Arbeiter beim deutschen Autozulieferer Kromberg und Schubert in Argentinien kämpfen gegen Entlassungen und miserable Arbeitsbedingungen

DossierArbeiter beim deutschen Autozulieferer Kromberg und Schubert in Argentinien kämpfen gegen Entlassungen und miserable Arbeitsbedingungen

Die 700 Arbeiter in der argentinischen Niederlassung in einem großen Industriepark im Norden von Buenos Aires (Pilar) des deutschen Konzerns Kromberg & Schubert, der elektrische Kabelbäume für Volkswagen und Mercedes Benz produziert, kämpfen seit Mitte 2013 gegen ihre Entlassung und für das Recht auf echte, nicht “gelbe” gewerkschaftliche Organisierung. Siehe dazu:

  • Nach einem Jahr Kampf: Erfolg argentinischer Arbeiter bei deutschem Autozulieferer
    Kromberg & Schubert: Erfolg argentinischer Arbeiter bei deutschem AutozuliefererSeit rund 15 Jahren produziert Kromberg & Schubert im Industriezentrum von Pilar – einem der grössten Industrieparks Argentiniens mit insgesamt rund 20.000 Beschäftigten – für VW und Daimler. 2013 gab es erstmals Proteste und Aktionen der Belegschaft, denen mit dem „Herr im Hause“ Standpunkt begegnet wurde – 50 AktivistInnen wurden entlassen. „Nie wieder“ würden sie das Gelände der Fabrik betreten, liess das Unternehmen mitteilen und mobilisierte dafür auch seine Hausgewerkschaft UOyEP (Unión Obrera y Empleados Plásticos) – die einer der Gründe für die Aktivität war, die Beschäftigten wollten endlich eine richtige Gewerkschaft. Die Entlassung von Daiana Álvarez, Analía Martínez und Maximiliano Torres stand im Zentrum der Auseinandersetzungen, denn diese zwei Kolleginnen und der Kollege waren jene, die für die Gründung einer neuen Gewerkschaft repräsentativ standen. Am 19. Januar mussten sie wieder eingestellt werden. In dem Bericht „Histórico triunfo obrero en Kromberg“ von Dardo Ocampo Lizondo am 23. Januar 2015 bei der PTS externer Link wird noch einmal nachgezeichnet wie der Widerstand gegen die Entlassungen immer breiter wurde – sowohl in der Zusammenarbeit mit anderen Belegschaften aus dem Industriepark, als auch durch die Gründung eines prominent besetzten Unterstützungskomitees – so dass die Geschäftsleitung schliesslich einknicken musste und nachgeben – was ein Beispiel für ähnliche Auseinandersetzungen werden könnte

  • Marsch zur Botschaft
    Beschäftigte eines deutschen Automobilzulieferers in Argentinien kämpfen weiter gegen Entlassungen. Unterstützung für ihre Forderungen kommt auch aus der BRD. Artikel von Wladek Flakin in der jungen Welt vom 26.02.2014 externer Link.  Aus dem Text: „Können wir kurz einen Beitrag über die Entlassungen bei Kromberg halten?« Am Freitag abend wurde eine Unterhaltungssendung im argentinischen Fernsehen unterbrochen. Bei »Duro de Domar«, die live produziert wird, sprangen vier Jugendliche auf der Bühne und berichteten von den 54 Entlassungen beim Autozulieferer Kromberg & Schubert im Norden von Buenos Aires. (…) Am 13. Februar hatten die von den Kündigungen Betroffenen zusammen mit einigen hundert Kolleginnen und Kollegen von umliegenden Fabriken sowie solidarischen Studierenden alle vier Eingänge des Industrieparks Pilar blockiert. Pilar, mit rund 200 Unternehmen der zweitgrößte Ansiedlungskomplex für Firmen in Lateinamerika, wurde ab 4.30 Uhr morgens durch Streikposten und brennende Autoreifen abgeriegelt. Bis zum Mittag kamen die Busse mit Arbeitern anderer Betriebe nicht durch. Solidarität mit den Entlassenen bekundeten nicht nur andere Belegschaften sondern auch linke Parlamentsabgeordnete. (…) Auch hatte ein Gericht die