AGR: Der Kampf der Drucker von Buenos Aires wird zu einem Pol aller Menschen, die sich wirklich gegen die Regierung Macri zur Wehr setzen wollen

Im Kampf gegen Clarin: Strassenblockade in Buenos Aires am 9.2.2017Seit 14. Januar 2017 dauert die Betriebsbesetzung der Belegschaft der Druckerei AGR des Clarin-Konzerns nunmehr bereits an (wir berichteten) – und sie wird allmählich zu einer Art Wasserscheide des Widerstands gegen den Kurs des plump neoliberalen Präsidenten Macri (und seiner Wahlkampfmaschine Clarin). War bereits bei der Demonstration am 4. Februar, die zum Arbeitsministerium führte, aufgefallen, dass Gewerkschaftsverbände durch Abwesenheit „glänzten“, so geschah dies erneut am Donnerstag, 9. Februar. An diesem von zahlreichen Kräften beschlossenen Aktionstag gab es in vielen Städten – vor allem, aber nicht nur, rund um Buenos Aires – Strassenblockaden, zu denen die Belegschaft aufgerufen hatte. Zahlreiche gewerkschaftsoppositionelle Kräfte folgten diesem Aufruf ebenso, wie eine ganze Reihe von Einzelgewerkschaften und linken Gruppierungen. Die Belegschaft wendet sich nun mit einem offenen Brief an die Gewerkschaftsbewegung mit dem Aufruf, ihren Kampf nicht als alleinstehend zu betrachten, sondern, im Gegenteil, als exemplarisch für zahlreiche aktuelle Auseinandersetzungen, für wachsenden Widerstand gegen die Entlassungswelle und als Protest gegen die Teuerungswelle –  beides Ergebnis des Wunsches der Unternehmen und seiner Erfüllung durch Macri. Siehe dazu vier aktuelle Beiträge und den Verweis auf bisherige Berichte:

  • „CARTA A LOS TRABAJADORES Y LA CGT“ vom 06. Februar 2017 auf der Facebook-Seite der AGR Belegschaft externer Link ist der Offene Brief, mit dem sich die Werksbesetzenden an die allgemeine Öffentlichkeit, vor allem aber an den Gewerkschaftsbund CGT (dem ihre Gewerkschaft angehört, in der sie sich ebenfalls in Opposition befinden) und an die ArbeiterInnen im Allgemeinen. Darin wird vor allem gefordert, dass die Gewerkschaften, statt Beschlüsse über Aktionen ohne Datum zu fassen, zwei Dinge organisieren sollen: Erstens möglichst viele möglichst breite Betriebsversammlungen und zweitens ganz konkrete Schritte mit Datum für einen Generalstreik zu unternehmen.
  • „AGR-Clarín: importante jornada de lucha, otra vez ocultada por el cerco mediático“ am 10. Februar 2017 bei La Izquierda Diario externer Link ist ein Bericht über den Aktionstag 9. Februar mit zahlreichen Straßenblockaden, über den, so wird in dem Artikel hervorgehoben, die anderen Medienunternehmen einmal mehr einen Boykott verhängt haben – trotz tausendfacher Beteiligung kein Bericht. Es wird auch sehr ausführlich informiert, welche Gewerkschaften und sonstige Organisationen sich beteiligt haben. Berichtet wird darin, dass aufgrund dieser Aktionen endlich ein Gespräch mit dem Arbeitsministerium am kommenden Montag stattfinden wird, was der Minister bis dahin abgelehnt hatte. Dann, so der Sprecher des betrieblichen Gewerkschaftsgremiums, wolle man Vorschläge für Lösungen im Sinne der Belegschaft hörenaktionstag clarin
  • „Panorama Sindical“ von Mario Hernandez am 07. Februar 2017 bei AnRed externer Link ist ein monatlicher Überblick über die Entwicklung des argentinischen Krisenkapitalismus, der die genannte Entlassungswelle sehr deutlich macht und in dieses Panorama den Kampf der AGR Belegschaft einordnet. Dabei wird auch hier sehr zentral die Frage der gewerkschaftlichen Differenzierung anhand dieses Kampfes behandelt – inklusive entsprechender Schmähgesänge bei der Demonstration am vergangenen Samstag.
  • „Un frente de lucha en defensa de los derechos de los trabajadores“ von Gustavo Robles am 09. Februar 2017 bei rebelion.org externer Link ist ein Beitrag der, von der „Vollversammlung der Arbeiter zur Unterstützung der AGR Belegschaft“ am 6. Februar ausgehend, die Debatten um die Gewerkschaftsbewegung in der aktuellen Situation Argentiniens versucht, zusammenzufassen. Diese Versammlung, bei der Delegationen aus Dutzenden von Betrieben sich beteiligten, war das gremium, das für drei Tage später die Straßenblockaden beschlossen hatte. Für den Autor ist das Wichtigste daran, dass dieser „Geist der Einheit“ auch für die anderen Kämpfe gelten müsse, um so zu einer gemeinsamen Front für die Rechte der ArbeiterInnen zu kommen – mit allen zusammen, die dies wollen, die Anderen braucht man ohnehin nicht