| Viele Kampfaktionen. Mildern Krisenauswirkungen
Ob die Beschäftigten lokaler Steuer- und anderer Behörden oder Fahrer aus ganz unterschiedlichen Bereichen: Die Reihe meist erfolgreicher Widerstandsaktionen und Kämpfe in Ägypten geht trotz Krise ungebrochen weiter. Der Zusammenhang solcher Aktionen mit der weltweiten kapitalistischen Krise wird in der Dokumentation "Impacts of the Global Financial Crisis on Egyptian Workers" des autonomen gewerkschaftlichen Zentrums CTWUS vom Mai 2009 deutlich, das im August auf englisch erschien.
"Stell Dir vor, der Kanal ist da, und keiner will durch..."
22 Prozent weniger Verkehrsaufkommen als im Januar des Vorjahres wurden im ersten Monat 2009 auf dem Suezkanal registriert. Und die Gebühren für die Kanalbenutzung sind ein beträchtlicher Anteil der Einnahmen des ägyptischen Staates. Jetzt wird Sorge über Einnahmeverluste ebenso geäußert wie Mutmaßungen über Einsparungen nicht nur bei der Kanalbehörde angestellt, so etwa in dem Beitrag "Egyptian Economists Worry About Falling Suez Canal Revenues" von Edward Yeranian bei "Voice of America" vom 23. Februar 2009.
Prozeßfarce endet mit Terrorurteil
Was der Herr Ali nebenan kann, kann der sehr ehrenwerte Herr Mubarak auch: In seinem Prozeß (nicht gegen ihn, sondern von seinen Richtern) gegen die Mahalla 49 gab es ganz ähnliche Urteile, wie wenige Tage zuvor in Tunesien. 22 der 49 Angeklagten wegen der Aprilproteste wurden zu Gefängnisstrafen zwischen 3 und 5 Jahren verurteilt. Eine aktuelle Übersicht zur Prozeßfarce "Mahalla 49 verdict" von Hossam el-Hamalawy bei delicious.com täglich fortgeführt, aktuell bis zum 18. Dezember 2008.
Ein Jahr nach dem Streik der kommunalen Finanzangestellten...
...erweist sich die erfolgreiche Streikbewegung vom Dezember 2007 als ein regelrechtes Laboratorium für die immer stärkere Bewegung für unabhängige Gewerkschaften, schreibt in "The Fight for Trade Union Independence in Egypt" Ahmad Shokr im MR Zine (gespiegelt bei der progressive list) am 4. Dezember 2008.
Vorstoß für ein neues Gewerkschaftsgesetz
Daß die Gewerkschaftsgesetze in Ägypten neutral gesprochen sehr seltsam sind ist spätestens seit der diesjährigen Tagung der internationalen Arbeitsagentur ILO sozusagen offiziell bestätigt. Im Angesicht ungebremster Aktivitäten der ArbeiterInnenbewegung erweisen sich die staatstragenden Gewerkschaften als immer mehr verrottet. Die gewerkschaftsoppositionelle CWTUS hat sich nun mit einem eigenen Vorschlag, der "Declaration of principles" von Anfang November 2008 in die real existierende gesellschaftliche Debatte eingebracht. In dem Papier wird kurz die Entwicklung der Gewerkschaftsgesetzgebung seit dem Gesetz Nummer 35 von 1976 skizziert ( das solch tolle Bestimmungen enthält wie, Aufgabe der Gewerkschaften sei es, die Produktivität der Arbeiter zu erhöhen... - bekannt?) und eine Reihe grundlegender Forderungen aufgestellt, deren Verwirklichung nicht nur die Gewerkschaftsbewegung sondern jede demokratische Bewegung im Lande anginge.
"Es war die Arbeiterbewegung der letzten 20 Monate, die den Stein in das ewig stehende Wasser warf"
Die Jahrestagung der Internationalen Arbeitsorganisation ILO im Juni 2008 war eine politische Katastrophe für das Regime des Herrn Mubarak: eben gerade noch konnten sie eine offizielle Verurteilung wegen Verstoßes gegen Grundprinzipien der Vereinigungsfreiheit verhindern. Das zu der Zeit kurz vor der Verabschiedung stehende neue Arbeitsgesetz wurde sofort in die Aktenvernichter gespeist. Zahlreiche Ergänzungen und Novellierungen machen seitdem die Runde und natürlich muß sich auch die Staatsgewerkschaft bewegen. In einigen der nunmehr diskutierten Passagen sieht das gewerkschaftsoppositionelle CTUWS Fortschritte, ohne daß der Kern der Sache - die Gewerkschaftsfreiheit - erreicht würde. In seiner ersten Stellungnahme "It is high time to claim the right of association" vom 14. September 2008 begründet das CTUWS diese Position.
