8.000 Beschäftigte der Stadt Glasgow im Streik: Frauen fordern „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“

fareunstreik_glasgow_23.10.2018Dass Frauen im Job schlechter bezahlt werden, ist hinlänglich bekannt. Und auch, dass Maßnahmen dagegen die Situation nur sehr langsam verbessern. Im schottischen Glasgow reicht es mehreren tausend Frauen nun: Die für die Stadtverwaltung arbeitenden Heimhilfen, Kantinenmitarbeiterinnen und Putzfrauen streiken ab Dienstag zwei Tage. Der Streit über die Löhne schwelt schon seit Jahren – und ausgelöst wurde er ausgerechnet durch eine Regelung, die schon 2006 die Ungleichbehandlung hätte verringern sollen. Damals wurde ein neues Entlohnungssystem geschaffen, das allerdings Frauen weiterhin benachteiligte. Jobs, die typischerweise von Männern erledigt werden, wurden weit besser entlohnt als solche, in denen vor allem Frauen beschäftigt werden, also vor allem in der Altenbetreuung und Pflege, in Kantinen und in der Reinigung. Männer, die nach der Neuregelung schlechter ausstiegen, erhielten drei Jahre lang Ausgleichszahlungen. Diese Regelung wurde im Vorjahr als diskriminierend aufgehoben. (…) Denn in allen Gesprächen zwischen den Gewerkschaften GMB und Unison und der Stadtverwaltung gab es keinerlei Annäherung: Es gebe von der Stadt keinerlei Vorschläge, so Mary Dawson von Unison. Dabei habe es Treffen und Gespräche am laufenden Band gegeben. Zehn Monate Zeit habe man der Stadt gegeben. Jetzt sei es Zeit, in Aktion zu treten…“ aus dem Bericht „Frauen in Glasgow proben den Aufstand“ am 23. Oktober 2018 beim ORF externer Link, worin auch die Ergebnisse der Urabstimmung in den beiden beteiligten Gewerkschaften berichtet werden (Unison 99% für Streik, GMB 98%) und darauf verwiesen, dass dies der größte Frauenstreik in GB seit Dagenham sei. Damals – 1968 – hatten die Frauen von Ford gestreikt, die „Näherinnen von Dagenham“. Für dasselbe Ziel wie 50 Jahre später… Siehe dazu auch einen ersten Streikbericht und die Dokumentation des Streikaufrufs von Unite Glasgow:

  • „Women workers bring Glasgow to a standstill“ von Conrad Landin am 24. Oktober 2018 im Morning Star externer Link ist ein Bericht über den ersten der beiden Frauen-Streiktage in Glasgow, insbesondere über die Demonstration zum Rathaus, an der sich rund 8.000 Frauen beteiligten, mit der Losung: „Was wollen wir? Gleichen Lohn! Wann? Jetzt!“ Teilnehmerinnen der Demonstration berichteten, dass sie bis zu 4.000 Pfund Sterling weniger im Jahr ausbezahlt bekommen, als Männer, die dieselbe Arbeit machen. Die zahlreichsten Teilnehmerinnen stellten Kindertagesstätten, die Küchenfrauen an den Schulen und die Frauen aus Reinigungsbetrieben. An Schulen und Reinigungsbetrieben gab es auch Streikposten, die erfolgreich wirkten.