Deliveroo-Fahrer in drei europäischen Ländern organisieren erfolgreiche Aktionen und Prozesse gegen das Beschäftigungsmodell des Unternehmens

Streik der Fahrradkuriere zum Neujahrstag 2018 hier in Amsterdam„… “Deliveroo meint, über dem Gesetz zu stehen,” sagt Steven Steyaert von der ABVV-BTB. “Wir wenden uns gegen Rechtsverletzungen und wollen mit Deliveroo verhandeln, damit Kuriere über ihre Verträge selbst entscheiden können und alles haben, was sie für ihre Arbeit brauchen, wie z. B. ein Fahrrad oder ein Mobiltelefon.” Rund um den Globus haben Hunderte von Fahrer*innen protestiert, um ihre Rechte einzufordern. In mehreren Ländern wurden Gerichtsprozesse angestrengt, um zu klären, welche Beschäftigungsbedingungen ihnen zustehen. Die ITF unterstützt weiterhin all ihre Mitgliedsorganisationen, die sich für bessere Bedingungen der Kuriere engagieren und Arbeitgeber zur Übernahme von Verantwortung bewegen wollen. Die ITF-Jugendbeauftragte Baker Khundakji erklärte nach dem Forum: “Junge Beschäftigte sind von prekärer Beschäftigung überproportional betroffen, und wir müssen unseren Fokus auf neue Wirtschaftsbereiche richten, in denen Ausbeutung verbreitet ist. Da das Fahrpersonal bei Lieferdiensten grenzüberschreitend mit ähnlichen Problemen konfrontiert ist, strebt die ITF die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften an, um eine transnationale Antwortstrategie für die Gig-Ökonomie zu koordinieren…“ – aus der Meldung „Deliveroo-Fahrer*innen in Belgien fordern Gerechtigkeit“ am 24. Juni 2019 bei der ITF externer Link, worin auch noch auf die im Mai stattgefundene Konferenz der Internationalen Transportföderation zum Thema Kuriere verwiesen wird. Siehe dazu auch Meldungen über den Kampf der Deliveroo-Kuriere aus Spanien und Großbritannien:

  • „La mayor sentencia colectiva contra Deliveroo considera a 97 ‘riders’ empleados y no autónomos“ von Sergi Pitarch und Lucas Marco am 28. Juni 2019 bei kaosenlared externer Link dokumentiert (ursprünglich in El Diario) ist ein Bericht über einen Prozess in Valencia: Dort hatten, auf Initiative der selbstorganisierten Riders por derechos de Valencia und der Intersindical Valenciana rund 40 der 97 Beschäftigten am Ort Klage geführt gegen den Status der autonomen Vertragspartnerschaft – die, wie überall auf der Welt, dem Unternehmen die Zahlung von Sozialabgaben ersparen, die wie auch die Ausrüstung auf Kosten der Fahrer gehen sollen. Die Klage hatte sich direkt gegen die Nichtbezahlung der Sozialabgaben gerichtet – und ihr wurde volles Recht gesprochen, das Gericht urteilte, das Unternehmen müsse alle 97 Betroffenen mit normalen Arbeitsverträgen anstellen – wogegen Deliveroo allerdings noch Revision beantragen kann (und alle gehen davon aus, dass dies auch geschieht), dennoch so die Sprecher der beiden beteiligten Gruppierungen, sei dieses Urteil ein weiterer bedeutender Erfolg im Kampf gegen das besondere Ausbeutungsmodell Deliveroo: Zumal das Gerichtsurteil der „bisher größte Fall“ einer erfolgreichen Klage gewesen sei.
  • „IWW Deliveroo riders strike and blockade in London“ bereits am 26. Mai 2019 bei libcom.org externer Link ist ein Streikbericht über eine spontane Aktion nach aktuelle aufgetretenen Problemen, wobei die dabei vertretenen Forderungen sich sowohl auf bessere Bezahlung für die Arbeit beziehen, als auch für mehr Sicherheit, denn die Fahrer und Fahrerinnen erleben zunehmend öfter gefährliche Situationen vor allem im Verkehr, wofür sie die Organisation der Arbeit durch das Unternehmen verantwortlich machen, die sie entsprechend geändert haben wollen.