| "Angolagate" - die paralellen Strukturen des Bürgertums in Westeuropa treten zutage..: Die 170.000 Personenminen werden nicht bestraft 
Der EU Bürger weiss natürlich: In den Staaten, die "von uns" Demokratie zu lernen haben, gibt es neben der gewählten Regierung noch andere Machtstrukturen, die ihre Leute selber wählen. Was er durchaus auch wissen könnte, aber meist nicht will, trat jetzt in einem Prozeß in Frankreich zutage: Dass es solche Strukturen eben auch in den sogenannten Kerndemokratien Europas gibt. Was in Frankreich vor beinahe einem Jahrzehnt als Bestechungsskandal begann - und bis zum Schluß so behandelt wurde - fand sein vorläufiges Ende in der Verurteilung des ultrakonservativen früheren Innenministers Pasqua. Was in dem Prozeß aber vor allem nicht behandelt wurde: Die Beteiligung der französischen Ölfirmen an der Fortdauer des Bürgerkriegs in Angola und die menschlichen Opfer, die diese Art Politik gefordert haben. Unsere aktuelle Materialsammlung "Angolagate und viel mehr" vom 25. November 2009 legt den Schwerpunkt genau auf diese beiden Problemkomplexe.
Ausgerechnet Luanda?
Die Fans der UNO sind ausserhalb Europas wesentlich geringer an Zahl als in hiesigen Breitengraden - die Anhänger eines wahrhaft sozialen Wohnungsbaus dafür umso mehr. So gab es auch Protest dagegen, dass der Weltwohntag ausgerechnet in Luanda durchgeführt wurde - eine Hauptstadt, die exemplarisch dafür steht, dass Stadtplanung - erst recht heutezutage - gleichbedeutend mit Vertreibung ist. In dem gemeinsamen Aufruf "Angola bad choice to host World Habitat Day" vom 6. Oktober 2008 haben Amnesty International, das Centre on Housing Rights and Evictions, die Habitat International Coalition und Human Rights Watch darauf verwiesen, dass gerade in Luanda in den letzten Jahren zehntausende von Menschen durch die "Moderne Stadtplanung" vertrieben worden sind. Die Organisationen unterstreichen, dass der weltweite Wohnungstag dafür steht, dass jeder Mensch ein Recht auf Wohnung habe und nicht für das Recht auf Spekulation...
Freibier statt Friedensdividende: Wirtschaftsboom und Erdölrendite vertiefen die Kluft zwischen Arm und Reich in Angola
„Sechs Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges zwischen der heute sozialdemokratischen MPLA und der pro-westlichen UNITA und sechzehn Jahre nach dem letzten Urnengang fanden in Angola am 5.und 6.September 2008 erstmals wieder Parlamentswahlen statt. Dabei bestehen am Sieg der seit 33 Jahren regierenden Volksbewegung für die Befreiung Angolas (MPLA) wenig Zweifel. Grund dafür ist – trotz vieler enttäuschter Erwartungen – die Hoffnung auf eine Friedensdividende, denn Angola erlebt derzeit einen Boom wie kaum ein anderer Staat auf der Welt. In den letzten drei Jahren bewegte sich das Wirtschaftswachstum zwischen 18,6% und 21%. In diesem Jahr sollen es dem „Economist“ zufolge 16% sein. Anders als bei solchen Schwindel erregenden Raten üblich, sinkt parallel dazu die Inflation, die für 2008 auf 9 Prozent veranschlagt wird. Der Leistungsbilanzüberschuss betrug 2006 stolze 23,3% des Bruttoinlandsproduktes. Das heißt, Angola verbrauchte knapp ein Viertel weniger als es einnahm...“ Artikel von Waldemar Bolze vom September 2008 
Zwangsumsiedlungen
in Luanda werden fortgesetzt
Die Planungen für die Hauptstadt Luanda seien,
so rühmen sich ihre Autoren, das grösste Städtebauprojekt
Afrikas. Etwas anderes sind sie in jedem Falle auch: eines der grossen
Vertreibungsprojekte Afrikas. Amnesty International hatte bereits
vor einigen Jahren einen Bericht über diese Vertreibungen von
Zehntausenden veröffentlicht, die oft genug noch nicht einmal
vorher informiert wurden und denen gegenüber die Armee mit
Schüssen und Schlägen vorgeht. Jetzt veröffentlicht
ai den Fortsetzungsbericht - um zur Feststellung zu kommen, dass
sich auch in den letzten drei Jahren nichts geändert habe.
