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Updated: 05.03.2010 3:08

Brasilien

Internationale, gewerkschaftspolitische Meldungen, die wir aus Newsgroups oder über Kontakte, KooperationspartnerInnen bzw KorrespondentInnen bekommen haben. Viele sind auf Englisch, manche in anderen Sprachen. Meist nicht woanders zu finden. Übrigens: Internationale Nachrichten aus speziellen Branchen sind auch auf den jeweiligen Branchen-Seiten zu finden!

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Der Traum vom besseren Leben - Hausbesetzer in Bahia

Menschen, die ihr Wohnungsproblem nicht der Privatwirtschaft überlassen, sondern es öffentlich und selbst regeln sind gefährlich - weil sie den "Traum vom besseren Leben" nicht nur träumen, sondern umsetzen wollen - das wird in dem Beitrag "Los sin techo de Bahía: la utopía del buen vivir" externer Link von Raul Zibechi vom 01. März 2010 beim Cetri deutlich gemacht.

Thyssens Versprechen - und die Realität

"An der Bucht von Sepetiba liegen die Gemeinden Rio de Janeiro, Itaguaí und Mangaratiba, die eine sehr vielschichtige Landschaft bilden, sowohl in Hinblick auf Umweltaspekte als auch in sozialwirtschaftlicher Hinsicht. In dieser Gegend liegen wichtige noch geschützte Ökosysteme mit Wäldern, Sandriffs –wie zum Beispiel Marambaia – sowie Mangrovenwälder. Hier findet man noch Restbestände Atlantischen Urwalds, der unter den 25 bedeutendsten Gebieten zum Erhalt der Artenvielfalt weltweit zählt. Die sozioökonomische Grundlage für die wirtschaftlichen Aktivitäten des Industriegebietes von Santa Cruz sowie für das soziale Leben ist vor allem der Fischfang – Kleinfischerei, Industriefischerei und Meereskultur – daneben Handel und Tourismus. In sozialer und kultureller Hinsicht finden wir in diesem Gebiet ein ganz eigenes Universum aus Quilombolas, Indianer, Kleinfischer und Caiçaras, die mit der Wahrung ihrer kulturellen Traditionen und ihrer Lebensart der Gegend einen enormen und vielfältigen sozialen und kulturellen Reichtum bescheren. Es ist jedoch das Ballungsgebiet von Rio de Janeiro, das die niedrigsten Entwicklungsindikatoren und die schlechteste Lebensqualität sowie eine erhöhte Konzentration von verarmten Gemeinden aufweist. So haben wir auf der einen Seite ein großes Potenzial und auf der anderen Seite die Pläne der Regierung, das Gebiet in ein Zentrum für Metall verarbeitende Industrie und Verschiffung umzuwandeln, was die Bucht von Sepetiba zu einem Gebiete macht, das aktuell im Staat Rio de Janeiro die größten Umwelt- und Sozialkonflikte aufweist" - so beginnt der Beitrag "Rechtsverletzungen, die von der Companhia Siderúrgica do Atlântico – TKCSA (Thyssen Krupp und Vale) in der Bucht von Sepetiba, in Rio de Janeiro, Brasilien begangen wurden" pdf-Datei des Instituto Políticas Alternativas para o Cone Sul (PACS): damit wird der Rahmen gesetzt für eine ausführliche Darstellung der Thyssen-Aktivitäten in dieser Region, die den Widerstand von Fischern und Anwohnern, aber auch der Gewerkschaften und Demokratiebewegung hervorrufen.

Stadtrat von Hausbesetzern besetzt: Widerstand gegen Räumungsdrohung erfolgreich

In Belo Horizonte, Brasiliens drittgrößter Stadt, gibt es inzwischen zwei Massenbesetzungen von brach liegenden Baugeländen, auf denen jeweils schon ein paar Häuschen stehen. Neben Dandara auch Camillo Torres - beide organisiert von einem Zusammenschluss der Volksbrigaden mit der Bewegung der Landlosen MST. Die völlig und total unabhängige und unparteiische Justiz hatte in beiden Fällen der Militärpolizei eine "Lizenz zum Räumen" erteilt, wie es von der örtlichen PT/PSDB Koalition ebenso erwünscht war, wie von der PSDB Landesregierung des Bundesstaates M inas Gerais. Daraufhin machten sich einige Hundert der vielen Tausend BesetzerInnen auf zum Stadtrat: und besetzten das Ratsgebäude. Zu dieser Aktion gibt es einen Offenen Brief von Volksbrigaden und MST an den Stadtrat pdf-Datei von 15. Juni 2009: Nach einem Tag Besetzung hob die Landesinstanz die Räumungsfreigabe am 17. Juni auf...