Zeugen gelten nichts vor Mubaraks Sondergerichten
Bei der Fortsetzung des Prozeßes gegen die Mahalla 49 wurde die Willkür des Sondergerichtes mehr als deutlich: Keine einzige Zeugenaussage beeinflusste den Gang der Dinge - auch nicht, wenn beispielsweise Unternehmer aussagten, ihre Angestellten seien nicht bei den April-Aktionen beteiligt gewesen, da sie zu jener Zeit auf der Arbeit gewesen seien... So wird in dem Kurzbericht "Entlastende Aussagen ignoriert" vom 8. September 2008 beim Soliblog Solidarität mit den Mahalla 49 berichtet, eine deutsche Zusammenfassung eines Berichts in den "Daily News Egypt" (inklusive Link zum Originalartikel).
Prozeßfarce gegen die Mahalla 49 wird fortgesetzt
Der erste Prozeßtag - am 11. August - gegen die Mahalla 49, also Aktivisten der Aprilbewegung, die sich massiv gegen die Regierung wandte, vor Herrn Mubaraks Sondergericht in Tana (Sondergericht bedeutet zum Beispiel: keine weitere Instanz, das Urteil muß anschliessend vom "Präsidenten" unterschrieben werden) machte schon deutlich, um was für eine Farce es sich bei der Arbeit der ägyptischen Justiz handelt. Sämtliche Aussagen der Angeklagten über Mißhandlungen auf den Polizeistationen wurden schlichtweg nicht beachtet. Die aktuelle Materialsammlung "Mahalla-Prozeßfarce" vom 14. August 2008.
Solidarität mit den Mahalla 49
"Ägyptische Blogger werben um internationale Unterstützung für 49 Demonstranten, die vor einem Notstands-Staatssicherheitsgericht angeklagt sind. Am 9. August wird gegen 48 Männer und eine Frau ein Schauprozess vor einem ägyptischen Notstands-Staatssicherheitsgericht eröffnet. Die Menschen werden angeklagt, im April an einem zweitägigen Aufstand in Ghazl El-Mahalla im Nildelta beteiligt gewesen zu sein. Ägyptische Blogger rufen Gewerkschaften und Menschenrechtsgruppen zur Solidarität auf, um das Mubarak-Regime unter Druck zu setzen. Die Ägypter wurden verhaftet, nachdem Sicherheitskräfte des Mubarak-Regimes am 6. April einen Streik bei „Misr Spinning and Weaving“ – mit 27.000 Arbeitern die größte Textilfabrik im Nahen Osten – aufgelöst hatten. Die Textilarbeiter hatten angesichts der rasant angestiegenen Lebensmittelpreise eine Erhöhung des Mindestlohns verlangt, der seit 1984 stagniert. Nachdem die versprochene Steigerung ausblieb, organisierte der „Textilarbeiterbund“ den Streik. Diese unabhängige Gewerkschaft wurde im letzten Jahr nach einer Reihe erfolgreicher Fabrikbesetzungen in der ägyptischen Textilindustrie gegründet..." so beginnt der Bericht und Solidaritätsaufruf "Solidarität gegen Schauprozess in Ägypten" im Soliblog Mahalla 49 vom 6. August 2008: Aktiv werden! Dazu auch: Die Unterschriftenliste zur Solidaritätsbekundung "Stoppt den Schauprozess gegen ägyptische Demonstranten" samt Mailadresse für weitere UnterzeichnerInnen.
Facebook-Revolution in Ägypten?
