Der erste Streik- und Protesttag gegen Loi Travail 2 in Frankreich: Polizeiangriff (nicht nur) in Lyon, und viele Gewerkschaften trotzen ihren Vorständen

Aktualisierte Streikkarte der Protestmobilisierung für den Aktionstag am 12. September 2017 in Frankreich gegen Macrons "Loi travail 2"Die Bilanz des ersten Aktionstages gegen Macrons Gesetz am 12. September, wie sie der Gewerkschaftsbund CGT zieht, ist in Zahlen zusammengefasst so: 200 Orte, an denen Aktionen statt fanden, insgesamt etwa 500.000 Menschen, die sich daran beteiligten. In der Pressemitteilung „Un véritable succès pour une mobilisation exigeante et appelant des suites !“ am 12. September 2017 externer Link auf ihrer Webseite unterstreicht die Föderation, dass solche großen Zahlen nur möglich waren aufgrund der zahlreichen Streiks, die im öffentlichen Dienst, wie in der Privatwirtschaft stattgefunden hätten. Bereits in einer vorherigen Stellungnahme hatte P. Martinez, Generalsekretär der CGT unterstrichen, es gebe mehr als 4.000 betriebliche Streikbeschlüsse für diesen Tag. Hervorgehoben wird auch die Teilnahme von Rentnern und Jugendlichen – sowie die Absicht, weiterhin noch stärker an der Mobilisierung zu arbeiten, zunächst am 21. September, vor der parlamentarischen (Schnell) Behandlung der Verordnungen. Siehe dazu weitere aktuelle Beiträge, darunter Kurzberichte aus den drei größten Städten Frankreichs und Informationen über aktive Gewerkschaften trotz ihrer Vorstände:

  • „La base de la CFDT a du mal à suivre son Berger“ von Alexia Eychenne am 11. September 2017 in der Libération externer Link ist ein Beitrag über jene – keineswegs geringen – Teile des Gewerkschaftsbundes CFDT, die sich, entgegen des Beschlusses ihres Vorstandes, an Streiks und Demonstrationen des 12. September beteiligen. Dabei werden insbesondere Autoindustrie, Gesundheitswesen , Textilindustrie und Großhandel sowie höhere Bildungseinrichtungen als „Hochburgen des Protestes“ genannt. Dabei werden in dem Beitrag verschiedene regionale Funktionäre von Einzelgewerkschaften der CFDT mit entsprechenden Aussagen zitiert, warum sie zur Aktion aufrufen. Die ganze Bewegung innerhalb der CFDT ist zwar durchaus davon gekennzeichnet, dass viele eben gerade nicht Aufrufen der CGT folgen wollen, aber dennoch Widerstand leisten – und diese Position ist immerhin so stark, dass die CFDT für ihre Feier am 3. Oktober bereits die Tagesordnung verändert habe: Debatten über das neue Arbeitsgesetz finden nun plötzlich doch statt.

Siehe auch: Ringen um die Arbeitsrechts-„Reform“ unter Macron – Teil 6: Demonstrationsbericht zu Paris, Angaben zu weiteren Städten und Versuch einer generellen Einschätzung.  Artikel und Fotos von Bernard Schmid vom 13.9.2017