Wohnungsprogramm verkündet. Betroffene wurden von der Militärpolizei empfangen

Einige Hundert AktivistInnen der Haus und Geländebesetzung Dandara in Belo Horizonte machten sich am Ostermontag auf den Weg in die Innenstadt. Ihr Ziel: Eines der Viersterne Hotels im Stadtzentrum. Dort wollte die designierte Präsidentschaftskandidatin der PT (Arbeiterpartei) das Wohnungsprogramm ihrer Partei vorstellen "Mein Zuhause, mein Leben". Gab es für die geladenen Gäste der Vorstellung einen roten Teppich vor dem Hotel, so war für die wohnungslosen Selbsteingeladenen eher die Farbe braun angesagt: Militärpolizei war aufmarschiert, die privaten Sicherheitsdienste des Hotels verwehrten ihnen den Zugang. In gemeinsamer Aktion, unter Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken wurde die Programmveranstaltung der PT betroffenenfrei gehalten, es gab etwa ein halbes Dutzend Verletzte. Was weder in der belebten Innenstadt, noch in den zahlreich anwesenden Medien noch unter den ebenfalls vertretenen rund 20 Organisationen, die sich solidarisch mit der Besetzung erklärten, besonders gut ankam. Deshalb sah sich Frau Roussef gezwungen, im Anschluß an ihre Veranstaltung eine Delegation der BesetzerInnen zu empfangen. Was es wert ist, wird man sehen müssen: Die Parteiprominenz - unter anderem der langjährige Exbürgermeister von Belo Horizonte, der von da stammende Sozialminister der Bundesregierung und der PT Abgeordnete der Stadt im Bundesparlament stimmten der Errichtung einer Komission zu, die eine soziale Lösung der aktuellen Wohnungsproblematik organisieren soll. Die zweite Folge der Dandara-Chronologie pdf-Datei vom 23. April 2009.

Die Zahl der BesetzerInnen in Belo Horizonte explodiert, nachdem der erste Polizeiangriff abgewehrt wurde

Nach den Ostertagen (der Montag ist in Brasilien kein Feiertag) ist die Zahl der BesetzerInnen des etwa 40 Hektar großen Geländes der Besetzung "Dandara" vom Gründonnerstag regelrecht explodiert: Am Dienstag wurden von Fernsehreportern 981 Hütten und Zelte gezählt - womit niedrig geschätzt etwas über 4.000 Menschen an der Besetzung beteiligt sind. Die rapide Zunahme ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass der erste Polizeiangriff von 150 Schockbataillon Polizisten in der Nacht (gesetzlich verboten) zum Karfreitag, der ohne juristische Grundlage erfolgte, in einer dreistündigen Auseinandersetzung abgewehrt wurde. Seit Dienstag gibt es nun eine einstweilige richterliche Räumungsverfügung, wogegen die Anwälte der BesetzerInnen Einspruch eingelegt haben. Die Polizei hat einstweilen zugesagt, das Ergebnis der Verhandlung dieses Einspruchs abzuwarten - ein Ergebnis sowohl des organisierten Widerstands als auch der organisierten Solidarität, und der breiten Berichterstattung in zahlreichen Medien, bis auf die Produkte des "Globo" Konzerns sogar recht sachlich. In allen Solidaritätserklärungen und Schreiben an den Präfekten Lacerda und Gouverneur Neves wird deutlich, dass die Öffentlichkeit die Besonderheit dieser Besetzung versteht: Dass es die erste gemeinsame Aktion der Bewegung für Landreform und der für Stadtreform ist, organisiert von MST und Volksbrigaden. Und auch wenn die "Politik" bisher den Dialog mit den BesetzerInnen der Polizei überlassen hat, so ist die Diskussion über diese Premiere bereits deutlich über die linken Kreise hinaus gewandert. Und während juristisch, politisch und materiell die Unterstützung organisiert wird, werden auch bereits Alternativen gesucht, für den Fall eines erfolgreichen nächsten Polizeiangriffs - denn viele der beteiligten BesetzerInnen sind Menschen, die gerade eben in der aktuellen kapitalistischen Krise erwerbslos wurden und dringend eine Wohnmöglichkeit brauchen. Die aktuelle "Dandara-Chronologie" pdf-Datei , die wir hiermit kurz deutsch zusammengefasst haben, geht bis einschliesslich Mittwoch, den 15. April 2009.

Solidarität mit Hausbesetzung

Am Gründonnerstag, 9. April haben in Belo Horizonte rund 300 Familien ein Areal mit mehreren Häusern besetzt. Die Stadt, mit rund 4 Millionen EinwohnerInnen, registriert offiziell 75.000 leerstehende Wohneinheiten - und 55.000 obdachlose Familien. Dies ist der dritte Versuch einer Massenbesetzung in diesem Jahr in BH - und da die ersten beiden Versuche mit massiven Polizeieinsätzen beendet wurden, rufen die Organisationen, die diese Besetzung unterstützen (die Volksbrigaden, unter anderem Partner des LabourNet Germany beim Workshop "Demokratisieren statt privatisieren" beim WSF in Belém und die Landlosenbewegung MST) zur internationalen Solidarität auf. Belo Horizonte wird seit 1992 von der Arbeiterpartei PT regiert, seit der letzten Wahl 2008 in einer Allianz mit der PSDB des früheren Präsidenten Cardoso, die auch den Gouverneuer des Bundeslandes Minas Gerais stellt, dessen Hauptstadt BH ist. Die Chancen, dass diese Hausbesetzung erfolgreich verläuft, liegen vor allen Dingen darin, dass diesmal eine breite Unterstützung in der Nachbarschaft existiert, da die Gebäude auf dem besetzten Gelände aus Spekulationsgründen seit fast 20 Jahren leer stehen. Einmal mehr erweist es sich, so die Volksbrigaden in einem ersten Kommuniqué, dass die Grundbedürfnisse des menschlichen Lebens, wozu auch die Wohnung gehört, nicht privatem Profitinteresse unterworfen werden dürfen - wie sich auch zeigt, dass die Lösung dieses Grundproblems nicht "der Politik" überlassen bleiben darf. LabourNet Germany ruft zur Solidarität mit der Massenbesetzung auf, die unter dem Namen "Dandara" organisiert wurde - Hommage an die Kampfgefährtin des Zumbi, Symbolfigur des Widerstands gegen die Sklaverei. Die gemeinsame Pressemitteilung der MST und Volksbrigaden aus BH´pdf-Datei (port. aber hier kurz übersetzt und mit Adressen für Solidarität - brigadas populares - und Protest - Landesministerium - versehen, englisch geht gut für beides)

