Nach Deutschland nun Frankreich: Streik bei Amazon

Artikel von Bernard Schmid vom 22.12.2014Frankreich: Streik bei Amazon

Was in Deutschland ging, ist auch in Frankreich möglich: Ab dem heutigen Montag, den 22. Dezember wird an drei „Standorten“ des in den USA (Hauptsitz) ansässigen Warenversands Amazon zum dreitägigen Streik aufgerufen. Es handelt sich um die Lager von Lauwin-Planque im Département Nord (Umland von Lille), Saran im Département Loiret (Umland von Orléans) und Sevrey im Département Saône-et-Loire (Ostfrankreich, Umland von Macôn).

Den Aufruf zum Streik lancierte die CGT als stärkste Gewerkschaft im Unternehmen, die rund 40 Prozent der dort beschäftigten Lohnabhängigen vertritt. Ihre Forderungen betreffen insbesondere eine Verbesserung der Löhne – in Gestalt eines „Teamzuschlags“ von 100 Euro brutto pro Monat pro Lohnabhängige/n – und Verhandlungen über die Pausenzeiten zwecks eines effektiveren Gesundheitsschutzes. Die CGT (ihr Flugblatt findet sich unter dem ersten, unten wiedergegebenen Link) fordert ferner auch einen Mindestlohn/Grundlohn von 1.700 Euro brutto für die unteren Lohngruppen und die Festanstellung aller bislang prekär beschäftigten Arbeitskräfte, sowie die Erhöhung des monatlichen (gesetzlich vorgeschriebenen) Beitrag des Arbeitgebers zu Transportkosten auf 25 Euro.

Das Kapitel jammert natürlich, dass es nicht der richtige Moment für einen Streik sei, weil Weihnachtsgeschäft – aber aus seiner Sicht ist es natürlich „nie“ der Moment -, wo doch das Unternehmen soeben gerade der Öffentlichkeit in den USA eine Lieferzeit von künftig nur noch einer Stunde ab Bestellung (vgl. http://www.lefigaro.fr/flash-eco/2014/12/18/97002-20141218FILWWW00293-amazon-livre-en-une-heure-maintenant.php externer Link) versprochen hatte. Und die konservative Tageszeitung,Le Figaro’ stimmt entsprechend in Chor ein, indem sie „verdorbene Festtage“ androht, (vgl. http://www.lefigaro.fr/social/2014/12/20/09010-20141220ARTFIG00064-ces-greves-qui-risquent-de-gacher-les-fetes.php externer Link) – Aber um sich nicht geschlagen zu zeigen, kündigt Amazon nun an, der Streik werde ohne Folgen für die Auslieferungen bleiben. Mal sehen…

Wir werden unsere Leser/innen natürlich in naher Zukunft über die Auswirkungen unterrichtet halten. Ebenso wie über jene des ebenfalls heute beginnenden, einwöchigen Streiks der Krankenhausärzte/-ärztinnen und des Personals in den Notaufnahmen, gegen unerträgliche Arbeitsbedingungen sowie gegen die neue Gesetzesvorlage zum Gesundheitswesen von „Sozial“ministerin Marysole Touraine. [Nachtrag: Der Aufruf zum Streik in den Notaufnahmen der Krankenhäuser ist ABGEBLASEN, weil das Gesundheitsministerium den Forderungen des Personals in den Verhandlungen weit entgegen kam.]

Vgl.: