Bestreikte Universitäten, geplünderte Supermärkte und Zusammenbruch des Gesundheitswesens: Offene Krise in Argentinien

Am 21. Mai 2018 Zehntausende in Buenos Aires gegen neuen Pakt mit dem IWFDie Argentinier fühlten sich in der vergangenen Woche wie in einem Film, den sie schon oft gesehen haben: In drei Tagen verlor der Peso, die Währung des Landes, zeitweise 25% an Wert gegenüber dem Dollar. Als Präsident Mauricio Macri ankündigte, beim Internationalen Währungsfonds (IMF) um grössere Hilfskredite anzufragen, erhöhte dies nicht das Vertrauen der Finanzinvestoren, im Gegenteil. Als der IMF mit seiner Antwort etwas zögerte, stürzte der Peso kurzzeitig ins Bodenlose. Zum Wochenende war zwar wieder eine Stabilisierung zu verzeichnen, dennoch hat die Landeswährung alleine im August 40% gegenüber dem Dollar verloren. Im Vergleich zum Jahresanfang müssen die Argentinier nun doppelt so viel Pesos für einen Dollar zahlen. (…) Macri erarbeitete mit seinem Wirtschaftsteam über das Wochenende Sparmassnahmen und Steuererhöhungen, die er an diesem Montag in Buenos Aires vorstellen und am Dienstag in Washington mit dem IMF verhandeln will. IMF-Sprecher Gerry Rice erklärte, dass der Währungsfonds möglichst schnell ein überarbeitetes Programm vom Exekutivkomitee verabschieden lassen wolle. Argentinien könnte dann schnell an höhere Kreditauszahlungen aus Washington kommen…“ aus dem Artikel „Argentinien will noch mehr sparen – die Nervosität steigt“ von Alexander Busch am 02. September 2018 in der NZZ externer Link der sich vor allem den Sorgen der Finanzinvestoren widmet, während die Opposition in Argentinien das größte Problem im Lösungsversuch sieht – der nun erneuerten Abhängigkeit vom IWF, der älteste Film des Landes. Siehe dazu auch drei kurze Beiträge über aktuelle Proteste und Aktionen:

  • „Looting at supermarkets also in two cities“ am 01. September 2018 beim Twitter-Kanal Ubique externer Link ist ein Videobericht über Plünderungen in Supermärkten zweier Städte in Argentinien. Diese aktionen, so wird in ergänzenden, angehefteten Tweets erläutert werden in der Regel von Jugendlichen aus Armenvierteln organisiert – und sind die Antwort auf die Spekulationspraxis der großen Ketten, die immer wieder Waren erst anbieten, wenn sie höhere Preise nehmen können, was nicht zuletzt Lebensmittel betreffe.
  • „200 Centros dejan dsd el sábado de prestar servicios“ am 31. August 2018 beim Twitter-Kanal von Marga Wirkierman externer Link (Unidad Ciudadana Antiimperialista) ist ein Beitrag über die Schließung von 200 Krankenstationen, die im Rahmen des Programms Incluir Salud (der Vorgängerregierung, ein Gesundheitsprogramm für Arme) 1.500 PatientInnen zur Dialyse betreuten und nun, aufgrund der Kürzung staatlicher Finanzierung, diese Tätigkeit beenden müssen – zum 1. September. Nahe liegender Weise gibt es dagegen nicht nur massive Proteste, sondern dabei eben auch den ständigen Hinweis auf die Spardiktate des IWF, der nicht zum ersten (und auch nicht erst zum zehnten) Mal seine Schreibtischtäter auf die Menschen loslässt.