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30.000 bei der Solidaritäts-Demonstration mit der Pepsi Belegschaft in Buenos Aires: Der Kampf geht weiter

Plakat der BetriebsbesetzerInnen Pepsi Buonos Aires vom 21.6.2017Am Dienstag, 18. Juli 2017 nahmen über 30.000 Menschen an der Solidaritäts-Demonstration mit der Belegschaft des Pepsi Cola –Süßwarenwerkes in Buenos Aires teil, die in der Vorwoche von der Polizei überfallen worden waren und ihre Betriebsbesetzung gewaltsam beendet – trotz massiven Widerstandes, von dem sich aber hier niemand gezwungen fühlte, sich zu distanzieren. Präsident Macri übte sich derweil in Beschimpfungen der Belegschaft und der Arbeitsgerichtsbarkeit (die das Entlassungsdiktat der Pepsi-Geschäftsleitung als illegal beurteilt hatte, im Gegensatz zur willigen Richterin, die die Zwangsräumung angeordnet hatte) – während die Gewerkschaftsbewegung einmal mehr gespalten reagiert: Während eine ganze Reihe von Gewerkschaften, gewerkschaftsoppositionellen Listen und betrieblichen Gremien zusammen mit der Belegschaft zum Protestmarsch zum Arbeitsministerium aufgerufen hatten, gab es während dieser Tage eine Reihe von Gewerkschaftsführern, die weiterhin ihre engen Beziehungen zur Macri-Regierung demonstrierten. Siehe dazu eine kleine Sammlung aktueller Beiträge:

  • „Argentine Workers Launch Boycott, Protest Against PepsiCo“ am 18. Juli 2017 bei TeleSur externer Link ist ein Bericht über die Demonstration in Buenos Aires am selben Tag, in dem vor allem die Kundgebungsrede des Sprechers des betrieblichen Gewerkschaftskomitees Camilo Mones wieder gegeben wird, der einmal mehr die Absicht des Unternehmens kritisierte, mit der willkürlichen Kündigung der ganzen Belegschaft „über Nacht“ die Bahn frei machen zu wollen für eine Wiedereröffnung mit billigeren „Arbeitskräften“. Die wachsende Zahl von Betriebsbesetzungen sei Ergebnis der Entlassungswelle, die Macri seit seinem Regierungsantritt fordere und begünstige, die bisher 200.000 Menschen auf die Straße beförderte. Abschließend rief er zu einem Pepsi-Boykottauf.
  • „Pepsico y Daer: tradiciones de combate, tradiciones de traidores“ von Facundo Aguirre am 18. Juli 2017 bei La Izquierda Diario externer Link ist ein Beitrag über die Situation der Gewerkschaftsbewegung in Argentinien und dem Kampf bei Pepsi. Unabhängig von der beinhalteten Parteipropaganda ist dies eine kurze Skizze der „zwei Traditionen“ in der Gewerkschaftsbewegung des Landes, wie sie sich seit ihrem Beginn durchzieht, und worin die kämpferische Tradition, die ja auch in einzelnen Gewerkschaften oder regionalen Gruppierungen mehrheitsfähig ist, stets vor allem im Wirken der betrieblichen Gewerkschaftskomitees zutage trat, wie eben auch jetzt bei Pepsi – und dies einmal mehr in offenem Gegensatz zur Gewerkschaftsführung, die jeglichen Widerstand auf Wahlen orientieren will. Diese Tradition sei eben jene der Zusammenarbeit mit der Regierung, sei es mit Peron oder der Militärdiktatur – oder der Privatisierungsoffensive der 90er Jahre. Und die Person des Vorsitzenden der Föderation der Nahrungsmittelgewerkschaften, Rodolfo Daer, der wie Expräsidentin Kirchner auf die Wahlen orientiere und vorher beten empfehle, sei für diese zweite Tradition der argentinischen gewerkschaftsbewegung, der immer noch vorherrschenden Tradition nur eine Personifizierung.
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=118997
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