Deutsche Unternehmen fürchten die Verhältnisse in China: Vor allem die steigenden Löhne. Und die Ursachen dieses Anstiegs

Bild zur Arbeitswelten Broschüre Ränkeschmiede 24Doch der Preis für diese Maßnahmen ist hoch. Denn in China sind die Gehälter von 2012 bis 2017 durchschnittlich um 9,8 Prozent pro Jahr gestiegen. Erhöhen die Arbeitgeber den Lohn jedoch nicht, laufen sie Gefahr, ihre Angestellten schnell zu verlieren. Laut einer LinkedIn-Studie wechselten chinesische Arbeitnehmer 2017 im Durchschnitt alle 22 Monate ihren Arbeitsplatz. Besonders die Millennials, so besagt es ein Bericht der staatlichen Zeitung „China Youth Daily“, halten es nicht lange in einem Betrieb aus: Sie betreiben „Jobhopping“ – da erfolgt der Jobwechsel schon meist nach eineinhalb Jahren. Chen, der direkt nach seinem Studium 2011 bei Hansgrohe eingestiegen ist, gilt als eine Ausnahme. Dabei macht es Sinn, sich immer wieder umzuschauen. „Wer treu bleibt, bekommt vielleicht eine Lohnerhöhung von zehn Prozent pro Jahr, in den letzten Jahren eher weniger mit sechs bis sieben Prozent. Wer wechselt, kommt auf rund 25 Prozent“, erzählt Miriam Wickertsheim, die seit mehr als zwölf Jahren in China lebt und nun als Managerin bei der Personalberatungsfirma Direct HR Group in Schanghai arbeitet. Unzufriedenheit mit dem Arbeitgeber sei aber meist nicht die Hauptursache, erklärt sie…“ – aus dem Artikel „Von wegen billig – die Löhne in China steigen rasant“ von Sha Hua am 12. August 2018 im Handelsblatt externer Link, worin es zu den Ängsten bundesdeutscher Unternehmen auch noch heißt: „So ist es auch nicht verwunderlich, dass laut Umfrage der Deutschen Handelskammer zum Geschäftsklima in China 78,1 Prozent der befragten Unternehmen angaben, steigende Lohnkosten seien ein Problem für sie. Schließlich macht der Personalaufwand durchschnittlich ungefähr ein Drittel der Ausgaben deutscher Firmen in China aus…“ Siehe dazu auch zwei Beiträge zu den hier nicht näher erläuterten Gründen für diese Entwicklung der Löhne in China – die vor allem in den zahlreichen – erfolgreichen – Arbeitskämpfen liegen:

  • „China: »Die Streiks sind alle wild«“ im August 2018 im Ada-Magaziniexterner Link st ein Gespräch von Clemens Melzer mit Gustav Feder, der in China lebt und arbeitet und unter vielem anderen zu den Streiks in den „Kernlanden“ der heutigen chinesischen Wirtschaft ausführt: „Es gab in den ersten Jahren nach der Krise 2008/09 massenweise Einfrierungen von Löhnen, viele Entlassungen und Firmenschließungen. Zwar sollte die Krise durch ein Konjunkturprogramm aufgefangen werden, aber ab 2010 entstand eine Streikwelle, die von der Automobilindustrie ausging. Sie begann mit dem Honda-Streik und weitete sich stark aus, über die Automobilindustrie hinaus. Diese Streikwelle war sehr offensiv und sie war sehr erfolgreich. Es wurden Lohnerhöhungen von 50 bis zu 70 Prozent in den Hauptstandorten der chinesischen Exportindustrie und der heimischen Industrie an der Küste durchgesetzt. Ab 2014/15 nahmen jedoch Fabrikverlagerungen entweder nach Südostasien oder ins chinesische Inland zu, insbesondere der Textil- und Schuhindustrie. Die Chefs haben die Fabrikverlagerungen gerne dazu genutzt, ihre Leute loszuwerden, und als Reaktion darauf gab es eine Reihe von Arbeitskämpfen. Durch die Fabrikverlagerungen erfuhren die Arbeiterinnen auch, dass Sozialversicherungsbeiträge – die paritätisch bezahlt werden – nicht abgeführt wurden. Oftmals zogen die Arbeitgeberinnen Arbeitnehmerinnenanteile ein, gaben sie aber nicht an die Versicherungen weiter. In vielen Arbeitskämpfen ging es also darum, dass rückwirkend Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden. Gleichzeitig ging es um Abfindungen, laut chinesischem Arbeitsgesetz anderthalb bis zwei Monatslöhne pro Beschäftigungsjahr. In den Kämpfen ist es teilweise gelungen, deutlich mehr zu bekommen…
  • „China’s Labour Movement in Transition“ von Geoffrey Crothall am 13. August 2018 in Chinoiserie externer Link ist ein Beitrag, der sich den Veränderungen der Gewerkschaftsbewegung in den letzten 5 Jahren widmet – seitdem Xi Jinping Partei und Staat anführt. Er geht dabei von der traditionellen Stärke der Bewegung in Guangdong aus – in dem zuerst kapitalistisch industrialisierten Gebiet hatte es lange Zeit die meisten Streiks und Proteste gegeben (die dann auch zu Verlagerungen in andere Regionen Chinas führten, wohin die Proteste aber im Laufe der Zeit ebenfalls nachfolgten). Dies habe sich in den letzten 5 Jahren insofern verändert, als sich auch die gesamten Arbeitsbeziehungen verändert hätten: Mit dem enormen Wachstum des Dienstleistungsbereichs sei eine massive Flexibilisierung der Arbeitsbeziehungen einher gegangen, die auch neue Formen des Widerstandes hervor gebracht habe.