Nach der Drohung mit der Polizei ein neues „Angebot“ im Streik der chilenischen Kupferarbeiter – die Gewerkschaft lehnt erneut ab

Streikposten vor dem Tor der Kupfermine Escondida in Nordchile am 8. März 2017Die Taktik des Bergbaumultis BHP Biliton im Norden Chiles ist reichlich durchsichtig: Jedes Mal, wenn eine Drohung nicht funktioniert, wird ein sogenanntes Angebot hinterher gereicht. Die erste Drohung – massiver Einsatz von (zusätzlichen, 1.700 arbeiten ja schon bei Escondida) Zeitarbeitern, um die Produktion aufrecht zu erhalten, scheiterte am sofort danach mobilisierten Aufzug Hunderter zusätzlicher Streikposten. Die zweite Drohung – Polizeirepression – kam in der öffentlichen Reaktion nicht besonders gut an (außer natürlich bei den, zwar minderheitlichen, aber in allen sozialen Klassen vorhandenen, Pinochet-Fans). Die Gewerkschaft Nummer 1 bei Escondida hat in einem Brief an alle Mitglieder das zweite „Angebot“ analysiert und stellt fest, dass dies ein Angebot ist, das man ablehnen muss. Zwar werde der Bonus erhöht, der zur Auszahlung ansteht, aber ansonsten will die Unternehmensleitung ihr Programm durchsetzen: Neues Schichtsystem, Auslagerung der Krankenkasse, Stop des Wohnungsprogramms für Neueingestellte, die auch nach wie vor weniger Lohn erhalten sollen. Bereits am Tag vor dem Angebot hatte die Gewerkschaft eine öffentliche Erklärung verbreitet, in der sie die Bilanz der ersten fünf Streikwochen zieht und ihre Bereitschaft unterstreicht, weitere fünf Wochen oder auch länger diesen Kampf zu führen, denn dieses Kahlschlagprogramm sei nicht nur von BHP Biliton entwickelt, sondern eine Art Kampfprogramm des Unternehmerverbandes, mit dem Bergbaumulti als Speerspitze. Siehe dazu die beiden (spanischen) Dokumente der Gewerkschaft, jeweils mit einer ganz kurzen Zusammenfassung auf Deutsch:

  • „COMPAÑERAS Y COMPAÑEROS SE INFORMA: ANÁLISIS DE LA NUEVA OFERTA DE LA EMPRESA“ am 18. März 2017 bei der Gewerkschaft Nummer 1 externer Link ist die Antwort der Gewerkschaft auf das neue Angebot, das kein neues Angebot sei. Um dies nachzuweisen wurden im Text, der der Gewerkschaft über die regionale Arbeitsinspektion zugestellt worden war, die angeblich neuen Bestandteile farbig markiert (das bearbeitete Dokument ist auch auf der Webseite verlinkt). Dabei wird aufgelistet, was die Unternehmensleitung alles „an Kosten“ weg haben will, eben die betriebliche Krankenversicherung und das betriebliche Wohnprogramm, die bisherige Schichtregelung und die Logik „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ in bezug auf neu eingestellte Kollegen (die zumeist aus den bisherigen Zeitarbeitern genommen werden, die also die Arbeit längst kennen). Der einzig positive Schritt sei, wie bereits erwähnt, die Erhöhung des Bonus, was in Wirklichkeit, da einmalig, kein Angebot für einen Tarifvertrag sei.
  • „DECLARACIÓN PÚBLICA DEL SINDICATO N° 1 DE TRABAJADORES DE MINERA ESCONDIDA“ am 16. März 2017 auf der Webseite der Gewerkschaft Nr. 1 externer Link ist eine Erklärung an die chilenische Öffentlichkeit am Ende der fünften Streikwoche. Darin wird nochmals betont, man sei durchaus verhandlungsbereit, denn es gehe um prinzipielle Errungenschaften der letzten 26 Jahre, die der Belegschaft nicht geschenkt worden sei – und auch hier habe es immer wieder Kompromisse gegeben. Das Unternehmen habe sich bisher rundweg geweigert, über die wichtigsten Fragen zu verhandeln, und sei zu Drohungen übergegangen, jetzt auch individuelle Drohungen gegen einzelne Arbeiter per Telefon, wer weiter streike, werde entlassen. Die Gewerkschaft wendet sich in der Erklärung auch an die Bevölkerung und die Gewerkschaften und stellt heraus, dass es sich darum handele, ob der größte in Chiles Wirtschaft tätige Konzern der größten Betriebsgewerkschaft des Landes ein Diktat aufzwingen könne: „Wenn ihnen das gelingt, werden alle solche Diktate zu spüren bekommen“.