Wiedereinstellung von zwei der 54 gekündigten Beschäftigten in ihre alten Positionen angeordnet, doch das Unternehmen verweigert seit einer Woche die Umsetzung dieses Beschlusses. Am Montag wurde Kromberg & Schubert ganztägig blockiert. Gegen Abend griff die Polizei ein. Drei Arbeiter wurden laut Angaben der Demonstranten schwer verletzt und einer, Maximiliano Torres, verhaftet. Nach Protesten kam er wieder frei. Am 20. Februar hatten die Arbeiter die Straße Avenida del Libertador blockiert und waren anschließend zur deutschen Botschaft marschiert…“ Siehe auch die Langfassung bei indymedia linksunten externer Link
  • Kromberg setzt mafiöse “Gewerkschaft” gegen ihre Arbeierinnen und Arbeiter in Argentinien ein
    Szenen verbaler Gewalt und Drohungen gegen die Integrität der Arbeiterinnen und Arbeiter sind zum Alltag in dem deutschen Zuliefererbetrieb geworden, welcher Autoteile für Volkswagen und Mercedes-Benz im Industriepark von Pilar produziert. Alle diese illegalen Manöver haben das Ziel, den Prozess der Organisierung, den die Arbeiterinnen und Arbeiter vorantreiben, und welcher durch anti-gewerkschaftliche Entlassungen nicht gestoppt werden konnte, zu unterdrücken.
    Arbeiterinnen und Arbeiter von Kromberg und Schubert weisen darauf hin, dass Leonardo Gucione und Enrique Bracalenti, beides Führer der fragwürdigen Kunststoff-„Gewerkschaft“,  diese Kampagne gegen die Belegschaft ausführen. Sie attackieren jene, die sie eigentlich vor Missständen schützen sollten, fungieren als Rechtfertiger des Vorgehens der Arbeitgeberseite und prognostizieren Entlassungen mit dem Ziel durch die Verbreitung von Angst gewerkschaftliche Organisation zu erschweren. All diese Aktionen stehen im Widerspruch zu den Zielen, die eine Gewerkschaft verfolgen sollte, und sind funktional für die Prekarisierungspolitik der Arbeitgeberseite
    …” Stellungnahme der Federación de Trabajadores de la Industria y Afines (FeTIA) vom 14.2.2014 zu den aktuellen Einschüchterungsversuchen gegenüber den kämpfenden ArbeiterInnen in dt. Übersetzung
  • Wir fordern die Wiedereinstellung der entlassenen ArbeiterInnen bei Kromberg & Schubert in Argentinien und das Ende der antigewerkschaftlichen Verfolgungspraktiken
    „Während die Belegschaft mitten in den Ferien war, hat der deutsche Konzern Kromberg & Schubert, der elektrische Kabelbäume für Volkswagen und Mercedes Benz produziert und sich im Industriepark Pilar im Norden von Buenos Aires befindet, 54 ArbeiterInnen entlassen. Diese Entlassungen sind ein klares Beispiel der Diskriminierung und der Verfolgung von uns ArbeiterInnen, die sich zur Verteidigung der Entlassenen von 2013 organisiert haben, und unsere legitimen Rechte auf gewerkschaftliche Organisierung wahrnehmen. Wir forderten Lohnerhöhungen fordern und prangerten die schlechten Arbeitsbedingungen, die Berufskrankheiten, die Prekarisierung, das Mobbing und die Misshandlung an, die wir seit 15 Jahren erleiden. In diesen Jahren wurde es uns nicht erlaubt, gewerkschaftliche Delegierte zu wählen, was unser grundlegendstes Recht auf gewählte gewerkschaftliche VertreterInnen verletzte, und letztes Jahr gab es einen Wahlbetrug. 80% der Belegschaft besteht aus jungen Frauen, viele von uns sind alleinerziehende Mütter und Familienernährerinnen.
    Kromberg & Schubert wurde wegen der Ausbeutung von Sklavenarbeit während der Nazizeit angeklagt. Auch in Südafrika wurde die Firma von ihren ArbeiterInnen und Menschenrechtsgruppen wegen einer antigewerkschaftlichen und rassistischen Politik gegen schwarze Arbeiter beschuldigt.
