus London sorgt, brach in einem Hochhaus aus, “das 1974 in einem Arbeiterviertel des Stadtteils North Kensington errichtet worden war” (Spiegel). 6 Tote, 20 Verletzte in einem kritischen Zustand und 74 Menschen, die im Krankenhaus behandelt werden, lautete am Mittwochnachmittag die Zwischenbilanz. Manche Menschen sollen aus Verzweiflung aus dem Haus gesprungen sein“ – so beginnt der Bericht „Mehrere Tote bei Großbrand in Londoner Hochhaus“ von Thomas Pany am 14. Juni 2017 bei telepolis externer Link – einer der ersten, die veröffentlicht wurden – dessen Opferzahlen inzwischen längst überholt sind. In der Stadt, die nicht nur Welthauptstadt der Videoüberwachung, sondern auch der Mietspekulation ist, weswegen sich auch sofort Stimmen erhoben, die einen Zusammenhang mit dem Brand nicht nur vermuteten. Siehe dazu einen weiteren aktuellen Beitrag – und einen Hintergrundbeitrag, in dem die Geschichte der Aktivitäten von Initiativen der MieterInnen und aus der Umgebung des Wohnsilos nachgezeichnet wird, sowie den Link zu einer Aktionsgruppe:

  • „Kapitalismus tötet“ von André Scheer am 16. Juni 2017 in der jungen welt externer Link, worin es unter anderem heißt: „Hinweise gibt es aber: Über Jahre hatten Anwohner des 1974 errichteten und in den vergangenen drei Jahren sanierten Gebäudes immer wieder gewarnt, dass der Tower im Falle eines Brandes zu einer tödlichen Falle werden könnte. Die Initiative »Grenfell Action Group« schrieb zuletzt im vergangenen November in ihrem Internetblog, dass wohl »nur ein katastrophales Ereignis die Unbeholfenheit und Inkompetenz unseres Vermieters KCTMO offenlegen und ein Ende der gefährlichen Lebensbedingungen sowie der nachlässigen Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften bringen« könne. Das Internetportal Evolve Politics schrieb unter Berufung auf Augenzeugen, dass die gerade erst angebrachte Außenfassade aus Aluminiumverbundplatten »wie Papier gebrannt« habe. »Und was war der Hauptgrund dafür, dieses Material zu benutzen? Man wollte den Anblick des Hochhauses für die Besitzer der in der Nähe liegenden Luxusapartments verschönern.«“.
  • “Smothered by regeneration: the Grenfell Tower fire“ am 14. Juni 2017 bei libcom.org externer Link ist ein Beitrag, der sich ausführlich mit den Protesten der BewohnerInnen und regionalen Initiativen aus North Kensington befasst, vor allem auch in Konfrontation zur beauftragten Hausverwaltungsgesellschaft KCTMO und den Besitzern, den Bezirksbeiräten von Kensington und Chelsea. Beim Nachzeichnen dieser jahrelangen Proteste und Widerstände wird auch leicht einsehbar, wie sehr die These, die von den Initiativen vertreten wird, die „brennbare Außenhaut“ sei jüngst hinzugefügt worden, um nebenan liegenden Luxusvierteln die Aussicht (auf den Plebs) nicht zu vermiesen. Dieses Geld hätte, den Initiativen zufolge, aktuell vor allem für die Reparatur der maroden Aufzugssysteme verwendet werden sollen, was so wenig geschah, wie seit langem geforderte Investitionen in Sicherheit.
  • „GRENFELL TOWER FIRE“ am 14. Juni 2017 bei der Grenfell Action Group externer Link ist der aktuellste Beitrag auf der Webseite der Aktionsgruppe aus dem Tower, worin auch nochmals alle Eingaben und sonstige Dokumente zusammengefasst sind, die in den letzten Jahren entstanden sind – vor allem der Blogbeitrag vom November 2016 (aus Anlass der „neuen Verkleidung“, die jetzt so tödlich wirkte) der bezeichnenderweise den Titel hat „Spiel mit dem Feuer“ und wörtlich gemeint war, leider zu Recht.