„Aktivisten rufen in Facebook erneut zu Generalstreik auf, die ägyptische Regierung versucht, mit einer Lohnerhöhung von 30 Prozent dem Protest den Wind aus den Segeln zu nehmen. Schon am 6. April wurde unter anderem auf Facebook zum 6. April zu einem Streik in Ägypten aufgerufen, um damit gegen Korruption, für höhere Löhne und die Kontrolle der Preise vor allem für Nahrungsmittel einzutreten. Dem Aufruf, schwarze Fahnen an die Balkone zu hängen und schwarze Abteichen zu tragen, folgten landesweit nur wenige, allerdings kam es in Al Mahla Al Kubra zu Unruhen, bei denen Menschen getötet und über hundert Protestierende von der Polizei verletzt wurden. Anschließend nahm die Polizei zahlreiche Blogger und Aktivisten fest, die sie für die Unruhen verantwortlich machte. Die Regierung steht unter Druck…“ Artikel von Florian Rötzer auf telepolis vom 02.05.2008 
Streik gegen Mubarak
Mit Massendemonstrationen, Streiks und Betriebsbesetzungen wehren sich die Menschen in Ägypten gegen steigende Nahrungsmittelpreise und gegen die Unterdrückung durch das Mubarak-Regime. Ein Bericht von Yaak Pabst mit Fotos und Videos bei marx21 vom 15.04.2008 
Brotpreis, Streiks und Staatsgewalt: Ein Regime zittert - und schlägt um sich...
Die ungebrochene Streikwelle in Verbindung mit zahlreichen Protesten wegen des Brotpreises: Eine Gemengelage, die schon manches autoritäre Regime ins Wanken brachte bedroht auch den ehrenwerten Herrn Mubarak. Bargeld für all jene, die nicht streiken und uniformierte Terroristen für jene, die es doch tun, die Taktiken sind so alt wie das Regime. Nur eben nicht so besonders erfolgreich, das kommt in unserer aktuellen Materialsammlung "4.Mai" vom 11. April 2008 zutage.
Eskalation: Tote werden gemeldet, viele Verletzte, Massenverhaftungen
Die angekündigten Proteste gegen die explodierenden Preiserhöhungen bei Lebensmitteln und gegen die allgemein rasant anwachsende Inflation, sind nach aktuellen Meldungen völlig eskaliert. Unterschiedliche Quellen sprechen von 2-7 Toten, hunderten von Verletzten und Massenverhaftungen von 500 bis 700 Demonstranten. Die Lage ist zur Zeit sehr unübersichtlich. Wir haben dazu einen aktuellen Bericht von Natalie, die gestern um 7:00 Uhr Ortzeit mit dem Zug nach Mahalla gefahren ist. Ihr Bericht endet mit der Bemerkung, dass sie um 18:30 eine SMS erhält mit dem Inhalt, dass Tränengas und Gummigeschosse auf Demonstranten abgefeuert werden. Siehe dazu
Warum sich niemand um die Drohungen der Regierung kümmert...
Bei jedem neuen Streik der inzwischen schon über ein Jahr andauernden Welle wird der Ton der Regierung hysterischer - stets mit Verweis auf angebliche Illegalität. Es ist die reale Entwicklung im Lande selbst, die die Menschen dazu führt, sich nicht um diese Drohungen zu kümmern. "In der vergangenen Woche wurden laut Medienberichte bei Zusammenstössen in einem Armenviertel von Kairo zwei wartende Kunden getötet. 100 Gramm subventioniertes Brot kosten in Ägypten in der Regel fünf Piaster (gut einen Rappen). Ohne staatliche Unterstützung liegt der Preis bei mindestens dem Zehnfachen" - über die Teuerung beim Brot und die Notmaßnahmen der Regierung berichtet der ap-Artikel "Mubarak schaltet sich in Brot-Krise in Ägypten ein" vom 16. März 2008 in der "NZZ Online". Die Rolle der Frauen in der Streikbewegung
Über die ägyptische Streikbewegung ist seit über einem Jahr viel berichtet worden - selbst in die Kommerzmedien haben es diverse Kämpfe gebracht, aber das war es denn auch. Nun konnten beispielsweise jene Berichte, die mit Fotos versehen waren, nicht darüber hinwegsehen, dass viele Arbeiterinnen sich beteiligten, mit und ohne Kopftücher. Aber jetzt gibt es erstmals einen Versuch, die Rolle der Frauen in dieser Streikbewegung zu untersuchen, in dem (englischen) Beitrag "Women were braver than a hundred men" von Anne Alexander und Farah Koubaissy, in der Ausgab Januar 2008 der britischen Socialist Review.