Landesweiter Protesttag ein Erfolg - aber nur ein erster Schritt

In allen Landeshauptstädten und nahezu zahllosen kleineren Städten quer durchs ganze Land wurde der gemeinsame Aufruf aller Gewerkschaftszentralen befolgt, am 30. März gegen die expoldierende Entlassungswelle zu protestieren - und von der Regierung ein Gesetz gegen Entlassungen zu fordern. die Übersicht "Milhares vão as ruas no país, no dia 30 de março, contra demissões e por estabilidade no emprego" externer Link vom 1. April 2009 bei der Conlutas.

Ethanolsprit aus Brasilien: Blut im Tank

Die Industriestaaten kaufen im großen Stil Biosprit aus Brasilien. Der Treibstoff, hergestellt aus Zuckerrohr, gilt als äußerst preiswert. Doch die Produktion geht auf Kosten der Plantagenarbeiter. Der Menschenrechtsaktivist Pater Tiago spricht im Spiegel-Online-Interview vom 23.01.2009 externer Link über die Schattenseiten des Ethanol-Booms.

Anschlag auf Gewerkschafter

Der Gewerkschafter Joinville Frota, Präsident des TransportarbeiterInnengewerkschaft von Amapá (Sindicato dos Condutores de Veículos e Trabalhadores em Empresas Transportes Rodoviários de Passageiros do Amapá) entkam am 23. August 2008 nur knapp einem Anschlag auf sein Leben. Weitere Informationen auf der Seite des österreicherischen Netzwerk GewerkschafterInnen externer Link - Arbeitsgruppe für verfolgte GewerkschafterInnen, vom 25.09.2008

Erneuter krimineller Angriff auf oppositionelle Gewerkschaft

Von allen Seiten: Justiz, Polizei, private "Sicherheitsdienste" usw werden in den letzten Monaten verstärkt - und anscheinend koordiniert - Angriffe auf soziale Bewegungen überall in Brasilien vorgetragen. Waren dabei traditionell vor allem landlose AktivistInnen in ländlichen Gebieten Zielscheibe des Terrors, so ist in letzter Zeit eben auch die urbane Auseinandersetzung gewalttätiger geworden - jetzt traf es die Conlutas. Am 1. August kam es, anläßlich einer Versammlung von Bauarbeitern der Firma Revap zu einem bewaffneten Überfall. "Gegen den brutalen Angriff auf das Büro von Conlutas und die prekär Beschäftigten bei Revap" heisst die Solidaritätserklärung linker Gruppierungen vom 3. August 2008, in der auch zu einer Protestdemonstration aufgerufen wurde.

Die Bewegung der städtischen Obdachlosen - im Zeitalter "moderner Stadtplanung"

Seit über 10 Jahren gibt es inzwischen die MTST, die Bewegung der obdachlosen Arbeiter, die vor allem in den beiden Megastädten Sao Paulo und Rio de Janeiro aktiv ist. Dazu der aktuelle Beitrag "Urbanität, Exklusion und Widerstand in Brasilien– der Versuch einer Einführung in die brasilianische Obdachlosenbewegung „Movimento dos Trabalhadores Sem Teto“ (MTST)" von Maike Pricelius vom März 2007 in Langfassung (eine kürzere Fassung war im ak erschienen).

Ein neues Bombengeschäft?

"Die Umweltminister Deutschlands und Brasiliens, Sigmar Gabriel und Marina Silva, kündigten Ende April 2008 die Unterzeichnung eines deutsch-brasilianischen bilateralen Energieabkommens noch im Mai dieses Jahres, anläßlich des Besuchs von Bundeskanzlerin Merkel in Brasilien, an. Der Bundesumweltminister zeigte sich angetan von den brasilianischen Beteuerungen, "nur 1 Prozent der Ackerfläche" Brasiliens werde für Ethanolkraftstoffanbau genutzt, und "bestehende Kriterien" würden die "Nachhaltigkeit" brasilianischen Ethanols gewährleisten. "Von dem, was ich gehört habe, können wir am Import festhalten", sagte Gabriel, und ergänzte, man müsse den Brasilianern die "Chance geben, uns durch Zertifikate zu beweisen, dass es machbar ist". Soziale Bewegungen und Organisationen Brasiliens laufen gegen die Äußerungen der beiden Umweltminister und das geplante Abkommen Sturm" - so beginnt der Beitrag "Die Fortsetzung des deutsch-brasilianischen Bombengeschäfts mit anderen Mitteln" externer Link von Christian Russau vom Mai 2008 beim FDCL, in dem auch die Stellungnahmen von Organisationen wie der MST, der CUT und vielen anderen dokumentiert werden.

"Warum sollten die allerersten menschlichen Bedürfnisse - die Nahrung und die Wohnung - eine Ware bleiben?"

