Ein Jahr nach dem Mord an Marielle Franco: Der brasilianische Präsident mit dem festgenommenen Tatverdächtigen auf einem Foto. Der leitende Ermittler – versetzt: Weltweite Proteste

15.3.2018 Protestedemo in Rio einen Tag nach dem Mord an Marielle FrancoKurz bevor sich der Mord an der linken Stadträtin Marielle Franco und ihrem Fahrer Anderson Gomes in Rio de Janeiro zum ersten Mal jährt, melden die Ermittler einen Erfolg: Zwei Männer wurden am frühen Dienstagmorgen im Norden der Stadt festgenommen. Ronnie Lessa und Élcio Vieira de Queiroz, zwei Ex-Militärpolizisten, werden verdächtigt, Franco und Gomes in der Nacht des 14. März 2018 erschossen zu haben. Lessa soll die 13 Schüsse aus einer MP5 abgegeben haben. Vier trafen Franco in den Kopf, die anderen ihren Fahrer. Ihre Assistentin überlebte verletzt. Queiroz soll den Wagen gesteuert haben. Eine Telefonüberwachung hatte die Ermittler auf Lessa gebracht. Er soll monatelang zu Francos Gewohnheiten, Adressen und Angehörigen sowie über die spätere halbautomatische Tatwaffe recherchiert haben. In den letzten Monaten wurden die Ermittlungen von mehreren Pannen überschattet. Mehrfach waren Verdächtige vor Polizeioperationen gewarnt worden, Dutzende Verdächtige entkamen so ihrer Festnahme. Anfang März wurden deshalb zwei Polizisten verhaftet. Angehörige und Freunde von Franco begrüßten die Festnahmen, fordern aber, dass auch die Auftragsgeber ermittelt werden. Eine Spur führt direkt zum Staatspräsidenten. Der mutmaßliche Schütze lebt in derselben Wohnanlage, in der auch Jair Bolsonaro sein Haus hat. Zudem kursiert in den sozialen Medien ein Foto, das den Präsidenten in herzlicher Umarmung mit Queiroz zeigt…“ – aus dem Beitrag „Mörder gefasst, Fall ungelöst“ von Sunny Riedel am 14. März 2019 in der taz externer Link, der auch noch auf die zahlreichen Protestaktionen zu diesem ersten Jahrestag des Mordes verweist. Siehe zu den aktuellen Entwicklungen um den Mord an Marielle Franco drei weitere Beiträge, sowie zwei Aktionsberichte und Überblicke zum Jahrestag – und den Hinweis auf unseren bisher letzten Bericht dazu:

  • „Hintermänner weiter im Dunkeln“ von Peter Steiniger am 14. März 2019 in der jungen Welt externer Link unter anderem: „Ein Jahr nach der Ermordung der linken brasilianischen Stadträtin Marielle Franco gerät Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro immer mehr unter Druck. Die offen lesbische PSOL-Politikerin Marielle Franco war für die Rechte der Frauen und der Favela-Bewohner eingetreten. Am 14. März 2018 wurde sie von professionell agierenden Tätern mit einer Waffe der deutschen Marke Heckler & Koch in ihrem Auto erschossen. Auch ihr Fahrer Anderson Gomes kam ums Leben, Francos Mitarbeiterin Fernanda Chavez blieb unverletzt. Am frühen Dienstag morgen (Ortszeit) verhaftete die Kriminalpolizei in Rio de Janeiro zwei Tatverdächtige, die Expolizisten Ronie Lessa und Elcio Vieira de Queiroz. Ersterer wohnt im Stadtviertel Barra da Tijuca in derselben vornehmen Wohnanlage, in der auch Bolsonaros Haus steht. Von Queiroz, einem Anhänger der Bolsonaro-Partei PSL, existieren Fotos, die ihn zusammen mit dem faschistischen Staatschef zeigen. Die mutmaßlichen Täter sollen einer der ultrarechten Milizen dienen, die Teile von Rio faktisch kontrollieren, Schutzgelder kassieren, illegalen Immobilienhandel betreiben und in den Favelas als Todesschwadronen in Erscheinung treten. Als Abgeordneter hatte sich Bolsonaro über Jahre als Lobbyist der Milizen betätigt. Die Medien interessieren sich nun verstärkt für seinen Familienclan…“
  • Für aktuelle weltweite Protestberichte siehe #MarielleFrancoAndersonPresente