Der Kampf zur Verteidigung der Landreform als Lebensaufgabe
Shahinda Maqlad ist 70 Jahre alt und hat gerade ihre Autobiographie in mehreren Medien dskutiert: ein Verteidigerin jener Landreform aus Nassers Zeiten, die von den Regierungen Sadat und Mubarak nach und nach ausgehöhlt wurde und - wenn es nach den Wünschen der Reichen des Landes geht - bald endgültig ad acta gelegt werden soll. War sie 1958 als einzige Frau ihrer Region zum Kongreß der Landunion delegiert worden und wurde dort zu einer landesweiten Berühmtheit durch ihre Rede, in der sie die Obstruktionskampagne reicher Landbesitzer und lokaler Behörden gegen die Landreform zum Thema machte, so wurde sie im Zuge von Sadats "Korrekturkampagne" 1971 aus ihrem Geburtsbezirk verbannt. Breiteste Solidarität brachte die Verbannung einige Jahre später zu Fall. In Zeiten der Regierung Mubarak gehen solcherart Angriffe anders: Zivilklagen einer Familie von Landlords (die in enger Verbindung mit der Regierungspartei stehen) sollen sie an weiterer Aktivität hindern,was bisher nicht gelang - aber weiterhin versucht wird. Der (französische) Bericht "Portrait d'une militante paysanne égyptienne" von Beshir Sakr vom 3. Oktober 2007 im Alafouk-Net.
1 Jahr Gefängnis für Gewerkschaftsoppositionellen?
Das Urteil eines Kairoer Bezirksgericht kam überraschend: in einem Verleumdungsverfahren das seit Mai diesen Jahres immer wieder verschoben worden war, wurde Kamal Abbas, Generalkoordinator der gewerkschaftsoppositionellen Initiative CTUWS zusammen mit seinem Rechtsanwalt Mohamed Helmy zu je einem Jahr Gefängnis verurteilt. Kläger gegen sie war Mohamed Ibrahim, Parlamentskandidat der Regierungspartei NDP und Vorsitzender des Jugendzentrums 15. Mai, dessen Vorstand auch Anwalt Helmy angehört. Die beiden hatten in einem Beitrag für das Magazin der CTUWS Korruptionsvorwürde gegen Ibrahim aufgenommen und verbreitet - Vorwürfe, deren Grundlage die Ergebnisse einer offiziellen Untersuchungskomission waren, die ihrerseits empfohlen hatte, Ibrahim von seiner Funktion abzusetzen. Sowohl die demokratische Presse in Ägypten, als auch der Internationale Gewerkschaftsbund ITUC in Schreiben an die Regierung bringen dieses überraschende Urteil in Zusammenhang mit der Entwicklung in zahlreichen Betrieben Ägyptens, bei denen die Arbeit der CTUWS eine wichtige Rolle gespielt hatte, wenn es darum ging, ohne und gegen den bürokratischen Gewerkschaftsapparat des ETUF zu mobilisieren - und mit der offenkundigen Schwäche der Regierung, die in einer ganzen Reihe von Streiks in staatlichen Betrieben große Zugeständnisse machen mußte. Die (englische) Pressemitteilung "One Year Imprisonment for Kamal Abbas" des CTUWS vom 30. September 2007.
Eine neue Strömung
in der Arbeiterbewegung...
Die Streikwelle, die Ägypten seit Ende 2006 prägt,
geht weiter - erst in diesen Tagen beendeten die Belegschaften zweier
Düngemittelfabriken ihre Streikaktionen einigermassen erfolgreich.
Wenn eine solche Bewegung ein Land monatelang prägt, kann es
kaum wundern, wenn sich dabei auch politische Strömungen neu
formieren oder neu entstehen. Das Manifest der Arbeiter des 7. Dezember
- "Workers
for Change" (mit dieser Namensgebung reihen sie sich in
die Seiten der allgemein-gesellschaftlichen "Veränderungsbewegung"
ein) wurde im Juni 2007 publiziert und hat bereits eine Reihe positiver
Antworten aus anderen Belegschaften erhalten - im August 2007 wurde
diese englisch übersetzte Fassung verbreitet.
Sarando-Prozess wegen Landbesetzung: Solidarität
gefragt
Der Prozess gegen die Bauern von Sarando und ihren
Anwalt wird in diesen Tagen in der neuen Instanz - dem Hohen Sicherheitsgerichtshof
- fortgesetzt. Sie hatten sich 2005 gegen die Zwangsräumung
gewehrt, und in den Auseinandersetzungen kam auch einer der anspruchstellenden
Landeigentümer zu Tode. Weswegen sie jetzt neben illegaler
Zusammenrottung auch des Totschlags angeklagt sind. Der (französische)
Solidaritätsaufruf "Procès
des paysans de Sarando" vom 18. Januar 2007.
