Logo der DHL Gewerkschaft in ChileWir in der Gewerkschaft Nr.1 von DHL Express Chile (einem deutschen multinationalen Unternehmen) organisierten Beschäftigten, haben Tarifverhandlungen geführt. Das Unternehmen wollte 19 Verhandlungsrunden lang nicht auf die Forderungen der Beschäftigteneingehen, die unter aktiver Beteiligung der Gewerkschaftsmitglieder aufgestellt wurden. Nachdem wir alle Wege versucht hatten, einschließlich einer Vermittlung durch das Arbeitsministerium, und trotzdem in drei für die Gewerkschaft zentralen Punkten (von insgesamt 31) nicht zu einer Verhandlungslösung kommen konnten, mussten wir ab der Frühschicht von Mittwoch, dem 27. September, in Streik treten. Es war ein gut vorbereiteter Streik mit verschiedenen Arbeitsgruppen und unter anderem einem Streikfonds. Außerdem hatten wir die Unterstützung von vielen Gewerkschaften, Verbänden, dem gewerkschaftlichen Dachverband und einem Mitglied des Gemeinderats der Stadt sowie der Flughafengewerkschaft” – so beginnt der Bericht von dem erfolgreichen mehrtägigen Streik der Betriebsgewerkschaft Nummer 1 bei DHL Chile vom 01. Oktober 2017 – jetzt in deutscher Übersetzung beim LabourNet Germany dokumentiert (und ein Verweis auf frühere Beiträge zu DHL und Gewerkschaft, auch in Chile) – ein Dokument, das damit abgeschlossen wird, dass die Gewerkschafter, keineswegs ohne Grund, wie die Erfahrung zeigt, ihre Befürchtung äußern, das Unternehmen werde versuchen, den Streikerfolg durch Repression rückgängig zu machen.

Der Streik bei DHL Chile im September 2017

An die Beschäftigten und ihre Gewerkschaften
An die nationale und internationale Öffentlichkeit

Wir in der Gewerkschaft Nr.1 von DHL Express Chile (einem deutschen multinationalenUnternehmen) organisierten Beschäftigten, haben Tarifverhandlungen geführt. Das Unternehmen wollte 19 Verhandlungsrunden langnicht auf die Forderungen der Beschäftigten eingehen, die unter aktiverBeteiligung der Gewerkschaftsmitglieder aufgestellt wurden. Nachdem wir alle Wege versucht hatten, einschließlich einer Vermittlung durch das Arbeitsministerium, und trotzdem in drei für die Gewerkschaft zentralen Punkten (von insgesamt 31) nicht zu einer Verhandlungslösung kommen konnten, mussten wir ab der Frühschicht von Mittwoch, dem 27. September, in Streik treten.

Es war ein gut vorbereiteter Streik mit verschiedenen Arbeitsgruppen und unter anderem einem Streikfonds. Außerdem hatten wir die Unterstützung von vielen Gewerkschaften, Verbänden, dem gewerkschaftlichen Dachverband und einem Mitglied des Gemeinderats der Stadt sowie der Flughafengewerkschaft.  Während des Streiks waren die Beladung, Entladung und Verteilung der Sendungen von DHL Express gestoppt.  Am Freitag, dem 29. September, lud das Arbeitsministeriums beide Parteien zu einem Vermittlungsgespräch ein. Dort wurde ein vorläufiges Verhandlungsergebnis erreicht, das noch von der Mitgliederversammlung bestätigt werden musste. Am Samstag, dem 30. September, hat die Mitgliederversammlung das Verhandlungsergebnis angenommen, unter der Bedingung, dass das Unternehmen den Beschäftigten die vier Streiktage bezahlt, die ihnen vom Lohn abgezogen worden waren. Das Unternehmen hat dieser Bedingung zugestimmt. Die entsprechenden Tarifverträge wurden verfasst und unterschrieben. Der Streik wurde für beendet erklärt. Die Zugänge von DHL Express wurden daraufhin wieder freigegeben.

Wir sind eine neugegründete Betriebsgewerkschaft und neugewählte Vertrauensleute (seit 7 Monaten im Amt), ohne Verhandlungserfahrung und erst recht ohne Streikerfahrung. Unser Erfolg gründet sich auf unseren demokratischen Gewerkschaftsstrukturen und selbständigen Entscheidungsprozessen, auf unserer Kenntnis des Produktionsablaufs, auf unserer Verankerung im Betrieb, und auf den politischen und gewerkschaftlichen Verbindungen, die wir mobilisieren konnten.  Jetzt – nach dem Streik – sind wir eine Gewerkschaft mit Erfahrung und mit einer Führung, die das Vertrauen der Mitglieder genießt. Das Unternehmen muss uns nun anerkennen. Wir stellen auch fest, dass die Mehrzahl unserer Mitglieder junge Leute sind.

Wir befürchten jedoch mögliche Vergeltungsmaßnahmen der Unternehmensleitung. Deshalb bitten wir darum, sich bereit zuhalten, sollte die Unternehmensleitung den Erfolg der Beschäftigten wieder zurückdrängen wollen.

Mit solidarischen Grüßen
Die Leitung der Gewerkschaft Nr.1 der Beschäftigten von DHL Express Chile
Santiago de Chile, 1. Oktober 2017