Carina Aparecida Andrade de Freitas hat inzwischen viele Erfahrungen im Anbau von Gemüse - im eigenen Garten. Die Studentin der Kommunikationswissenschaft an der Katholischen Universität von Belo Horizonte lebt in einem von den Volksbrigaden besetzten größeren Haus am Stadtrand des 4 Millionen Konglomerats. Und, wie viele der in der städtischen Obdachlosenbewegung aktiven Menschen in Brasilien, haben auch sie und ihre Gruppierung enge Beziehungen zur Bewegung der Landlosen. Und die politische Debatte, die diese über die MST national wie weltweit vorantreiben, läuft unter dem Stichwort "Nahrungssouveränität", für das inzwischen die internationale Vereinigung Via Campesina als organisierte Vertretung steht. In dem Telefoninterview "Nahrung darf keine Ware sein" wollten wir von einer Basisaktivistin aus einer Stadt wissen, wie die Menschen dort die Probleme sehen - und zu lösen versuchen.

São Paulo: Tote in der Ethanolproduktion

„Tödliche Arbeitsunfälle, Infarkte, Vergiftungen: Der Preis für die Ethanolgewinnung in Brasilien. Gut 50% der Arbeitskräfte sind ImmigrantInnen, die zudem unter menschenunwürdigen Bedingungen schuften und denen weder Schutzkleidung noch angemessene Arbeitsgeräte zur Verfügung gestellt werden…“ Artikel von Maria Luisa Mendonça externer Link, Journalistin und Koordinatorin des Sozialen Netzes für Gerechtigkeit und Menschenrechte, auf Indymedia vom 11.11.2007. Die Übersetzung erfolgte von tierra

Syngenta-Miliz schiesst: Ein Todesopfer

In Santa Teresa do Oeste im südlichen Bundesstaat Paraná eröffneten am 21. Oktober etwa 40 bewaffnete Männer das Feuer auf die rund 150 Aktivisten von Via Campesina, die das gentechnische Experimentierfeld von Syngenta kurz zuvor wieder besetzt hatten. Erebnis: Ein Toter, der 32-jährige Valmir Motta und 5 Schwerverletzte, von denen die Aktivistin Isabel de Souza in akuter Lebensgefahr schwebt. Dabei ist zu beachten, dass sowohl das Genfeld als auch die Aktivitäten der privaten Sicherheitsfirma NF jenseits der Legalität sind und jeweils Gegenstand gerichtlicher Untersuchungen. Es gab bereits bis Juli 2007 eine 16 Monate lange Besetzung des Genfeldes, die nach juristischen Entscheidungen gegen das weitere Betreiben des Feldversuchs beendet worden war. Die (portugiesische) Presseerklärung "Attack of Syngenta's armed militia results in deaths and woundeds" von Via Campesina vom 21. Oktober 2007.

Zuerst eine Hetzkampagne - dann ein Mord. Zufall?

Vorsitzende der Bauarbeitergewerkschaft Aparecido Galvão (China)

In der Nacht zum 11. Oktober 2007 wurde in der Kleinstadt Salto (ca 80 Km von Sao Paulo entfernt, im gleichnamigen Bundesstaat) der 56 jährige Vorsitzende der Bauarbeitergewerkschaft Aparecido Galvão (China) von zwei Autos verfolgt, gestoppt und dann erschossen. Bisher sind dies die einzigen bekannten Fakten und die CUT Gewerkschaften des Bundesstaates fordern nachdrücklich die Aufklärung des Mordes. Der naheliegende politische Zusammenhang sind eine Reihe sehr massiver Drohungen, die China kurz vor seiner Ermordung erhalten hatte: er war wesentlich dafür verantwortlich gewesen, dass die örtliche Bauarbeitergewerkschaft eine massive Kampagne zur Verbesserung der Lebensbedingungen der rund 70% informell Beschäftigten des Sektors organisiert hatte. Einige Tage vor dem Mord war es bereits zu Aggressionen gegen ihn und einige Kollegen gekommen, als die die Zustände an mehreren Baustellen die von Subunternehmen geführt wurden, fotografisch dokumentiert hatten. Die (portugiesische, hiermit kurz zusammengefasste) Meldung "CUT cobra apuração do assassinato do presidente do Sindicato dos Trabalhadores da Construção de Salto, no interior paulista" externer Linkvom 11. Oktober 2007 auf der Seite der CUT:

Die Kampagne zur Rücknahme der Privatisierung der Vale do Rio Doce: Keine guten alten Zeiten

Die Vale do Rio Doce - das war sozusagen das Kronjuwel der brasilianischen Staatsbetriebe, hat das Bergbauunternehmen doch die Verfügung über nachgeradezu immense Bodenschätze. Jetzt haben zahlreiche Organisationen der Linken und der sozialen Bewegungen eine Kampagne zur Rücknahme der Privatisierung begonnen - als eine, nach Gesetzeslage durchaus machbare, Forderung an die Regierung Lula. Was die Regierung Cardoso bezüglich der damaligen Privatisierung unternahm, war dermaßen am Rande der Legalität, dass eine Rücknahme dieses Prozeßes ohne Probleme legal machbar wäre, über einhundert Prozeße sind noch anhängig. In der ersten Septemberwoche findet dazu ein Plebiszit statt. Die "Volksbrigaden" im (Bergbau-, wie der Name sagt) Bundesstaat Minas Gerais sind eine der diese Kampagne tragenden Gruppierungen. Wie diese Kampagne bisher aussieht und warum die Brigadas Populares sich als eine eigentlich urbane Bewegung daran beteiligen - und weswegen sie weder für "Verstaatlichung" noch für das übliche Monopoly-Spiel ("gehe zurück auf Start") eintreten, erläutert im Interview "Keine guten alten Zeiten" Pedro Otoni am 5. September 2007, direkt an der neu (selbst) gelegten Telefonleitung in einem besetzten Hochhaus in Belo Horizontes (Landeshauptstadt von MG) sehr gutbürgerlichen Stadtteil Serra.

