Britische Radkuriere bestreiken Deliveroo weiter

Der Streik bei Deliveroo in London im August 2016Die Londoner Radkuriere bei Deliveroo setzen ihren Streik fort, obwohl das Management dazu übergegangen ist, Streikenden schlicht die Verbindung zum Netzwerk zu kappen: Was für „freie Vertragspartner“ wie die Beschäftigten genannt werden, so viel bedeutet, wie Kündigung. Außerdem setzt die Geschäftsleitung Prämien aus – sowohl für Streikbruch, als auch für Denunziation streikender Kollegen. Dennoch hat der Streik in dieser Woche so viel Kraft und Wirkung erzeugt, dass die Regierung betonen musste, dass auch Deliveroo dazu verpflichtet sei, das Gesetz zum Mindestlohn zu befolgen. Siehe dazu drei aktuelle Beiträge und ein BBC Interview mit Streikenden:

  • „Heißer Sommer in London“ von Christian Bunke am 17. August 2016 in der jungen welt externer Link, worin es unter anderem heißt: „Die Firma behauptet, den Fahrern mit der Selbständigkeit etwas Gutes zu tun und »flexible Arbeitsbedingungen« zu gewährleisten. Doch für die Fahrer bedeutet diese »Flexibilität« vor allem, dass möglichst viele Kosten auf ihren Schultern abgeladen werden. Fahr- und Motorräder müssen von den Fahrern, nicht von Deliveroo versichert werden. Die Firma stellt keine Arbeitsgeräte zur Verfügung, die Fahrer müssen ihre eigenen Mobiltelefone verwenden. Außerdem erhalten sie keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keinen bezahlten Urlaub und erst recht keine garantierte Mindeststundenzahl. In den zurückliegenden Jahren ist die Zahl solcher Beschäftigungsverhältnisse in Großbritannien drastisch gestiegen. Laut Angaben der britischen Statistikbehörde ONS waren 102.000 der in den drei Monaten vor dem Mai 2016 126.000 neu geschaffenen Jobs sogenannte selbständige Arbeitsverhältnisse. Insgesamt sind derzeit 15 Prozent aller in Großbritannien arbeitenden Lohnabhängigen als »Selbständige« klassifiziert