Trotz aller Repression chinesischer Behörden: Immer wieder neue Ansätze gewerkschaftlicher Organisierung

neuer schuhstreik chinaStreiks und Proteste gibt es in der VR China sehr viele und nahezu ständig, in der Regel lokal oder betrieblich – und mit unterschiedlichen Reaktionen von Seiten der politischen Mandatsträger und Behörden. Die immer wieder im Zentrum der Repression stehenden Ansätze zur selbstständigen, zumindest gewerkschaftsähnlichen Organisierung, machen deutlich, worum es der herrschenden Klasse in der VR China wirklich geht, nämlich eben diese Ansätze zu verhindern. Wie es mit Bedeutung und Zukunft solcher Initiativen steht, ist Gegenstand einer breiteren Debatte Zur Entwicklung von selbstständiger Organisierung unter solchen Bedingungen und ihrer Bedeutung siehe die folgenden drei Beiträge – sowie eine Reportage über die Arbeit einer solchen NGO:

  • „Revisiting Chinese Labour NGOs: Some Grounds for Hope?“ von Ivan Franceschini am 04. Juli 2016 in Chinoiserie externer Link ist ein Beitrag, der sich mit der Entwicklung der „Labour NGO“ in China insgesamt befasst, und wie sie sowohl mit politischen Kritiken von außerhalb umgehen, und erst recht mit der Repression, die sie spätestens ab 2009 und erst recht ab 2015 erleiden. Dass diese Repression vom Allgemeinen Chinesischen Gewerkschaftsbund gut geheißen wird, ist wenig überraschend, eher schon, dass es einige – längst nicht alle – solche Gruppierungen unternommen haben, als Konsequenz dieser Erfahrungen erst recht gewerkschaftsähnliche Arbeit zu organisieren.
  • „A Civil Society under Assault: A Debate among International Activists“ in der Ausgabe 1 (Januar-März 2016) von Made in China externer Link ist ein Gespräch zwischen Ellen David Friedman, Kevin Slaten und May Wong (ab Seite 26 der Ausgabe) in dem es vor allem um das Thema geht, wie die neue chinesische Gesetzgebung über „ausländische NGOs“ sich auf die gewerkschaftsähnlichen Gruppen in der VR China auswirken. May Wong vom Globalization Monitor aus Hongkong unterstreicht in diesem Gespräch, dass, aller Repression zum Trotz „die Büchse der Pandora“ geöffnet sei – und begründet dies vor allem mit der Fortsetzung der Basisarbeit nach diversen Repressionswellen
  • „No Way Forward, No Way Back: China in the Era of Riots“ am 03. August 2016 in Chuang Nummer 1 externer Link ist ein ganz ausführlicher Artikel über (vor allem) die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft unter der These der Deindustrialisierung auch in China. In diesem Kontext wird auch konkret über verschiedene Entwicklungen in den Streiks und Protesten der ArbeiterInnen ausgeführt, dass die Autoren weder eine neue Gewerkschaftsbewegung in China entstehen sehen, noch dass sie eine solche Bewegung für geeignet halten würden, gegenwärtige Zustände zu überwinden. Auch wenn man die vertretenen Thesen skeptisch sehen mag, ist der Beitrag nicht nur aufgrund seines Informationsreichtums lesenswert, sondern auch weil diese Thesen zur weiteren Debatte provozieren