"Das war eine ganz normale Katastrophe"

Ein ausführliches Telefoninterview "Eine ganz normale Katastrophe" vom 30. Juli 2007 mit Vicente Farias von der Ingenieursgewerkschaft in São Paulo über Ursachen und Hintergründe des Flugzeug"unfalls" von Congonhas

Gegen "Emenda 3 " - und ein Volk von "selbstständigen" Elenden

Die Unternehmer sind dafür, die Medien auch - und die Mehrheit der Abgeordneten. Die Gewerkschaften - alle Gewerkschaften - sind dagegen, und Präsident Lula hat sein Veto eingelegt gegen die verabschiedete Emenda 3. Was unter einem neutralen Namen daherkommt, bedeutet eine grundlegende Umwidmung der Arbeitswelt: Prinzipiell soll damit jede Arbeitsbeziehung von einem Beschäftigungsverhältnis in ein Vertragsverhältnis verwandelt werden, Auseinandersetzungen wären dann Sache eines Zivilprozesses. Und während die Medienleute "überraschenderweise" gerade jetzt entdecken, dass das Vetorecht des Präsidenten vielleicht eine Art Einschränkung der Demokratie wäre - was ihnen etwa 1964 folgende nie eingefallen ist - mobilisieren die Gewerkschaftsverbände zum Widerstand. Dazu der Beitrag "Kampf gegen Emenda 3 - Gegen Verschlechterung von Arbeitsverträgen und gegen Scheinselbständigkeit" sowie eine Solidaritätserklärung und ein Soliaufruf an den DGB von der Hattinger Tagung Gewerkschaftliche Brasilienarbeit vom 3. Juni 2007.

Bundespolizei überfällt selbstverwalteten Betrieb

Seit fünf Jahren verwaltet die Belegschaft von CIPLA ihren betrieb selbst - gegen alle Widerstände und Hindernisse (etwa, dass das neue Unternehmen die Schulden des alten Privatbetriebes bezahlen sollte). Am Donnerstag, den 31. Mai nun eine neue, diesmal ganz andere Schwierigkeit: In den frühen Morgenstunden drangen 150 schwerbewaffnete Bundespolizisten in den Betrieb ein und blieben da und nahmen einige Kollegen fest - einstweilen ohne bekannte Begründung. Die Belegschaft sowie die Belegschaften anderer selbstverwalteter Betriebe im Bundesstaat São Paulo organisieren Solidaritätsaktionen, inklusive Protestschreiben an den Minister Tarso Genro (der vielen als Linker innerhalb der PT gilt). Der kurze (englische, hiermit kurz zusammengefasste Aufruf "Solidarität mit CIPLA" vom 31. Mai 2007, verbreitet über die Labour-L Mailingliste.

Arbeitszeitverkürzung in selbstverwaltetem Betrieb

Besetzte und selbstverwaltete Betriebe haben auch in Brasilien längst nicht Umfang und Bedeutung ähnlicher Erscheinungen in der Landarbeiterbewegung - aber sie spielen auch hier eine Rolle als Beispiel und Debatten-Katalysator. Weswegen der in einer CIPLA-Vollversammlung gefasste Beschluss einer Arbeitszeitverkürzung auf 30 Wochenstunden (angesichts einer realen 48 Stundenwoche) erst recht zahlreiche und intensive Debatten hervorrufen dürfte. Der (englische) Bericht "Historic meeting of workers of Latin America – Cipla workers vote for 30-hour week" externer Link vom 11. Dezember 2006 bei "In Defense of Marxism".

Solidarität mit Hausbesetzern

Landbesetzungen sind in Brasilien seit langem an der Tagesordnung und gehen trotz Kriminalisierung und politischen Manövern weiter. Hausbesetzungen haben in den letzten Jahren in den riesigen Städten des Landes massiv zugenommen - darunter auch solche, mit denen mehr beabsichtigt wird, als "nur" Wohnraum zu erreichen. Zum Beispiel bewohnte soziale Zentren zu organisieren - wie jetzt bei dieser Aktion in Belo Horizonte. Das (portugiesische, mit kurzer deutscher Zusammenfassung) Infoflugblatt und Solidaritätsaufruf der "Brigadas Populares" vom 24. November 2006.

Jetzt auch "Quilombolas" gegen Zellulosefabriken

Seit der Aktion landloser Frauen gegen Aracruz Zellulose im Süden des Landes gewinnt die "Bewegung gegen die grüne Wüste" im ganzen Land immer mehr an Kraft. Trotz einer landesweiten Hetzkampagne in den Medien und einer Kampfansage der Regierung an die Bewegung haben nicht nur mehrere Aktionsgruppen Landloser und AnwohnerInnen in verschiedenen Orten Aktionen gegen die grössten Zellulosewerke organisiert - indigene Gruppen folgten und jetzt auch Quilombolas (Quilombos hiessen die selbstorganisierten Orte entflohener Sklaven, von denen einige, teilweise auch innerhalb von Städten, weiter bestehen und die bestimmte Rechte haben - und mehr einfordern). Im Bundesstaat Espirito Santo haben Ende Juli 300 Menschen Eukalyptusbäume ausgerissen, die auf einem ehemaligen Quilombo-Friedhof gepflanzt worden waren und beschlossen anschliessend, das Gelände besetzt zu halten. In der Region von São Mateus (einst der fünftgrösste Sklavenhandels-Hafen des Landes) gab es bis in die 70 Jahre - als Aracruz anfing, in der Region zu investieren - noch rund 100 Quilombos, heute sind zwei Drittel von ihnen verschwunden, es gibt noch knapp über 30, in denen etwa 1200 Familien leben. Der Zusammenschluss der regionalen Quilombos will diese Vertreibungspolitik nicht nur beenden, sondern auch das Land wiederhaben. So wird es in der (portugiesischen, hiermit kurz zusammengefassten) Pressemitteilung "Quilombolas retomam área ancestral invadida pela Aracruz Celulose" der REDE ALERTA CONTRA O DESERTO vom 31. Juli 2006 berichtet.