Auch das neue Landgesetz benennt nur Gründe für Enteignung
und Vertreibung - nicht aber irgendein Recht der Betroffenen. Aktivisten
der Einwohnerorganisation SOS Habitat werden regelmässig drangsaliert
und oft festgenommen. Ein Teil der Siedlungen, die militärisch
geräumt werden, befindet sich auf Ländereien, die der
katholischen Kirche zurückgegeben worden waren. Der ausführliche
(englische) ai-Bericht "Lives
in ruins: forced evictions continue"
vom 15. Januar 2007.
Das neue OPEC Mitglied und die Korruptionsvorwürfe...
Ab 1. Januar 2007 ist Angola OPEC Mitglied - schliesslich
ist das Land der zweitgrösste Ölproduzent südlich
der Sahara (nach Nigeria). Humanrights watch weist in einem aktuellen
Bericht darauf hin, dass fristgerecht zum Beitritt in der Hauptstadt
Luanda eine Demonstration verfolgt wurde - mit 28 Festnahmen - die
die Aufklärung von Korruptionsvorwürfen forderte. Die
Festgenommenen wurden gegen Zahlung auffallend hoher Kaution bis
zum Verfahren auf freien Fuß gesetzt. Die (englische) Kurzfassung
eines hrw-Berichts "New
OPEC Member Should Tackle Corruption Not Critics"
publiziert am 15. Dezember 2006 bei "Liberation Afrique".
"Wir wollen doch nur euer Bestes..."
Die Vertreibung von Menschen aus Slums ist heute weltweit
eine meist unbeobachtete soziale Katastrophe, gegen die die Betroffenen
sich (meist alleine) so gut es geht wehren. Und ob es Stadtplaner
in Indien, Kazachstan, Nigeria, Brasilien oder eben Angola sind:
immer wollen sie ja nur das Beste...Die kurze Korrespondenz "Boavista
adieu" von Jaime Pereira vom 10. Juli 2006 berichtet eben von
der "Umsiedlung"
mehrerer Hundert Menschen an den Stadtrand Luandas.
Gewerkschaften nach dem langen Krieg
Ende November besucht eine Delegation der UNI-Internationale
Angola und dort speziell drei Gewerkschaften, die der UNI angeschlossen
sind: der Banken, die Föderation der der Nahrungsmittelindustrie-
Handels- und Hotelgewerkschaften und die Gewerkschaft der Hausangestellten
und ähnliche Berufe. Der kurze Bericht signalisiert vor allem
zwei Grundprobleme, die alle drei Organisationen haben: Im Vergleich
zu 1996 sind die Mitgliederzahlen drastisch gesunken - auf etwa
15-20 Prozent einstiger Zahlen. Fluchtbewegungen und zerstörte
Betriebe werden als Hauptursachen genannt. Und daraus ergeben sich
enorme Finanzprobleme, die in einem Fall bisher sogar die Durchführung
eines Kongresses verhindert haben - bei der Bankgewerkschaft SNEBA,
die nicht dem UNTA Verband angehört. Der kurze (englische)
Bericht der UNI-Delegation "Report
of the UNI-Africa Mission to Angol a, November 2005"
von Simião Simbine vom 1. Dezember 2005 bei der UNI.
Viele Diamanten. Kein Wasser
Der Bürgerkrieg in Angola ist zuende, die katastrophalen Zustände gehen weiter - und damit sind nicht nur die deutschen Wertarbeit-Minen gemeint, die immer noch Menschen zerfetzen. (Wenn wir nicht, machen es halt andere, ist bei so etwas immer die Ausrede). Es gibt jede Menge Diamanten - und viele Erwerbslose (aus Angola und anderswo) versuchen, trotz Militäreinsatz, sie "privat" abzubauen. Dafür ist eine öffentliche Wasserpumpe in der Hauptstadt Luanda bereits ein Fortschritt. Ein Gespräch mit João Passos Leite (Mitglied einer Anwohner-Wasserkomission in Luanda), geführt Ende Januar 2005 in Porto Alegre, unter anderem über die Fragen, warum viel Geld für den Krieg da war, aber keines für Wasser - und was AngolanerInnen von deutscher Wertarbeit halten.
Day in the life of an Angolan car washer
Luis Paolo ist ein 22jähriger Flüchtling aus dem angolanischen Hochland. Wie unzählige andere muss er sich durchschlagen. Mit Autowaschen für UN-Beamte. Wie sein Leben aussieht, wird in dem (englischen) redaktionellen Artikel des "Mail and Guardian" (Südafrika) vom 6.Januar 2004 auf dessen homepage beschrieben. |