Es herrscht Ruhe an der "Flüchtlingsfront"
Eines der grössten Massaker im Nahen Osten fand
zur Jahreswende 2005 in Kairo statt, als die ägyptischen Ordnungskräfte
das Feuer auf ein Protestcamp sudanesischer Flüchtlinge eröffneten
- unter Beifall eines guten Teils der "Öffentlichkeit"
starben rund 100 Menschen. Organisierter Widerstand und Protest
regte sich nur relativ langsam. Das Protestcamp bestand drei Monate
von September bis Ende Dezember - und das Flüchtlingswerk der
UNO (UNHCR) übte ständigen Druck auf die ägyptische
Regierung aus, es aufzulösen. Die offen reaktionäre Haltung
des UNHCR wird auch in der Vereinbarung deutlich, die es am 17.
Dezember 2005 mit einer Delegation des Camps abschloss - keine der
wesentlichen Forderungen (etwa Arbeitserlaubnisse zu vereinfachen)
der Flüchtlinge wurde darin erfüllt, weswegen die "Lagerkonferenz"
es auch ablehnte. Abgerundet wird das ganze durch beständige
Klagen sudanesischer Flüchtlinge über die rassistische
Grundhaltung der Beschäftigten der privaten Sicherheitsdienste,
mit denen das UNHCR die Flüchtlinge kontrolliert. Mitte 2006
hat sich die Lage der Millionen Sudanesen in Ägypten keineswegs
gebessert - eher im Gegenteil, da viele von ihnen (oft aus Angst
vor weiteren "Unruhen") in ihrer (oft inoffiziellen) Beschäftigung
gekündigt wurden, aber keine weiteren Proteste wurden organisiert
- die Unzufriedenheit macht sich in wachsender Gewaltausübung
innerhalb der Flüchtlingscommunities Luft. Das "Forced
Migration" Programm der Amerikanischen Universität von
Kairo hat im Juni 2006 eine Studie zu den Vorfällen und ihren
Hintergründen publiziert. Dem institutionellen Charakter gemäss,
wird die "Schuld" schön gleichmässig aufgeteilt:
So hätten laut den Autoren der Studie auch die Camporganisatoren
eine Verantwortung, weil sie ja nach der brutalen Auflösung
einer Flüchtlingsdemonstration im Jahr 2004 hätten wissen
müssen, dass es gefährlich sei...Dennoch ist die umfangreiche
(englische) Studie "A
TRAGEDY OF FAILURES AND FALSE EXPECTATIONS"
bei der "American University" lesenswert, weil informativ.
Via Campesina Solidarität gegen Bauernvertreibungen
Via Campesina - der internationale Zusammenschluss
der Organisationen von Kleinbauern und Landlosen - hat in einer
Pressemitteilung seine Solidarität mit den ägyptischen
Bauern die von Vertreibung bedroht sind erklärt und zu weiterer
Solidarität aufgerufen. Beim jüngsten Polizeiüberfall
im Nildelta wurden nicht nur ganze Familien, sondern auch anwesende
Journalisten verprügelt und festgenommen. Die (französische)
Erklärung von VC "Lettre
de Solidarité de Via Campesina avec les paysans d’Egypte"
vom 25. Mai 2006.
Der Kampf ums Land
Seit 1997 wird in Ägypten schrittweise die Landreform
der 60er Jahre rückgängig gemacht. Längst kann beispielsweise
wieder unbegrenzt Pacht erhoben werden. Und in den letzten Jahren
werden es immer mehr ehemalige Grossgrundbesitzer, die "ihr"
Land wiederhaben wollen. Was oft genug vor Ort in einer Koalition
mit Poliziekräften gegen die "Neufarmer" durchgesetzt
wird, denen die Behörden immer öfter die Dokumentation
faktisch verweigern. Am 18. Juni 2006 wird es zu einem Prozess gegen
die Farmer von Sarando kommen, die Anfang 2005 der Polizei und ihren
Bulldozern erfolgreich Widerstand geleistet haben. Der aktuelle
Solidaritätsaufruf (aus Anlass des Athener Sozialforums) "Urgent
action to stop expulsion of Egyptian Farmers" des Egyptian
Popular Committee with Land Reform Peasants von Anfang Mai 2006.
