Widerstand gegen Megastaudamm Belo Monte

Dossier

Widerstand gegen das Projekt Belo Monte in BrasilienDas Staudamm Belo Monte ist ein Großprojekt zur Gewinnung von elektrischer Energie aus Wasserkraft am Fluss Xingu, einem Seitenfluss des Amazonas in Brasilien. Über drei Talsperren soll der Fluss zu zwei Stauseen mit einer Fläche von zusammen etwa 500 km² aufgestaut werden, entsprechend in etwa der Größe des Bodensees. Dies führt zur „Umsiedlung“ von rund 50.000 Menschen. Das Projekt wurde seit Erteilung der ersten Baugenehmigung Anfang 2011 bereits drei Mal durch gerichtliche Entscheidungen vorübergehend gestoppt, zwischenzeitlich wieder aufgenommen… Siehe in unserem Dossier einerseits den Widerstand gegen die Verdrängung indigener Bevölkerung, aber auch die Streiks und Besetzungen der Bauarbeiter…

  • Erfolgreicher Bauarbeiterstreik – und mehr
    Drei Tage dauerte der Streik der 27.000 Bauarbeiter am Projekt Belo Monte. Am Freitag wurde in sechs verschiedenen (weit auseinanderliegenden) Orten in Belegschaftsversammlungen beschlossen, das Angebot des Unternehmens-Konsortiums anzunehmen: 11% Lohnerhöhung (die Inflation liegt bei rund 6%), keine Maßregelungen oder Lohnabzüge wegen des Streiks, Prämienerhöhung und 15 freie Tage kompakt am Jahresende (wichtig, weil viele von weither kommen, um hier zu arbeiten). Seit Beginn der Arbeiten an diesem gigantomanischen Projekt im Juni 2011 war dies der 17. Streik, der die ganze Belegschaft mobilisierte, wird in dem Bericht Acaba greve em Belo Monte externer Link von Fatima Lessa am 29. November 2013 im Estado de São Paulo unterstrichen. Siehe dazu auch:
  • Streik von 27.000 am Belo Monte Staudamm in Brasilien
    Im November vor einem Jahr haben bereits 14.000 Arbeiter gestreikt, damals kamen sie mit ihren Forderungen nicht durch und haben Teile der Infrastruktur der Bauarbeiten angezündet. Im April/Mai 2013 gab es einen weiteren von der linken Basisgewerkschaft Conlutas geführten Streik, da Abmachungen vom November nicht eingehalten wurden, dieser Streik wurde vom Militär beendet. Nun hat sich wieder die CUT-Gewerkschaft Sintrapev eingeschaltet und führt einen Streik, der die Baustelle des drittgrößten Staudamms weltweit komplett lahmlegt. Siehe dazu den Beitrag von Laucas Reis in der Folha de Sao Paulo vom 26.11.2013 externer Link
  • Indigene und Anwohner besetzen eine Baustelle des Megaprojekts Belo Monte
    Nach den Streiks ist vor der Besetzung – das Großprojekt Belo Monte, ein Staudamm, mit dem etwa 520 Quadratkilometer Land unter Wasser gesetzt werden soll und das zur „Umsiedlung“ von rund 50.000 Menschen führt, hat kontinuierliche Probleme. Nach den jüngsten Streiks der Bauarbeiter jetzt die Besetzung der zentralen Baustelle am Xingú. Diese Besetzung ist „zeitlich unbegrenzt“ und soll eine Anhörung erzwingen. Eine gemeinsame Aktion von Indigenen und Flussanwohnern und Fischern ist keineswegs alltäglich, einer der Gründe für die große Medienresonanz. Ein weiterer: Sowohl ausländischen Journalisten (etwa dem Korrespondenten von Radio France International) wurde unter Androhung der Festnahme durch die Polizei untersagt, die besetzte Baustelle zu betreten, als auch einem PT-Abgeordneten. Ein regionales Gericht lehnte eine polizeiliche „Entsetzung“ ab, berichtet in „Índios decidem manter invasão a canteiro de obras em Belo Monteexterner Link Katia Brasil am 06. Mai 2013 in der Folha de Sao Paulo
  • Am Damm brannten die Busse
    Die Streikwelle der Bauarbeiter im Norden und Nordosten Brasiliens (wo Großprojekte der Bundesregierung massiert sind, die Strukturpolitik für weiteres Wachstum auch in dieser Region darstellen sollen) geht weiter: Jetzt erneut an der Baustelle zum drittgrößten Staudamm der Welt, Belo Monte am Xingu. 11% Lohnerhöhung hatten das Unternehmenskonsortium und die der Forca Sindical angehörende Gewerkschaft vereinbart – allerdings ohne die Belegschaft zu fragen und auch nicht die zweite vertretene Gewerkschaft, die der Conlutas angeschlossen ist. Die Belegschaft meldete sich massiven Protesten zu Wort, die in einzelnen Bereichen sehr heftig wurden, vor allem in Pimental, wo sowohl die Bereichsleiter als auch die Gewerkschafter verjagt wurden, Lagerräume und Verwaltungsbaracken angezündet. Über das zweite Novemberwochenende hinweg gab es dann diverse Feuerattacken auf Einrichtungen des Konsortiums, die von diesen Unternehmen der Conlutas angelastet wurden. Am Montag beschlossen nahezu alle 17.000 Bauarbeiter nunmehr zum 6. Mal seit Baubeginn in den Streik zu treten. Daraufhin gab das Konsortium die vergangene Woche für alle frei. Diese Woche gingen die Auseinandersetzungen aber weiter. Die Bauarbeiter fordern zwei Dinge: Erstens eine Lohnerhöhung, die über der Inflationsrate liegt und zweitens Verbesserungen der Heimurlaubsmöglichkeiten, die in dem abgelegenen Gebiet besonders wichtig sind. Der Bericht “Revoltados, operários protestam em Belo Monte e clima de greve se espalha “ externer Link am 11. November 2012 bei der CSP-Conlutas.
  • Streikwelle der Bauarbeiter
    Der Streik der Bauarbeiter des Staudammprojekts Belo Monte schaffte es sogar in die internationalen Nachrichten – die 7.000 Beteiligten waren aber bestenfalls die berühmte Spitze des Eisbergs. Ob im Hafen von Suape oder bei anderen Renommier-Projekten des Wachstums-Beschleunigungsprogramms (PAC), ob bei den Stadion- und Verkehrsbauten für die kommenden Sportevents – noch nie gab es eine solche ununterbrochene Reihe von Streiks der Baurabeiter – deren Zahl bis heute niemand kennt, denn die Schätzungen laufen darauf hinaus dass etwa 75 Prozent aller Bauarbeiter informell beschäftigt sind.

  • Streik gegen Megastaudamm. Dritter Arbeitskampf beim Bau des Kraftwerks Belo Monte in Brasilien gerichtlich untersagt
    Seit Montag streiken die Arbeiter, die im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará das Wasserkraftwerk Belo Monte errichten. Achtzig Prozent der rund 7700 Beschäftigten sind laut der Gewerkschaft Sintrapav an dem Ausstand beteiligt. Am Dienstag blockierten sie die Zugänge zu dem Gelände. Nur der Betrieb von grundlegenden Bereichen wie Gesundheits-, Wasser- und Lebensmittelversorgung wurde aufrechterhalten…“ Artikel von Andreas Knobloch in junge Welt vom 27.04.2012 externer Link