    Jetzt im Jahr 2014 entlässt die Firma wieder ArbeiterInnen, die sich organisieren. Nach Jahren mit millionenschweren Gewinnen rechtfertigt Kromberg & Schubert diese Entlassungen, weil einige Monate lang ein leichter Rückgang der Produktion stattgefunden hätte. Doch es handelt sich um ein millionenschweres Unternehmen, das gerade zwei neue Produktionslinien für Volkswagen und Mercedes für neue Modelle eröffnet hat. Außerdem hat die argentinische Regierung vor Kurzem einen Investititionsplan angekündigt, um die Hersteller von Autoteilen zu subventionieren, um Importe zu ersetzen und Arbeitsplätze zu schaffen. Außerdem hat Kromberg einen hohen Anteil von prekarisierten LeiharbeiterInnen mit unsicheren Verträgen.
    Die UnterzeichnerInnen verurteilen diese Diskriminierung und Verfolgung durch Entlassungen und fordern die sofortige Wiedereinstellung sowie das Ende der antigewerkschaftlichen Verfolgungspraktiken. Wir sehen darin eine Verletzung der grundlegenden Prinzipien der etablierten Menschenrechte, nicht nur in der argentinischen Verfassung, sondern auch in internationalen Verträgen.
    “ Vorschlag für eine Solidaritätserklärung.
    Solidaritätsadressen bitte an: troliomaria@hotmail.com  und mt_pitu_21@hotmail.com
    Wir bitten, solidarische Betriebsräte von deutschen Kromberg & Schubert Standorten sich bei uns zu melden! Redaktion@labournet.de
  • Besetzung und Blockade
    „Fast 26000 Arbeiter in 30 Fabriken rund um die Welt. So viele Menschen beschäftigt der deutsche Autozulieferer Kromberg und Schubert. Doch an einem Standort gibt es aktuell große Probleme. Die 700 Arbeiter in der argentinischen Niederlassung, in einem großen Industriepark im Norden von Buenos Aires, kämpfen seit dem letzten Jahr gegen ihre Entlassung…
    Artikel von Wladek Flakin in der jungen Welt vom 05.02.2014 externer Link. Aus dem Text: „… Seit der Eröffnung der Fabrik im Jahr 1997 gab es viele Beschwerden von der Belegschaft: Dabei ging es nicht nur um die Löhne, die mit umgerechnet 550 Euro im Monat im Vergleich zu umliegenden Fabriken niedrig sind. Kritiker werfen dem Unternehmen auch Mobbing und Belästigung vor, um zu verhindern, daß die Arbeiter auf ihren Rechten bestehen. Denn in den 15 Jahren seiner Existenz gab es keine gewerkschaftliche Struktur im Werk. Bis zu 30 Prozent der Belegschaft besteht aus Leiharbeitern. (…) Mitte 2013 wurden 12 Arbeiter entlassen, nachdem sie sich der argentinischen Gewerkschaftsföderation CTA angeschlossen hatten. »Da sagten wir, vor allem die Frauen, Basta!«, erinnert sich Álvarez. Im Juni letzten Jahres wurde die ganze Fabrik durch einen mehrstündigen Streik lahmgelegt. (…) Das Unternehmen beharrte jedoch auf den Entlassungen. So kam der Kampf in die nächste Phase: eine zehntägige Blockade der Fabrik. (…) Das Jahr 2014 begann mit der erneuten Entlassung von 54 Kollegen, die im Jahr davor in der ersten Reihe des Kampfes gestanden hatten. (…) »Nein zum unternehmerischen Nazismus« steht auf einem großen Banner, das die Entlassenen zu Protesten tragen. Ein Hakenkreuz ist neben den Logos von Mercedes und Volkswagen zu sehen – beides Firmen, die von Kromberg beliefert werden. Bekannt ist, daß die Firma unter dem deutschen Faschismus in einem Zivilarbeiterlager in Wuppertal 140 Zwangsarbeiter ausgebeutet hat. »Kromberg und Schubert hat eine schwarze Geschichte der Ausbeutung von Sklavenarbeit«, heißt es auf einem Flugblatt der Streikenden in Buenos Aires. Der Daimler-Konzern, der von Kromberg beliefert wird, hatte während der Militärdiktatur in Argentinien mit Todesschwadronen zusammengearbeitet, die den dortigen Betriebsrat entführten und »verschwinden« ließen…“