Kommt es zu einem gemeinsamen Widerstand brasilianischer Gewerkschaften gegen die geplante Verschlechterung der Arbeitsbedingungen?

Ein Logo der Kampagne der brasilianischen Gewerkschaften zum 16.8.2016 - hier gegen das Gesetz, das den Mindestlohn einfrieren sollDass die brasilianische Gewerkschaftsbewegung keine einheitliche Reaktion auf die Installierung der Wunschregierung des Unternehmerverbandes FIESP zustande brachte (der, samt seiner bundesdeutschen Mitglieder, die Kampagne gegen die bis dahin amtierende PT Regierung finanziert hat), war deutlich zu sehen – und einer der Gründe für den Erfolg dieser Kampagne neoliberaler Radikaler. Nachdem nun eben diese so installierte Regierung Temer verschiedene Punkte ihrer Absichten bezüglich der Veränderung der Arbeitsgesetze öffentlich deutlicher gemacht hat, als bisher, haben sich erstmals in den letzten Monaten, alle Gewerkschaftsverbände getroffen, um über den gemeinsamen Widerstand zu beraten. Siehe dazu zwei Berichte über dieses Treffen – und eine Bilanz des Outsourcing, einer der Kernbestandteile der geplanten Veränderungen:

  • „Centrais elaboram documento contra alterações nas leis trabalhistas“ am 26. Juli 2016 beim Estado de Minas externer Link ist ein Bericht über das Gewerkschaftstreffen, an dem so unterschiedliche Verbände teilnahmen wie einerseits CUT und CTB (den bisherigen Regierungsparteien PT und PCdoB nahe stehend) und die stark sozialpartnerschaftlich ausgerichtete FS (die sich als erste bereit erklärt hatte, mit der „neuen Regierung“ zu verhandeln, ohne sich allerdings mit erhofften Erfolgen schmücken zu können) bis hin zur linken CSP Conlutas. Insgesamt beteiligten sich acht Verbände an diesem treffen, die sich darin einige waren – wie es jedenfalls in einer gemeinsamen Erklärung zum Abschluss unterstrichen wurde – dass sowohl die (in Wirklichkeit: abermalige) Erhöhung des Rentenalters, als auch die wesentliche Vereinfachung des Einsatzes von Subunternehmen abgelehnt werden. Was für Schlussfolgerungen aus dieser Positionierung gezogen werden, bleibt erst einmal abzuwartenexterner Link
  • „Workers recount impact of outsourcing in Brazil“ am 27. Juli 2016 bei IndustriAll externer Link ist die Vorstellung einer Studie über die Auswirkung der Outsourcing-Maßnahmen auf die brasilianischen ArbeiterInnen – und im aktuellen Zusammenhang auch eine entsprechende Kritik an den Absichten der Unternehmerregierung. Rund 13 Millionen Menschen arbeiten – im formalen Sektor der Wirtschaft – bei Subunternehmen, dass sind etwa 27 Prozent aller Beschäftigten in diesem Bereich. Die Studie entstand unter anderem durch Tiefeninterviews mit 22 Betroffenen – und kommt zu den Ergebnissen, die sich nahezu jede und jeder heute leicht vorstellen kann, dass die Lebensbedingungen dieser Menschen, um es wohlerzogen zu sagen, sehr schwierig sind