Eukalyptus-Plantage zerstört: Bäuerinnen gegen Aracruz und (linken?) Agrarminister

Die Agrarreform ist (nicht nur in Brasilien, aber hier besonders) ein Mythos: Alle (Regierungen) reden davon, aber stattfinden tut sie nie. Es sei denn, es gibt genügend Druck. Ein zentraler Streitpunkt jeder Agrarpolitik sind die Monokulturen, nicht zuletzt jene der Papierproduzenten, bzw Zellulosefirmen. Aracruz ist davon in Brasilien die grösste. Am 8. März organisierten 2.000 Bäuerinnen - TeilnehmerInnen der Veranstaltungen rund um die 2. Weltkonferenz zur Agrarreform der FAO in Porto Alegre - eine nächtliche Aktion, und zerstörten in der Nähe der Stadt eine neue Eukalyptus-Pflanzung der Aracruz. Das Unternehmen beklagte sich beträchtlich (über alle Sender) und der irgendwie als "links" geltende Agrarminister Rossetto gab sich stramm investorenfreundlich: So eine Aktion, befand der Herr Minister, habe nichts mit der Agrarreform zu tun, sondern sei ein Fall für die Justiz. Ein aktueller Bericht "Gegen die grüne Wüste" vom 9. März 2006.

Der Krieg gegen die "gefährlichen Klassen": mehr Soldaten in Rios Favelas als auf Haiti

Auf der Suche nach Waffen - eine Handgranate zu finden, war schon eine Schlagzeile wert - hat die brasilianische Armee mehrere Favelas in Rio de Janeiro durchkämmt. Mit 1.600 Soldaten, mehr als an der Besatzung Haitis beteilgt sind. Das erste Opfer: Ein 16jähriger Schüler der "zufällig" getroffen wurde. Schon beim "Rolling Stones" Konzert an der Copacabana war über mehrere Slums der Umgebung eine Art Ausgangssperre verhängt worden. Die Journaille tobt - und die meisten Menschen finden es gut, richtig oder mindestens nötig. Schlaglichter auf einen aktuellen Krieg, der keineswegs nur in Brasilien stattfindet: "Gefährliche Klassen" vom 8. März 2006

Im Norden des Landes wurde ein Gewerkschafter ermordet. Im Süden ein weiterer. Und "in der Mitte" ein Gewerkschaftsaktivist angeschossen...

Nur wenige Tage nachdem im Süden (nahe Porto Alegre) des Landes ein Gewerkschafter (der LederarbeiterInnen) bei einem Polizeieinsatz ermordet wurde, starb auch im Norden, im Bundesstaat Pará ein Gewerkschafter - von "Unbekannten" erschossen. In Belo Horizonte wurden Gewerkschaftsaktivisten vom privaten Sicherheitsdienst einer Metallfirma überfallen: Einer wurde ins Bein geschossen, zwei mit Schlagstöcken verletzt. Zur selben Zeit verurteilt die Justiz in der Hauptstadt einen Gewerkschafter wegen eines Plakates - im Schnellverfahren. Eine Offensive gegen die Gewerkschaftsbewegung "im Schatten der Regierungskrise?" Ein kurzer Überblick "Neue Todeslisten?" vom 10.November 2005

"Tropical Karoshi"

So lautet der Titel eines Berichts des Arbeitssoziologen Ricardo Antunes in Brasiliens zweitgrösster Zeitung "Jornal do Brasil". Der Artikel insgesamt fasst eine Reihe aktueller Kritiken an der Wirtschaftspolitik der Lula-Regierung zusammen und verweist auf aktuelle Streikbewegungen sowohl im öffentlichen Dienst als auch in der Metallindustrie. Vor allem aber handelt er von den Lebensbedingungen der Arbeiter im "brasilianischen Kalifornien" - auf den Zuckerrohrplantagen der Region um Riberão Preto im Inneren des Bundesstaates São Paulo (eine Region, deren Grundbesitzer durch das "Proalcool" Programm der Militärdiktatur steinreich wurden). Neun Todesopfer gab es im September diesen Jahres, gestorben an Überarbeitung. Kein Stress japanischer Angestellter war es, der da tödlich wirkte. 12 Tonnen Zuckerrohr ist das Tagessoll eines solchen Tagelöhners - was täglich etwa 9.700 mal mit dem machetenähnlichen Werkzeug zuschlagen bedeutet...bei einem Tageslohn von dann etwa 10 Euros. Der (portugiesische, hiermit kurz zusammengefasste) Artikel "O Karoshi Tropical e a Velha República" externer Link von Ricardo Antunes im "Jornal do Brasil" vom 13. Oktober 2005

Obdachlosenbewegung organisiert Grossbesetzung im Bundesstaat São Paulo

Die Obdachlosenbeweung MTST - eine Art städtisches "Pendant" zur Landlosenbewegung MST (und von vielen in Brasilien als "Ausgeburt der MST" charakterisiert) hat in der paulistanischen Stadt Taboão da Serra ein Grundstück von etwa 100.000 qm besetzt, das vorher funktionslos war. Dort leben jetzt etwa 3.500 Menschen - und wollen da bleiben. Die Drohungen gegen diese Selbstorganisation zur Lösung des brennenden Wohnungsproblems sind heftig, weshalb die Besetzer um Solidarität bitten. Der "DRINGENDE AUFRUF DER BRASILIANISCHEN OBDACHLOSENBEWEGUNG MTST" in einer deutschen Übersetzung (von NT) vom 21. Oktober 2005.