Solidarität mit verfolgten sudanesischen
Flüchtlingen - Bestrafung der Mörder
Das Massaker an sudanesischen Flüchtlingen am
30. Dezember in Kairo hat, nach einer ersten "Schockreaktion"
jetzt zahlreiche Protestreaktionen hervorgerufen - während
die Regierung Anfang Januar die Abschiebung von 650 SudanesInnen
bekannt gab. Einem Aufruf des "Nationalen Rats der Menschenrechte"
Ägyptens folgend haben mehr als 20 Organisationen (gewerkschaftliche
Gruppierungen sind darunter nicht zu finden, vielleicht, weil es
sich ja "nur" um ausländische Lastenträger,
Strassenhändler und Putzfrauen handelt) eine Kampagne zu organisieren
begonnen. "Jugez
les criminels!" (Bestraft die Täter), der (französische,
mit kurzer deutscher Zusammenfassung) Aufruf vom 13. Januar 2006
Mubaraks Schlächter finden rassistischen
Beifall
Tausende Flüchtlinge aus dem Sudan organisierten
ein wochenlanges Protestcamp vor dem Gebäude der UN Flüchtlingsorganisation
in Kairo. Die Menschen protestierten gegen ihre generelle Behandlung
und den permanenten Rassismus, dem sie ausgesetzt sind, sowie die
Bedingungen ihrer verbreiteten ("illegalen") Beschäftigung
als Lastenträger oder Putzfrau. Sie fordern, in ein anderes
Land gebracht zu werden. Dem muss, so beschliesst Mubaraks Camarilla,
mit aller Härte begegnet werden. Und was Spanien, Italien oder
die USA an westlich-demokratischer Brutalität gegenüber
MigrantInnen aufzubieten haben, das hat das Mubarak-Regime auch:
"Feuer frei" - und es sterben Männer, Frauen und
Kinder. Verhältnisse wie in Deutschland? - Umstehende AnwohnerInnen
klatschen den uniformierten Schlächtern (die ja nur ihre Pflicht
getan haben, werden sie später sagen) Beifall und feuern sie
an. Die Materialsammlung "Unsere
Schande" (nach dem Titel aus dem Weblog einer ägyptischen
Journalistin) vom 11. Januar 2006.
Festnahmen auf der Kairoer Buchmesse
Am 28.Januar 2005 nahm die ägyptische Polizei
drei Menschen während der Kairoer Buchmesse fest - unter der
"Anklage" sie seien im Besitz von Flugblättern, die
zum "Haß gegen die Regierung" aufriefen. Dieser
"Haß" bestand darin, dass in den Flugblättern
zu einer Demonstration am 4.Februar gegen die Farce der kommenden
Präsidentschaftswahl aufgerufen wurde, bei der sich Mubarak
zum fünften Mal wiederwählen lassen will. Einer der Verhafteten
ist in den Hungerstreik getreten. Die Festgenommenen gehören
dem "Center for Socialist Studies" an. Ihre jüngste
Buchveröffentlichung "Socialists Route to Change: A Militant
Vision for Egypt" wurde beschlagnahmt. Eine kurze Dokumentation
samt Aufruf zur Solidarität vom 10.Februar 2005
"The full story of the Aura-Egypt workers"
Ein (englischer) Bericht in der Juni Ausgabe 2004 der Zeitschrift des unabhängigen Center for Trade Union and Workers Services über die Lage und das Leben der Arbeiter in der Asbest-Fabrik "Aura", in dem vor allem die Betroffenen selbst zu Wort kommen
"Is the working class moving forward?"
Ein Beitrag von Fatemah Farag in der (englischen) Wochenausgabe der Zeitung "Al Ahram" vom 6.Mai 2004 mit vielen Informationen über die Lage der arbeitenden und erwerbslosen Menschen in Ägypten.
Mindestens 13 Antikriegsdemonstranten in Kairo festgenommen und misshandelt
Ein kurzer Bericht des "Center for socialist studies" samt der mail-adresse des ägyptischen Präsidenten zum Protest von 2003
Die Wirklichkeit der ägyptischen Arbeiterklasse / Reality of the Egyptian Proletariat
Lesenswerte und informative (englische) Zusammenfassung von Sameh Saeed Abbood der Geschichte und Entwicklung der Arbeiterbewegung im grössten arabischen Land von einem anarchistischen Standpunkt aus. |