Leben im Müll. Leben vom Müll

Mindestens eines viertel Million Menschen in Brasilien arbeiten als "catadores", Müllsammler für Recyclingfähiges - Papier, Coladosen, Plastikflaschen (kaum Glasflaschen). "Was früher ein eigentlicher Beruf war, ist bei der heutigen Massenarbeitslosigkeit für Tausende zu einer Form des Überlebens geworden: der Verkauf von aus dem Müll gefischten Altstoffen. In Kooperativen organisiert, könnten die Catadores ihre Stellung in der Recycling-Industrie stärken - theoretisch. Die Praxis sieht anders aus." - so beginnt der lesenswerte Bericht "Auf der Jagd nach der Coladose" externer Link von C. H. in der "Neuen Zürcher Zeitung" vom 28. September 2005.

Privilegiertenghettos als Gesellschaftsmodell

Die älteste ist auch die grösste: Alphaville in São Paulo ist eine "geschlossene Wohnanlage" mit etwa 40.000 EinwohnerInnen, eine Stadt in der Stadt - für die "besseren Leute". Die sich auch so fühlen. Finden tut man solche "Inseln der Sicherheit" (und des Hasses auf die gefährlichen Klassen) in und am Rande jeder brasilianischen Großstadt, die Zahl ihrer BewohnerInnen variert je nach Kriterien für solche Anlagen zwischen etwa 1,5 und 5 Millionen Menschen. Schlaglichter aus dem Alltag solcher Wohnanlagen und Überlegungen zu ihrer politischen und gesellschaftlichen Bedeutung bringt der Beitrag "Freiwillig eingesperrt" externer Link von Klaus Hart in der "ILA" Nummer 288 vom September 2005.

Die CUT und die Regierungskrise

Die Korruptionskrise der PT, Stimmenkauf, dunkle Finanzierung der Wahlkampagnen - alles dies nimmt immer größere Ausmaße an. In einer Situation, da einerseits die Korruptesten am lautesten "Korruption" schreien und andrerseits PT-Mitarbeiter mit umgerechnet 30.000 Euros in der Unterhose an Flughäfen festgehalten werden, schreibt der kommissarische Vorsitzende des CUT Gewerkschaftsbundes (7,4 Millionen Mitglieder) Wagner Gomes (Mitglied der CSC - die Gewerkschaftsströmung, die von der KP Brasiliens geleitet wird) den (portugiesischen) Kommentar "A CUT e a crise política" externer Link vom 19. Juli 2005, den wir in einer zusammenfassenden deutschen Übersetzung mit erläuternden Kommentaren veröffentlichen.

"Motoboys: Manche sterben halt..."

Motorrad-Kuriere sind keine neue Erscheinung des immer eiligeren Kapitalismus, zumindest in Südamerika nicht. Die explosionsartige Zunahme von Menschen, die gezwungen sind, einen der gefährlichsten Jobs der Gegenwart auszuüben, allerdings schon. In Brasiliens drittgrösster Stadt Belo Horizonte gibt es, bei 2,3 Millionen EinwohnerInnen (4,5 Millionen im Ballungsraum) mindestens 35.000 Motoboys. Was eine Bankrotterklärung der Autogesellschaft ist - und ein ständiger Gefahrenherd für viele Menschen. Wie die Fahrer ihre Arbeit, ihr Leben und die Gesellschaft sehen und erleben, was sie von Regierung und Gewerkschaften halten - dazu: "Motoboys: Manche sterben halt..." - eine Reportage über zwei Tage auf dem Rücksitz des Adlers ("Aguiar Expresso").

PT-Regierung in der Bredouille: Offener Brief der Gewerkschaften und sozialen Bewegungen

Die Vorwürfe des Vorsitzenden der Brasilianischen Arbeitspartei (Partido Trabalhista Brasileiro, PTB - die Partei der Diktatur des Estado Novo von 1930 bis 1945) Roberto Jefferson, die PT Regierung habe sich durch monatliche Zahlungen an Abgeordnete diverser Parteien Mehrheiten im Parlament gesichert, haben bereits zu grösseren Veränderungen in der Regierungsmannschaft geführt. Die Regierung - geschwächt durch den rapiden Verlust der Unterstützung durch die sozialen Bewegungen und Teilen der Gewerkschaft - steht den jetzt konzentrierten Angriffen der traditionellen (korrupten) Eliten und ihrer parlamentarischen Vertretungen hilflos gegenüber. Jetzt haben alle grossen sozialen Ogrnaisationen des Landes - neben der CUT und dem Studentenverband UNE (beide mehrheitlich pro Regierung) auch die Landlosenbewegung MST, die landesweiten Organisationen der Erwerbslosen, der Obdachlosen, und viele andere mehr einen offenen Brief an das brasilianische Volk gerichtet, mit der Aufforderung die Regierung zu verteidigen und deren Politik zu verändern. Der (portugiesische, mit kurzer deutscher Zusammenfassung) Aufruf "Carta ao povo brasileiro" vom 21.Juni 2005

Anwälte, Mediziner und Journalisten als Straßenkehrer

300.000 Bewerbungen auf 1200 freie Stellen - wenn die Stadt Rio de Janeiro Strassenkehrerjobs vergibt, bewerben sich auch Akademiker. In einem Land, in dem Wirtschaftspolitik mit einer offiziellen Arbeitslosenrate unter 10% gemacht wird - die vielleicht auch nicht stärker gefälscht ist, als deutsche Statistiken, wenn man davon absieht, dass mindestens 60% der Werktätigen im informellen Sektor arbeiten - sieht man nicht nur in Rio überall dort Schlangen von Menschen, wo es Jobs gibt. "Anwälte, Mediziner und Journalisten als Straßenkehrer" externer Link eine Reportage von Klaus Hart im "Ostblog" vom 3.Mai 2005

10 Jahre Bauarbeiter in den USA: Rückkehr im Sarg

André Luis Ferreira aus dem Städtchen Brumadinho im Bundesstaat Minas Gerais ist 32 Jahre alt geworden. In der Nacht zum 1.April 2005 starb der Bauarbeiter bei einem "Autounfall" an der mexikanisch-amerikanischen Grenze beim Versuch - wieder einmal - die Grenze ohne Erlaubnis zu übertreten. 1995 hatte er das erstmals gemacht, 1999 war er zu Besuch in Brasilien - und jetzt, weil seine Tante schwer krank war. Ein Gespräch mit Silvio Roberto Ferreira, Bruder des Toten, 36 jähriger Metallarbeiter und Aktivist des Gewerkschaftsbundes CUT vom 20.April 2005.

Polizeieinsätze und zahlreiche Festnahmen gegen die "Bewegung von Staudämmen Betroffener"

Der 14.März ist der internationale Tag des Protestes der von Staudämmen Betroffenen - eine Bewegung die aus gutem Grunde in Indien und Brasilien die meisten Menschen mobilisiert. In den Tagen davor und danach organisierte die brasilianische MAB zahlreiche Aktionen - und stiess auf in dieser Form zuvor nicht dagewesene Polizeipräsenz. Festnahmen in mehreren Bundesstaaten - die meisten in Santa Catarina und Minas Gerais - führten zu weiteren Demonstrationen. Ein kurzer Überblick vom 2.April 2005.

Lateinamerikas Dienstagsdemo – kontinentaler Aufschrei der Ausgeschlossenen in Lateinamerika und der Karibik am 12. Oktober

„Nur durch Druck der Volksbewegungen ändern wir neoliberale Politik“. Gespräch mit dem Lula-kritischen Brasilianer Luiz Bassegio, Koordinator des „Grito continental“, von Klaus Hart

Eine konservative Stadt - und der Aufruhr

Ein Telefoninterview vom 8.Juli 2004 mit Cristiano da Silva über die Ereignisse der beiden letzten Wochen in Florianopolis, Hauptstadt des südlichen Bundesstaates Santa Catarina: Dort hatten seit der vergangenen Woche Schüler und Studenten gegen die Erhöhung der Nahverkehrspreise protestiert. Als es am Mittwoch vergangener Woche zu einem massiven Polizeieinsatz gegen die Jugendlichen kam, der das Stadtbild prägte, kam es Nachmittags in der "rush-hour" zur massenhaften Konfrontation mit Pendlern, die mit der Preiserhöhung im Durchschnitt 15,6% mehr bezahlen müssen (Der Mindestlohn wurde gerade um 8% angehoben). Zerstörte Busse, stark beschädigte Busbahnhöfe und Zerstörungen im Verwaltungsgebäude der wichtigsten privaten Busgesellschaft waren Ergebnisse dieses Tages - und seitdem geht der Protest täglich weiter...

Wenn die Lichter ausgehen. Privatisierung und die Kultur des Stromausfalls in Brasilien

Artikel von von Ingo Melchers in ila 248 externer Link

Porto Alegre (Brasilien): Beteiligung statt Repräsentation oder auf dem Weg zu mehr Lebenqualität

Artikel von Hermann Dierkes in der Soz externer Link Nr. 18 vom 30.08.2001

Proteste gegen die Politik Cardosos im Herbst 1999

Am 26 August protestierten Tausende genen die soziale und wirtschaftliche Politik des Präsidents Henrque Cardosa. Die Militärpolizei schätzte, daß 60.000 Menschen daran teilnahmen. Die Organisatoren schätzen dagegen, daß 90.000 der erwarteten 110.000 am "Marsch der einhunderttausend" beteiligt waren. Die Demonstranten trugen Plakaten gegen die Sozialpolitik der Regierung und riefen "FHC (Cardosa) raus" und "raus aus dem IMF". Leider sind die Berichte auf Englisch.

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Privatisierung und Widerstand

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Brasilien im Auswärtigen Amt der
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Gewerkschaftliches aus Brasilien bei LabourStart externer Link

Brasilien bei der Informationsstelle Lateinamerika (Ila) externer Link

Brasilien bei den Lateinamerika Nachrichten externer Link

Poonal - Deutsche Ausgabe des wöchentlichen Pressedienstes lateinamerikanischer Agenturen externer Link

Wir danken der Rosa-Luxemburg-Stiftung


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